Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster präsentiert Bilder des Fotografen Edward Quinn
Daheim beim Genie

Münster -

Edward Quinn fotografierte die Stars, lichtete berühmte Schauspieler wie Jane Fonda und Alain Delon für Zeitungsartikel und illustrierte Home-Stories ab. Zur Arbeit des 1920 geborenen Iren an der Cote d‘Azur gehörten aber auch Termine wie die kleine Vernissage von Keramik-Werken in Vallauris. Quinn hatte erfahren, dass ein berühmter Künstler kommen würde: Pablo Picasso. Und als die anderen Reporter längst wieder verschwunden waren, gelangen dem geduldigen Fotografen mehrere Aufnahmen des 70-jährigen Kunststars mit seiner kleinen Tochter Paloma auf dem Arm.

Freitag, 02.02.2018, 16:02 Uhr

Weihnachten in der Villa La Californie: Picasso und Jacqueline mit Esmeralda, der Ziege, die ihm Jacqueline geschenkt hat. Das 1956 in Cannes entstandene Fotos ist eines der wenigen Farbbilder der Ausstellung
Weihnachten in der Villa La Californie: Picasso und Jacqueline mit Esmeralda, der Ziege, die ihm Jacqueline geschenkt hat. Das 1956 in Cannes entstandene Fotos ist eines der wenigen Farbbilder der Ausstellung Foto: Edward Quinn

Diese Fotos waren der Beginn einer Freundschaft, die bis zu Picassos Tod im Jahr 1973 andauerte – und sie sind der Beginn einer Ausstellung im Kunstmuseum Pablo Picasso, die 125 Bilder aus dem reichen Schaffen des Fotokünstlers zeigt und punktuell mit Picasso-Werken ergänzt. Zehntausend Bilder, erzählen Ann-Katrin Hahn und Professor Markus Müller vom Museum, sind in den mehr als 20 Jahren dieser Freundschaft entstanden, und doch habe Quinn die einzelnen Fotos sorgsam komponiert. An der künstlerischen Inszenierung war natürlich das Objekt, war also Picasso selbst maßgeblich beteiligt – und so sind in der Schau beide Seiten des „ersten globalen Kunst-Stars“ zu erleben: die öffentliche Figur, die sich für das Publikum in Szene setzt, und der private Mensch, dessen Genie der Betrachter zu erfassen sucht.

Schon in der Fülle des ersten großen Ausstellungsraumes fallen zwei Fotos auf, in denen der Künstler visionär am Fotografen vorbei in die Ferne blickt: wunderbar inszeniert. Die Bilder der Stierkampfbesuche im Durchgangsraum hingegen wirken wie Momentaufnahmen. Was man von den Fotos aus Picassos Schlafzimmer nicht sagen kann, schon allein wegen der raffinierten Anordnung vor den Flügeln des großen Spiegels. Verschiedene Aufnahmen zeigen Picasso, mit oder ohne seine letzte Frau Jacqueline, zwischen seinen Werken: sehr öffentlichkeitswirksam. Und dann wieder sieht man ihn bei der fröhlichen Begrüßung des Fotografen David Douglas Duncan oder im Gespräch mit Edward Quinn (der seine Kamera kurz an Jacqueline auslieh): Diese Fotos machen den Eindruck perfekter Schnappschüsse.

Duncans Bilder, die schon in Münster zu sehen waren, und Quinns Fotos sind nicht grundverschieden, obwohl der eine Fotograf zur Hausgemeinschaft gehörte, während der andere, eben Quinn, diskreter Gast blieb. Das Universum Picasso hat sie sich einverleibt – und ist so reichhaltig, dass man sich trotz der Fülle nicht sattsieht.

Zum Thema

Edward Quinn: Mein Freund Picasso. Bis zum 22. April dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr  | www.kunstmuseum­- picasso-muenster.de

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