Kleine Ausstellung „Picassos Renaissance“
Von Cranach inspiriert

Münster -

Der große Meister konnte auch mal große Sprüche machen: „Die Leute reden immer über die Renaissance – aber sie ist wirklich erbärmlich“, urteilte Pablo Picasso und schob als Begründung nach: „Ich habe kürzlich einige Tintorettos gesehen. Es ist nichts als Kino, billiges Kino.“

Donnerstag, 08.02.2018, 17:02 Uhr

„Pagenspiele“ ist der Titel dieser Lithografie, die Pablo Picasso 1951 schuf.
„Pagenspiele“ ist der Titel dieser Lithografie, die Pablo Picasso 1951 schuf. Foto: Succession Picasso, Paris, VG Buch-Kunst, Bonn, 2018

Welch ein Glück für Al-brecht Dürer oder Lucas Cranach den Älteren (beziehungsweise deren Angedenken), dass ihre Werke vor den Augen des selbstbewussten Genies Gnade fanden. Was das Kunstmuseum Pablo Picasso jetzt mit seiner Schau „Picassos Renaissance“ demonstriert, die im oberen Stockwerk die aktuelle Foto-Ausstellung ergänzt.

Dürers „Rhinocerus“ ist dafür ein perfektes Beispiel. Der Renaissance-Meister, der nie ein Nashorn leibhaftig gesehen hatte, verpasste dem porträtierten Tier auf seinem berühmten Holzschnitt eine schrundige Körper-Oberfläche, die Picasso offensichtlich gefallen hat: Dessen ebenso imposante Lithografie „Die Kröte“ scheint unmittelbar von Dürer inspiriert worden zu sein, wie Kurator Alexander Gaude vom Picasso-Museum sagt. Und Cranachs „David und Bethsabée“ nahm Picasso zum Vorbild, um in einer Folge von Lithografien seine Meisterschaft in dieser Technik zu zeigen. Wie Spotlights heben die hellen Stellen der sechsten Version Einzelheiten des Bildes hervor und verdeutlichen die biblische Geschichte des begehrenden Königs innerhalb der komplexen Bild-Komposition.

Es sind aber nicht nur die Künstler diesseits der Alpen, die Pablo Picasso schätzte. Auch die italienische Renaissance besaß Persönlichkeiten und hat Werke hervorgebracht, denen er Respekt und Bewunderung zollte. Dass er Leonardo da Vinci und besonders Michelangelo verehrte, illustriert die kleine Schau ebenfalls, etwa mit einer Porträt-Lithografie der jungen Geliebten Marie-Thérèse Walter. „Picasso scheint in der Herausbildung ihrer Kinn-, Stirn- und Augenpartie durch Schattierungen Leonardos Technik des ,sfumato‘ eine Reverenz zu erweisen“, erklärt Alexander Gaude

Als gar nicht so kleine Besonderheit, die über Picasso hinaus einen Blick in die Bestände des Hauses ermöglicht, finden sich im letzten Raum einige Blätter aus Künstlerbüchern der Sammlung Classen, die Picassos Freunde und Zeitgenossen Raoul Dufy und André Derain geschaffen haben. Dufay und der Dichter Guillaume Apollinaire orientieren sich in ihrem Bestiarium ebenso an Vorbildern der Renaissance wie André Derain, der den Rabelais-Roman „Gargantua und Pantagruel“ illustrierte: Seine Bilder erinnern nicht zufällig an jene alten Tarot-Karten, die ebenfalls in der Schau zu sehen sind.

Zum Thema

„Picassos Renaissance“, Kunstmuseum Pablo Picasso, bis 22. April Di - So 10 bis 18 Uhr (neben der großen Ausstellung „Edward Quinn – Mein Freund Picasso)

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