Adventskonzert von Canticum novum in Herz-Jesu
Jeder Ton auf Hochglanz poliert

Münster -

Wenn „Canticum novum“ zum Konzert einlädt, kann man sicher sein, nicht nur Chorklang höchster Qualität zu erleben, sondern darüber hinaus auch Repertoire kennenzulernen, das sich jenseits des gesicherten Bestands bewegt. So auch diesmal wieder beim Adventskonzert am Sonntagabend in der gut besuchten Herz-Jesu-Kirche.

Montag, 18.12.2017, 20:12 Uhr

Canticum novum musste krankheitsbedingt leicht dezimiert und ohne Dirigent Schmutte auskommen.
Canticum novum musste krankheitsbedingt leicht dezimiert und ohne Dirigent Schmutte auskommen. Foto: Chr. Schulte im Walde

Der Amerikaner Paul Manz und sein Oeuvre ist so eine Rarität, wenngleich Manz bei sich zu Hause äußerst populär wurde. Ganz in spätromantisch-angelsächsischer Tradition steht sein „E’en so, Lord Jesus, quickly come“ – während Ralph Vaughan Williams mit „This is the truth“ schon qua Herkunft sich dorthin verorten lässt: Sein schlichtes Strophenlied gab einigen Chorsängern solistische Entfaltungsmöglichkeit, sensibel unterlegt vom sanften Klangteppich der Kollegen. Dass von denen gleich fünf krankheitsbedingt ausgefallen waren, tat dem homogenen Eindruck des gesamten Chores nur wenig Abbruch. So wie auch der noch etwas empfindlichere Ausfall des Dirigenten Michael Schmutte, der das Krankenbett zu hüten hatte.

Stattdessen stand Chor-Altistin Felicitas Gerwin am Pult. Und sie machte ihre Sache gut, sehr gut. Souverän formte sie all die zwischen unterschiedlichen Stilen changierenden Klangwelten: Mal die herbe Schönheit eines Francis Poulenc , mal das streng Polyphone eines Heinrich Schütz. Dann wieder durch und durch flächige, statische Gebilde, mit denen Jan Sandström das „Es ist ein Ros’ entsprungen“ von Michael Praetorius konfrontiert und dabei buchstäblich in Einklang bringt.

Interessant auch die „Drei geistlichen Gesänge“ des Russen Alfred Schnittke, die drei ganz unterschiedliche Facetten ein und desselben Komponisten beleuchten. Mal expandierende, dann sich wieder zusammenziehende Cluster, Blockhaftes, das an die orthodoxe Liturgie erinnert – und ein „Vater unser“, in dem Bruckner und Poulenc ineinander zu fließen scheinen.

„Canticum novum“ kann eigentlich so ziemlich alles. Gerade auch „einfache“ Sätze wie jene von Augustinus Franz Kropfreiter oder Heinrich Weinreis. Da wird jeder Ton auf Hochglanz poliert. Nicht zuletzt im swingenden „Nova! Nova!“ des Ex-King’s Singers Bob Chilcott. Das gab dem erstklassigen Konzert den letzten Pfiff und sorgte für eine lautstarken Beifall.

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