Performancetheater Fetter Fisch stellt „The Art Piece“ vor Mit Intuition an die Kunst

Münster -

Die Vorstellung beginnt mit einem Kurzreferat über die Essenz von Kunst und die Unmöglichkeit, sie performativ darzustellen. Mit einer Hand voll Zettel steht Cornelia Kupferschmid auf der Bühne – für jeden Satz einen, damit sie oft umblättern und dabei streng ins Publikum schauen kann. Anschließend lässt sie sich noch über ihre Kollegin Marcela Riuz Qunitero aus, die entspannt im Hintergrund sitzt, während sie hier rumstottern muss. Damit ist der theoretische Teil vorbei, und das Spiel kann beginnen.

Von Helmut Jasny
Verrückte Sachen machen Marcela Riuz Qunitero (oben) und Cornelia Kupferschmid.
Verrückte Sachen machen Marcela Riuz Qunitero (oben) und Cornelia Kupferschmid. Foto: Fetter Fisch

„The Art Piece“ ist eine Performance zum Thema Kunst. Also Kunst über Kunst. Das ist keine leichte Aufgabe, die sich Regisseur Leonardo Kees und die Gruppe Fetter Fisch hier gestellt haben. Zumal das Stück laut Programmzettel für ein junges Publikum ab elf Jahren bestimmt ist. Aber vielleicht geht das unbedarfter an die Sache heran. Dann könnte es funktionieren. Szenen, die man besser intuitiv als mit Theorie im Kopf erfasst, gab es bei der Premiere im Begegnungszentrum an der Meerwiese jedenfalls einige.

Zum Beispiel die, in der Kupferschmid mit einem Stück Holz einen alten Pappkarton verprügelt. Warum? Weil man so was auf der Bühne machen kann. Dann sausen die beiden Performerinnen in einem weißen Quadrat herum, das sie vorher säuberlich auf den Boden geklebt haben, brüllen was von mangelnder „Satisfaction“ und fangen an, ausgewählte Zuschauer zu umarmen.

Es folgen Figuren, die irgendwo zwischen Modern Dance und Bodenturnen angesiedelt sind, später ein Ausdruckstanz, der vielleicht gar nichts ausdrücken will. Deshalb stellen sie die Musik auf Techno um. Der drückt zwar auch nichts aus, bringt aber mehr Satisfaction, wie man unschwer erkennen kann. Apart macht sich auch das fingierte Interview einer Künstlerin, das ein bisschen an Loriot erinnert.

Okay, man kann das alles schon irgendwie mit Kunst in Verbindung bringen. Vor allem, wenn man gerade wieder die Skulptur-Projekte hinter sich hat. Und wenn nicht, macht es auch nichts. Denn das Stück bringt das nötige Tempo und auch einiges an Witz mit, um junge Menschen eine Stunde lang bei der Stange zu halten. Außerdem müssen sie auch mal lernen, dass sich nicht immer alles rational verstehen lässt. Und eine Performance sowieso nicht.

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