Böser Blick auf die Mächtigen Neu im Theater Münster: „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser

Münster -

Das „Verhältnis der Mächtigen zum Volk“ ist aktuell und wird vom Schauspiel Münster auf die Bühne gebracht. Mit der Komödie „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser will Schauspieldirektor Frank Behnke als Regisseur einen weiblich bösen, vorwiegend unterhaltsamen Blick auf jenes Verhältnis werfen.

Von Gerhard H. Kock
Diktatoren-Gattinnen unter sich (v.l.): Frau Imelda (Regine Andratschke), Frau Leila (Ulrike Knobloch) Frau Margot (Claudia Hübschmann), die nicht von ungefähr an historische „Vorbilder“ wie Marcos, Ben-Ali oder Honecker erinnern.
Diktatoren-Gattinnen unter sich (v.l.): Frau Imelda (Regine Andratschke), Frau Leila (Ulrike Knobloch) Frau Margot (Claudia Hübschmann), die nicht von ungefähr an historische „Vorbilder“ wie Marcos, Ben-Ali oder Honecker erinnern. Foto: Oliver Berg

Walser lässt eine Frau Margot, eine Frau Leila und eine Frau Imelda (Ähnlichkeiten mit realen Personen sein kein Zufall) zu einer Pressekonferenz aufeinandertreffen. Ihr Leben soll verfilmt werden. Sie werden sich reizen und spreizen und unfreiwillig offenlegen, welche Verantwortung und Funktion solche Frauen an der Seite solcher Männer haben. Behnke : „Diese ‚Königinnen-Komödie’ ist bösartiges Entlarvungstheater.“

Hinzu kommt ein Simultanübersetzer, der ein Desaster verhindern will. Denn im Small-Talk über schusssichere BHs und die Handküsse von Mao verstricken sich die Ladys immer mehr in den Widersprüchen, die ein Leben als Glamour-Gattin an der Seite eines mörderischen Politikergatten mit sich bringt. Und wie sie über normale Menschen reden, bekommt eine besondere Schärfe.

Walser bedient sich über die Namen ihrer Figuren einer historischen Dimension. Imelda Marcos und Leila Ben-Ali (die auch Anleihen an Suzanne Mubarak und Asma al-Assad nimmt) sind für ihr luxuriöses Leben bekannt. Während Margot Honecker die ewig Gestrige bleibt, die Veränderungen nicht mitbekommt. Sie weigert sich, mit den beiden anderen in einen Topf geworfen zu werden.

Behnke will mit seiner Inszenierung auch zeigen, „wie sich die Mechanismen überall in der Welt gleichen, wie obszön Macht sein kann“. Dabei lobt er die „extrem hintersinnige und nuancenreiche“ Sprache der Autorin Theresia Walser. Die drei Diktatorinnen-Frauen sprechen deutsch, und der Übersetzer übersetzt auf Deutsch, ein hintersinniges Deutsch.

Dieser „Übersetzer“ werde im Laufe des Stücke zu einer Art Repräsentanten des Volkes, ein „unberechenbarer Mephisto“, der sich nicht nur an seiner eigenen Vergangenheit abarbeitet, sondern eine teuflische Lust entwickelt, die drei Figuren zu entlarven, so Behnke.

Mitwirkende sind Regine Andratschke, Claudia Hübschmann und Ulrike Knobloch sowie Jonas Riemer. Theresia ist die Tochter von Martin Walser. „Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel“ wurde 2013 uraufgeführt.

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Die Premiere ist am Freitag (10. November) um 19.30 Uhr im Kleinen Haus des Theaters, Neubrückenstraße. Karten: ' 5909100.

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