Stephan Us sucht Blut-Spender für Kunstaktion
Mit Lebenssaft gegen Nationalismus

Münster -

„Wir sind Sternenstaub“ – ein Zeitungsartikel mit diesem Titel hat Stefan Us zu seiner Performance „stars & stripes“ am Sonntag in der Ausstellungshalle am Hawerkamp angeregt. Wenn wir alle aus Sternenstaub sind, so seine Überlegung, dann sind wir in einem großen Kontext gesehen auch alle gleich, und jede Art von Nationalismus wäre Ausgrenzung. Um diesen großen Kontext herzustellen, hat er eine Blutspendeaktion ins Leben gerufen.

Mittwoch, 31.01.2018, 18:01 Uhr

Flaggensterne schleuderte Stephan Us auf die weiße Leinwand, wo sie „Verletzungen“ anrichten.
Flaggensterne schleuderte Stephan Us auf die weiße Leinwand, wo sie „Verletzungen“ anrichten. Foto: Helmut Jasny

25 Menschen hatten bis zum Zeitpunkt der Performance bereits einen Tropfen ihres Lebenssaftes samt zugehörigem Stammbaum abgegeben. Auf einem kleinen Podest am Eingang der Halle kann man die Daten nachlesen. Von Königsberg nach Münster führt die Spur des Blutes, von Damaskus nach Arnsberg, von Kroatien nach Greven. Weitere Tropfen sollen das Netz noch weiter spannen.

Doch zur Performance: 297 Blechsterne hat Us ausgesägt. Sie stehen für die 297 Nationen, die einen Stern auf ihrer Flagge haben. Er schleudert sie einen nach dem anderen auf eine große Platte aus Dämmmaterial. Dort schlagen sie ein wie Bomben. Und es fließt auch Blut – aus kleinen Beuteln, die Us in die Platte implantiert hat. Man muss nicht viel Fantasie mitbringen, um zu verstehen, was gemeint ist. Zumal er zuvor in einem grotesken Marsch mit kleinen Lautsprecher an den Füßen die Nationalhymnen aller Kontinente gegeneinander hat anspielen lassen.

Die Performance „stars & stripes“ ist Teil des Projekts „Nomadic No Man‘s Land“, für das sich Us schon ein „Niemandsland“ als Staatsangehörigkeit in den Personalausweis eingetragen hat. Die Idee, die dahintersteckt, ist es, temporär einen realen Raum zu inszenieren, der den Geist des Gleichseins zum Ausdruck bringt. Als Wanderer in einem solchen Raum ist er auch jetzt unterwegs. Nackt und unbehaust, mit einem langen Haselnusszweig als Wanderstab, schreitet er die Halle ab, deren Boden er vorher mit dem Blut der Spender beträufelt hat.

Den Abschluss der knapp einstündigen und höchst eindrucksvollen Performance bildet ein Gedicht: „Vergiss nicht, du bist Sternenstaub, wie jeder, wie All, und anderes auch“, heißt es darin. Allerdings muss man den Text erfragen, denn Us verfremdet seine Stimme bis zur Unverständlichkeit.

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Kontakt für Blutspender online:  | www.archiv-des-nichts.de/  news.html

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