Chiaroscuro sang Weihnachtsoratorium von Oskar Wermann Hörenswerter Ausflug in die Spätromantik

Münster -

Eine echte Rarität hat der Chor Chiaroscuro für sein Konzert am zweiten Weihnachtstag einstudiert: das Weihnachtsoratorium von Oskar Wermann, eine Premiere in Münster. Entsprechend riesig war das Interesse, sodass schnell noch zusätzliche Stühle neben die vollen Kirchenbänke im Kapuzinerkloster gestellt wurden.

Von Brigitte Heeke
Das Weihnachtsoratorium  von Oskar Wermann stellte der Chor Chiaroscuro am zweiten Weihnachtstag in der Kapuzinerkirche vor – eine Premiere in Münster.
Das Weihnachtsoratorium  von Oskar Wermann stellte der Chor Chiaroscuro am zweiten Weihnachtstag in der Kapuzinerkirche vor – eine Premiere in Münster. Foto: Brigitte Heeke

Der Komponist (Dresdner Kreuzkantor von 1876 bis 1906) orientierte sich in dem Werk deutlich an den großen Oratorien der Musikgeschichte. Obwohl an barocke Formen angelehnt, etwa in der prächtigen Schlussfuge, dem Chor der Engel („Ehre sei Gott in der Höhe“) oder auch im instrumentalen Vorspiel über den Adventschoral „Nun komm der Heiden Heiland“, sind Klang und Duktus tief romantisch geprägt.

Das selten aufgeführte Werk hat einen eigenen, durchgehenden Text ( Paul Victor Schmidt ) und ist ein hörenswerter Ausflug in die Spätromantik. Vor allem, wenn man sich noch das groß besetzte Orchester dazu vorstellt. Dafür wäre das Notenmaterial nicht beschaffbar. Bei Chiaroscuro übernahmen aber die Pianistin Anne Temmen-Bracht und der Querflötist Alexander Stein die Begleitung mit Bravour.

Unter der Leitung von Lothar Solle stellten die etwa 40 Sängerinnen und Sänger das auf zehn Sätze gekürzte Werk klangvoll vor. Mit Kaari Krüger (Sopran), Gertrud Hurck (Alt), Burkhard Solle (Tenor) und Uwe Birkhahn (Bass) standen dem Chor versierte Solisten zur Seite. Im Quartett „Ein heilig’ Wunder ist gescheh’n“ verschmolzen ihre Stimmen besonders innig.

Im Mittelpunkt steht das weihnachtliche Geschehen in Bethlehem. Das Werk arbeitet dabei viel mit Gegensätzen. So stellen Alt und Tenor in einer Arie die Armut der Krippe dem „Reichtum der Welt“ gegenüber. Das göttliche Licht als Gegensatz zum „Dämmer der Nacht“ ist als weihnachtlicher Trost ebenfalls ein wiederkehrendes Thema. Das passt wunderbar zu dem Chor, dessen Name „Chiaroscuro“ (italienisch für „hell – dunkel“) eine Anspielung auf eine Gestaltungstechnik in der Malerei ist.

Wie hoch der Anspruch an die Sängerinnen und Sänger in dieser Musik jedoch ist, wurde noch einmal zum Ende des Konzertes deutlich, und zwar als der Chor sich für den begeisterten Applaus mit einer Zugabe bedankte, die einem bekannteren „WO“ entstammt. Mit dem festlichen „Tollite hostias“ aus dem „Oratorio de Noël“ von Camille Saint-Saëns rundete Chiaroscuro sein Konzert gelöst und glanzvoll ab. Standing Ovations!

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