Premiere des „Hagios“-Liederabends in der Apostelkirche Großer Andrang beim gemeinsamen Singen

Münster -

Die Zuhörer stehen dicht an dicht in den Bankreihen und lassen sich von Helge Burggrabe in den Bann seiner ruhigen und sehr eingängigen Gebetsvertonungen ziehen.

Von Heike Eickhoff
Helge Burggrabe leitete in der vollen Apostelkirche die neue Form des gemeinsamen Singens an.
Helge Burggrabe leitete in der vollen Apostelkirche die neue Form des gemeinsamen Singens an. Foto: Heike Eickhoff

Die Zuhörer stehen dicht an dicht in den Bankreihen und lassen sich von Helge Burggrabe in den Bann seiner ruhigen und sehr eingängigen Gebetsvertonungen ziehen. Alle singen mit – meist entsteht eine recht saubere, gewollte Mehrstimmigkeit beim steten Wiederholen der kleinen Lieder. Ein strahlender kleiner Zimbelton kündigt das Ende eines jeden Lieds an.

Helge Burggrabe hat sein Projekt „Hagios“ („Heilig“), mit dem er derzeit unterwegs ist, ausschließlich mit Gebetsvertonungen bestückt. Ganz selten einmal greift der studierte Blockflötist zur Flöte. Meist nutzt er das Portativ, eine kleine, tragbare Orgel, um Melodien vorzustellen oder zu begleiten. Ruhig und freundlich leitet und moderiert er das Mitsing-Konzert, immer mit ein paar kurzen Erläuterungen und ein bisschen Humor gewürzt. Im Lied „Herzensauge, Herzensohr“ heißt es: „Schaue hindurch“. Burggrabe schmunzelt, dass diese Haltung auch „an der Ampel, an der Kasse und in der Ehe“ sehr zu raten sei. Die Zuhörer antworten darauf mit einem fröhlichen Lachen.

Die Musik schwingt meist in flüssigen Vierteln, die Zuhörer (nachdem sie das jeweilige kleine Lied erlernt haben) werden gebeten, sich hinzustellen. „So schwingt es mehr!“, meint Helge Burggrabe. Und: „Nicht in die Noten schauen, damit der Gesang noch mehr zum Gebet wird“, rät er.

So klingt ein „Ave Maria“ durch die evangelische Apostelkirche, ein hebräisches „Ruach“ („Atem“) ist dabei: „Das ist so neu, dass es noch nicht in diesem Heft drin ist“, erklärt Burggrabe und bittet, den dem orangefarbenen Heft beigelegten Liederzettel zu nehmen. Die Zuhörer singen mit, Lied um Lied, und sind sichtbar entspannt und fröhlich. Ein bisschen spirituelles „Rudelsingen“ im dunklen November, den Zuhörern Herz und Stimme erwärmend und verblüffend sauber klingend.

Denn Burggrabe achtet auf Intonation und Einsätze, nimmt gern die kleine Orgel zur Sicherheit dazu, singt selbst kräftig eine Nebenstimme (die sehr schnell von den singenden Zuhörern übernommen wird). Eine orangefarbene Rückwand im Altarraum, passend zum Gesamtlayout, sieht nicht nur ansprechend aus, sondern erleichtert Burggrabe auch akustisch die Leitung und Moderation. Am Ende wagen sich die Zuhörer, strahlend und innerlich erwärmt, hinaus in die dunkle Novembernacht.

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