Angelika Ober führt seit zwei Jahrzehnten mit dem Boulevard Münster ihr eigenes Theater
„Ich will noch lange dabeibleiben“

Münster -

Es gibt nur eines, was Angelika Ober an diesem Morgen tüchtig die Stimmung verhagelt. Ihr Anruf bei der Stadt Münster.

Donnerstag, 21.12.2017, 08:12 Uhr

Die Perle Anna war im Dezember 1997 das erste Stück im eigenen Theater von Angelika Ober.
Die Perle Anna war im Dezember 1997 das erste Stück im eigenen Theater von Angelika Ober. Foto: Petra Noppeney

Es gibt nur eines, was Angelika Ober an diesem Morgen tüchtig die Stimmung verhagelt. Ihr Anruf bei der Stadt Münster. Und die Auskunft, dass es mal wieder keine Subventionierung für das Privattheater in der Königspassage gibt. Die Sorge um das liebe Geld: Sie treibt Angelika Ober um, seit sie nach dem Ende ihres Engagements an den Städtischen Bühnen in den 90er Jahren beschloss, in Münster ein Boulevardtheater zu etablieren. Und wer die quirlige Schauspielerin und Intendantin erlebt, wundert sich nicht, dass es ihr mit Hilfe von privaten Förderern gelungen ist. In diesem Dezember feiert das Theater mit den markanten roten Sitzen sein 20-Jähriges.

„Die Perle Anna “ war das erste Stück, das am 13. Dezember 1997 im Boulevard Premiere feierte. Ein Schwarz-Weiß-Foto dokumentiert, woran sich Ober lebhaft erinnert: „Wir hatten nicht so viel Licht wie heute.“ Lange hat Ober nach diesem Theaterraum gesucht. Wie sie auf die Idee kam, ein Boulevard-Theater zu gründen? „Ich habe in meiner Zeit am Theater erlebt, dass Regisseure mit ihren Inszenierungen gute Ideen der Vorlagen verschenkt haben“, sagt Ober. Und dachte bei sich: „Da kann ich mehr draus machen.“

Angelika Ober als „Perle Anna“ 1997.

Angelika Ober als „Perle Anna“ 1997. Foto: Boulevard Münster

Den Verlust ihres Engagements an den Städtischen Bühnen sieht die Schauspielerin, die am Mozarteum in Salzburg ausgebildet wurde, heute als „Tritt in den Hintern zum Theater hin“. Und natürlich unterliefen ihr anfangs Fehler. Die größte Katastrophe damals: Kurz vor der für Oktober 1997 geplanten Premiere von „Die Perle Anna“ mussten die Sitze wieder raus, weil sie nach Ansicht des Bauordnungsamtes zu steil anstiegen. Ober musste die sechswöchige Verzögerung teuer bezahlen, denn die Schauspieler waren schon verpflichtet. Von „Lehrgeld“ spricht Ober heute. Und davon, welch glückliche Fügung es war, dass sie mit Kaufmann Franz-Josef Görtz und Architekt Dieter Sieger zwei Unterstützer hatte, die sie bei der Verwirklichung der Boulevard-Idee tatkräftig unterstützt haben.

86 Inszenierungen hat das mit großem Stammpublikum gesegnete Theater inzwischen erlebt. Gern hätte Ober mehr Krimis inszeniert. „Die laufen aber nicht so gut in Münster.“

Die ohne Zweifel erfolgreichste Produktion: Loriots Sketche, die anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Theaters von Ober und ihrem Team auf die Bühne gebracht wurden. Lebhaft erinnert sich Ober im Gespräch daran, wie sie für eine „Hier und heute“-Sendung des WDR nach Düsseldorf eingeladen wurde und die Zugfahrt nutzte, um Loriots Ansage einer englischen Fernsehserie zu proben. „Ich hab’s im Geiste gemacht. Es kann aber gut sein, dass mir im Zug dabei das ein oder andere ,th’ laut rausgerutscht ist.“

Wer Ober nach Pannen fragt, hört Anekdoten von Schauspielern, die wegen Muffensausen abgesprungen sind – oder wegen Übelkeit plötzlich nicht spielen konnten. Dann ist Improvisation gefragt. Requisiten, die nicht da liegen, wo sie liegen sollen, der Auftritt durch die verkehrte Tür – alles dagewesen. „Das wird, wenn man’s erklärt, vom Publikum aber immer mit Lachen quittiert.“

Dass die Probe für ein Stück aber auch zum Albtraum werden kann, weil sich zwei Darsteller plötzlich spinnefeind sind, oder der Inhalt eines Stückes Animositäten zwischen Ensemblemitgliedern weckt – auch das hat Ober leidvoll erfahren. Ihre Maßgabe, wenn sie – neben Stammspielern wie Magnus Heithoff und Michaela Fleischer – Kräfte von der Zentralen Arbeitsvermittlung für Schauspieler (ZAV) anfordert, lautet daher: „Leute, die nur an sich selber denken, kann ich hier nicht gebrauchen.“

Und was für Pläne hat Ober? Das Angebot für Senioren möchte sie in der Zukunft erweitern – mit der 18.30-Uhr-Vorstellung am Montag. Und die Pläne für sie selbst? „Ich will noch möglichst lange dabeibleiben – am besten so lange, bis ich den Silvesterklassiker „Der 90. Geburtstag“ im Original spielen kann . . .“

Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5372394?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Liebenswerte, merkwürdige Stadt
Oberbürgermeister Markus Lewe (vorne) begrüßte die Minister und Staatssekretäre im Friedenssaal. Die Gäste, unter ihnen auch NRW-Landwirtschaftsministerin Christina Schulze Föcking (r.), trugen sich ins Goldene Buch der Stadt ein.
Nachrichten-Ticker