Jugendorchester Havixbeck konzertierte in St. Stephanus
Mit britischem Pathos

Münster -

„England ist seine geschichte“ (…) alle andern sind ein herzloser kreislauf“, dichtete der österreichische Experimental-Lyriker Ernst Jandl (1925-2000) und lag goldrichtig: England kann als „verspätete Nation“ aus Prinzip gelten: Vom Kanal zwischen Königreich und Festland ließ man sich noch den Außenseiter-Status nobilitieren. Das Weihnachtskonzert des Jugendorchesters Havixbeck unter der Leitung von Rainer Becker in der St.-Stephanus-Kirche nahm mit seinem Motto „Ding! Dong! Merrily on High“ folgerichtig englische Exzentrik ins Visier: Auch fromme Anliegen bedürfen des weltlichen Pathos.

Montag, 01.01.2018, 17:01 Uhr

Das Jugendorchester Havixbeck bot Britisches zur Weihnachtszeit.
Das Jugendorchester Havixbeck bot Britisches zur Weihnachtszeit. Foto: Moseler

Kaum ein Stück hätte das grandios Repräsentative englischer Musik besser illustrieren können als Sir William Waltons Marsch „Crown Imperial“, der 1937 bei den Krönungsfeierlichkeiten für König George VI. erklang. Das Orchester spielte ihn zügig und rhythmisch präzise, wenn auch in der Reprise des majestätischen Hauptthemas zu flott. Hier schien royale Grandezza im Stechschritt zur Abdankung gedrängt, wo doch jeder Takt die Verpflichtung einer (Ex-)Weltmacht schultert. Die Blechbläser präsentierten sich hier als schwergewichtige Eminenzen des Orchesters.

Über William Hayman Cummings Adaption des englischen Weihnachtsliedes „Hark! The Herald Angels Sing“ lag ein Hauch Wehmut, vom Orchester zart ausgespielt. In Gustav Holsts „First Suite in Es for Military Band“ ließen sich Trompeten hören, vom Aufwind reinster Sanftmut erfasst, perfekt parierte das Silberkonfetti des Triangel patriotische Untertöne. Nach diesem Werk schien Peter Meechans „Song of Hope“ hoffnungslos. So engagiert für einen befreundeten, an Krebs erkrankten Trompeter geschrieben – so irritierend gefühlvoll war die Musik: Eine Solotrompete zog einsam durch die Partitur, während das Orchester mit Tuschambitionen auch in unpassenden Momenten aufzuwarten hatte.

Organist Simon Brüggeshemke spielte, dezent regis-triert, Louis Viernes „Carillon de Westminster“, als würde es von Engelszungen umflattert, in Charles Woods euphorischen „Ding! Dong! Merrily on High“ sekundierte er souverän dem Orchester. Leroy Anderson war ein Könner ohne Genie-Ambitionen, seine „Suite of Carols“ klang, als fielen Weihnachten und Karneval zusammen. Sorgfältig interpretierte das Holzbläser-Ensemble diese Musik, bevor Ralph Vaughan Williams‘ Hymnus „Sine nomine“ schwergewichtig abschloss.

Viel Beifall gab es am Ende für die fabelhafte Orchesterleistung.

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