Wie einst auf dem Jahrmarkt
Die bisweilen düstere neue Show „Freaks“ des GOP-Varietés

Münster -

Die Kleinwüchsigen, die Frau mit Bart, der stärkste Mann der Welt – auf den Jahrmärkten des 19. Jahrhunderts hatten die „Freaks“ ihren festen Platz: Menschen, die einer Laune der Natur, im Englischen „freak of nature“, unterworfen waren. „Freaks“ heißt auch die neue Show im GOP-Varieté, die zu Beginn des neuen Jahres ihre Uraufführung am Standort Münster feierte und sich auf diese sehr spezielle Form der Volksbelustigung besinnt.

Dienstag, 09.01.2018, 13:01 Uhr

Der Horrorclown bildet den Bühnenhintergrund für die Show „Freaks“, in diesem Fall für das schaurig-schöne Zusammenspiel von Bronwen Pattison und Sébastien Tardif.
Der Horrorclown bildet den Bühnenhintergrund für die Show „Freaks“, in diesem Fall für das schaurig-schöne Zusammenspiel von Bronwen Pattison und Sébastien Tardif. Foto: TOOFAN HASHEMI

GOP-Hausregisseur Detlef Winterberg mutet seinem Publikum schwere Kost zu, denn „Freaks“ bewegt sich weitab vom Varieté-Mainstream. Schon der Beginn ist düster, denn hinter dem noch geschlossenen Vorhang scheint ein Gewitter auf die Bühne niederzugehen. Wenn der Blick dann freigegeben wird, schaut der Betrachter als erstes auf die Fratze einer überdimensionierten Horrorclown-Maske, die das Bühnenbild während der kommenden zwei Stunden Unterhaltung prägen wird.

Die inszenatorischen Fäden hat ganz eindeutig der „Zeremonienmeister“ Elyas Khan in der Hand. Der groß gewachsene Brite sticht mit seinem mächtigen indischen Bart und einem weißen Kopf-Federschmuck schon optisch heraus, bestimmt aber vor allem mit seiner ganz besonderen Musik – einem schwer zu fassenden Soundmix aus Gesang, Gitarre und elektronischen Klängen, der sich stilistisch irgendwo zwischen Dark Wave und Gothic ansiedeln dürfte – den Verlauf der Show.

Schräg sind auch die Charaktere der Artisten, die zum Teil mit sehr ungewöhnlichen Darbietungen überraschen. Mit Abstand den größten Applaus ernten die beiden ukrainischen Kraftakrobaten vom „Duo Vladimir“, deren spektakulärstes Element eine Hebefigur ist, bei der die beiden muskelbepackten Künstler nur noch über zwei ineinander gesteckte Dolche verbunden sind. Nach der Pause treten sie dann noch einmal als Trio auf, wenn ihre Landsfrau Kateryna Snitko hinzustößt.

Nicht jede Anleihe bei den klassischen Jahrmarkt-Freaks des vorletzten Jahrhunderts gelingt. So fallen vor allem die Moderationen der Schwertschluckerin „MisSa Blue“ sehr hölzern aus und erinnern eher an die Präsentationen aus dem Homeshopping-TV als an gute Varieté-Unterhaltung. Auch die Auftritte des kanadischen Comedians Sébastien Tardif, der meist das verbindende Element zwischen den einzelnen Acts bildet, wirken zuweilen doch eher bemüht. Wettgemacht werden solcherlei Schwächen dann aber wieder durch solch innovative Nummern wie etwa der Tanz der „Spinnenfrau“ Estrella Urban oder die gewagte Cyr-Darbietung der „bärtigen Lady“, Gabriel Drouin.

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Die Show „Freaks“ ist noch bis zum 11. März im GOP-Varieté Münster zu sehen.

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