Formation Akatsuki zeigte „All In One Show“
Wie von Magneten gelenkte Späne

Münster -

„Wusste ich nicht, dass man das Trinken nicht mit rein nehmen darf“, rief die junge Frau ihrem Freund nach, der beleidigt aus dem Kleinen Haus stürzte. Das gehört eben zur Rest-Etikette des bürgerlichen Theaters: In diesen (noch) halbwegs heiligen Hallen der Kunst ist Essen und Trinken während der Aufführungen (noch) ein Sakrileg. Dabei hätte in der „The All In One Show“ der münsterischen Hip-Hop-Formation Akatsuki eine Abkühlung gar nichts ausrichten können: Das zumeist jüngere „Tanzspek-trum“-Publikum schien für eine jubelnde Endlosschleife vorgeglüht zu haben.

Montag, 05.02.2018, 17:02 Uhr

Der Hip-Hop gab den Rhythmus vor bei diesem Tanzabend im Kleinen Haus.
Der Hip-Hop gab den Rhythmus vor bei diesem Tanzabend im Kleinen Haus. Foto: mosi

Konventionelle Regeln lösten sich in Luft auf, ein Programmzettel blieb unauffindbar. Und doch erfüllte die Bühne grenzenloser Optimismus, kaum dass Tänzer und Tänzerinnen von allen Seiten her auftauchten, von nervösen Beats angezogen und gelenkt wie Späne von einem Magneten. Rastlos wechselten Outfits und Formationen: T-Shirt, Jeans und Turnschuhe, Lack und Leder zu Lady Style und Luftsprüngen.

Nur ein Podest stand auf der ansonsten leeren Bühne, für einzelne Szenen um bunte Stellwände ergänzt, hinter und zwischen denen Auf- und Umzüge eingefädelt und abgewickelt wurden. Kunstvoll und atemberaubend die Körperbeherrschung aller Tänzer – manchmal war es, als rutschte die Kompanie auf einer Bananenschale aus, um in der nächsten Sekunde wie nach einem inszenierten Witz zur perfekten Balance zurückzufinden.

Blicke schwelgten zwischen originell und ordinär, dann wieder fest auf imaginäre Fernen gerichtet, Hüften schwangen im Viervierteltakt, jeder Schritt, jeder Tigersprung vibrierte zwischen Sport, Spannung und Sex. Die Konnotationen beschworen fast eine neue Keuschheit: als sei jeder Re-frain der Musik ein Schuss gegen die Billigwelt des Konsums.

Daher die Augenblicke unvorhersehbarer Zartheit: Wenn sich zwei Mädchen plötzlich auf den Boden setzten und einander flirtende Blicke zuwarfen, oder wenn ein Hochzeitspaar durchs Spalier eines Gästetunnels schritt, um nur Augenblicke später einer entrückten Kollektivekstase zu verfallen. Die „Stories und Tributes“, die Akatsuki in choreographischen Mosaiken erzählte, waren mitunter abstraktes Körperballett, dessen virtuos synchrone Abläufe sich weniger durch Mienenspiel als durch Masken und Kleidung von sportiver Action abhoben. Auch Supportgruppen wie „Kazoku“ (jap. Familie) oder „Outcast“ aus Osnabrück, die Stile wie „Dance hall“ und „Vogueing“ miteinbezogen, blieben narkotischer Vitalität treu. Das Leben als Raufen und Rasen jenseits verbrauchter Kulissen: Hip-Hop-Begeisterung überall.

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