Lutz Görner und Nadia Singer im Rathaus
Dreivierteltakt ohne Tänzer

Münster -

Kraftvoll, technisch sicher und jede Klangfarbe auskostend beendete Nadia Singer mit „La Valse“ von Maurice Ravel am Sonntag das moderierte Konzert im Rathausfestsaal. Die Zuhörer feierten die junge Pianistin und Moderator Lutz Görner mit großem Beifall, der zu Beginn launig sagte: „Es gibt nur ein Problem: Sie müssen heute Abend Lust auf Konzertwalzer haben. Wir haben nichts anderes!“

Montag, 05.02.2018, 17:02 Uhr

Lutz Görner moderierte das Konzert, Nadia Singer nahm am Flügel Platz.
Lutz Görner moderierte das Konzert, Nadia Singer nahm am Flügel Platz. Foto: heh

Görner plauderte, gut vorbereitet, über die Veränderungen in Kunst und Gesellschaft nach großen Kriegen. So sei in Ravels „La Valse“ (1920) die musikalische Sprache hörbar zerrissener, als sie es im 19. Jahrhundert generell oder gar bei den stets unterhaltsamen Walzerkompositionen der Strauß-Dynastie gewesen sei. Konzertwalzer, also Walzer, die ausschließlich als nicht tanzbare Musik angelegt waren, waren lange beliebt auf teils hochvirtuosen Klavierabenden. Görner und Singer luden die Zuhörer in diese Musikwelt ein und ernteten nach jedem Walzer viel Applaus.

Webers „Aufforderung zum Tanz“ (1819) eröffnete den Reigen. Singer ließ bereits erkennen, dass die großen Klänge und die technischen Eisberge ihre musikalische Heimat sind. Hector Berlioz, der französische Komponist mit der Liebe zu den Morphinen, folgte mit „Un Bal“. Singer kostete das Bunte dieser Musik aus. Meyerbeer, Chopin, Liszt und Gounod kamen mit ihren bekanntesten Konzertwalzern (meist original für das Klavier komponiert) daher. Görner führte dazu aus, dass Richard Wagner Giacomo Meyerbeer aus zwei Gründen hasste: Meyerbeer kam aus wohlhabendem akademischem Haus und war Jude. Meyerbeers „Valse Infernale“ lag Nadia Singer. Hier nutzte sie jede Möglichkeit, um die Musik kraftvoll fließen zu lassen.

Claude Debussy schrieb „La plus que lente“ 1910. Der Walzer, der nur eine Tempobezeichnung („So langsam wie möglich“) aufweist, ist vom Komponisten für das Genre langsamer Walzer angelegt und muss nicht zwingend im stehenden Tempo vorgetragen werden. Singer kostete jede Nuance aus. Am Ende gab es eine kurze Reise durch alle neun Walzer des Programms als Zugabe. Schade, dass nicht mehr Zuhörer den Weg ins Rathaus gefunden hatten.

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