Yoana Tuzharovas dunkler Weg im gläsernen Pavillon
Offener Tunnel durchs Haus

Münster -

Der künstlerische Eingriff ist scheinbar simpel; die Wirkung aber phänomenal. Yoana Tuzharova irritiert in ihrer Arbeit „Outside­insideout“ inspirierend mit Widersinnigkeit, Widerspruch und Witz.

Montag, 08.01.2018, 23:01 Uhr

So einfach und doch so verblüffend: Yoana Tuzharova hat den gläsernen Wewerka-Pavillon mit einem schwarzen Tunnel durchstoßen.
So einfach und doch so verblüffend: Yoana Tuzharova hat den gläsernen Wewerka-Pavillon mit einem schwarzen Tunnel durchstoßen. Foto: Gerhard H. Kock

Die Absolventin der Kunstakademie Münster und Stipendiatin 2017 der Katholischen Akademie Schwerte verbindet die beiden Türen gleichsam mit einem dreidimensionalen hohlen Strich miteinander; kurz: Die gebürtige Bulgarin hat schlicht einen Tunnel durch das Gebäude gestoßen. Einen Tunnel! Der gehört unter die Erde. Aber damit fangen die Widersprüche erst an.

Münsters größte Ausstellungsvitrine ist gläsern, aber stets abgeschlossen. Das ist schon ein Gegensatz, der aber in der Regel unbemerkt bleibt. Yoana Tuzharova macht ihn geradezu sichtbar, indem sie diese Architektur öffnet. Dadurch ist der Pavillon jetzt geöffnet und durchlässig. Man könnte sagen transparent, wenn der Tunnel nicht ein schwarzes Loch wäre. Wie gewonnen, so zerronnen.

Yoana Tuzharova im Wewerka-Pavillon

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  • P1170481.jpg Foto: Gerhard H. Kock
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Dafür bietet das getunnelte Betreten des Ausstellungsraumes die Erfahrung eines vorgestellten Raumes, den der Betrachter in sich mitnimmt. Denn er kennt beim Betreten die Lage. Wäre dieser Tunnel in einem monolithischen Block, würde sich das Durchgehen völlig anders anfühlen. Der Nutzer weiß also in der Röhre um die transparente Weite außerhalb. Zugleich aber verliert sich in der Vorstellung durch die Länge und Enge die Lage des den Tunnel umgebenden Glasraumes. Intuitiv erhebt sich die Frage: Wann bin ich noch im Pavillon-Bereich des Tunnels und wann nicht mehr?

Der Holztunnel ist 28 Meter lang, 1,12 Meter breit und 1,92 Meter hoch. Jenseits des Erlebnisses beim Durchschreiten ergeben sich auch außerhalb ästhetische Eindrücke. In dem Dunkel des Schwarz zeichnet sich am Ende wieder die Umgebung ab. Das „Licht am Ende des Tunnels“ wirkt wie ein Spiegel oder ein Gemälde.

Das sind die Eindrücke tagsüber. Nachts verändert sich die Wirkung noch einmal vollends. Sicherheitslicht ermöglicht selbst dann das sichere Durchqueren dieses „Angstraumes“. Aber die Bedeutung des gläsernen Umbaus wird sich im Dunkel einer mondleeren Nacht verlieren.

Tuzharova ist künstlerisch vielseitig aufgestellt – von Installationen über Druckgrafik bis hin zu Orthodoxer Wandmalerei in einer Kirche.

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Die Eröffnung ist am Dienstag (9. Januar) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon, Kardinal-von-Galen-Ring/ Annette-Allee. Die Installation ist bis 18. März zu sehen.

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