„Messias“ beschert nach der Pause 2016 wieder einen garantiert unbesinnlichen Abend im Pumpenhaus Satire verjährt nicht

Münster -

Bühnennebel wabert, die Discokugel dreht sich, und aus den Lautsprechern säuseln Weihnachtslieder. Es ist wieder Zeit für den „Messias“ im Pumpenhaus. Insbesondere weil er voriges Jahr nicht gekommen ist.

Von Helmut Jasny
Das Trio Navidad: Pitt Hartmann (mit Schiff), Benedikt Roling (mit Flügeln) und Gabriele von Groote (mit Stimme) führen den „Messias“-Kult im Pumpenhaus weiter.
Das Trio Navidad: Pitt Hartmann (mit Schiff), Benedikt Roling (mit Flügeln) und Gabriele von Groote (mit Stimme) führen den „Messias“-Kult im Pumpenhaus weiter. Foto: Helmut Jasny

Bühnennebel wabert, die Discokugel dreht sich, und aus den Lautsprechern säuseln Weihnachtslieder. Es ist wieder Zeit für den „Messias“ im Pumpenhaus. Insbesondere weil er voriges Jahr nicht gekommen ist, nachdem sich Pitt Hartmann bei einem Fahrradunfall einige Knochen gebrochen hatte und auch Benedikt Roling nach einer Lungenoperation nicht fit genug war, um ein 100-minütiges Krippenspiel durchzustehen. Noch dazu eines, das so schräg daherkommt wie „Der Messias“ von Patrick Barlow.

Aber jetzt strotzen beide wieder vor Gesundheit, und auch Gabriele von Groote, die Dritte im Bunde, zeigte sich bei der Premiere am Sonntag bestens aufgelegt. Das ist nicht selbstverständlich, immerhin spielen sie das Stück in dieser Besetzung schon seit beinahe 30 Jahren. Langweilig wird es deshalb aber keineswegs, denn Satire verjährt nicht. Und davon hat die Aufführung einiges zu bieten.

Das fängt schon mal damit an, dass Theaterdirektor Theo (Pitt Hartmann) und sein Schauspieler (Benedikt Roling) aus Kostengründen sämtliche Rolle selbst übernehmen und bei der Gelegenheit auch noch allerlei psychische Defekte und persönliche Animositäten ausleben. Auf diese Weise verirrt sich nicht nur eine buddhistische Meditation in das christliche Weihnachtsspiel, sondern auch der Monolog eines jugendlichen Liebhabers aus dem Kurtheater Bad Oeynhausen.

Bei der eigentlichen Geschichte schöpfen die Darsteller aus dem Vollen. Es gibt große Worte, große Gesten und noch größere Flügel für den Erzengel, der die frohe Botschaft zu verkünden hat. „Ein Baby? Wie dat denn?“, so Josefs nachvollziehbare Reaktion. Auch Maria kann es nicht recht verstehen, ist sie doch den ganzen Tag am Nähen dran ist . . . 30 Meter Vorhang für den Tempel, wo hätte sie denn da noch Zeit gehabt, schwanger zu werden?

Aber die Vorsehung will es nun mal so. Also schnappen sie sich einen Esel und machen sich auf den Weg nach Bethlehem, wo dann auch die glorreiche Frau Timm (Gabriele von Groote) ins Spiel kommt und mit ihrem opernhaften Gesang zusätzlich für Verwirrung sorgt. Und so geht der garantiert unbesinnliche Abend auch in diesem Jahr wieder mit viel Witz, konstruktivem Aus-der-Rolle-Fallen und einer Prise Publikumsbeteiligung über die Bühne.

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Vorstellungen täglich bis zum Samstag (23. Dezember) sowie am 26. und 27. Dezember um 20 Uhr sowie zusätzlich am 26. Dezember um 15 Uhr. Karten: ' 233443.

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