Wewerka-Pavillon: Lis Schröders drei Performances „Das Angst-Game und das Love-Game“ Ist Liebe die Antwort?

Münster -

Spätestens seit Sigmund Freud weiß der Mensch: Er ist nicht Herr im eigenen Haus. Seit Antonio Damasio, dass Descartes sich irrte, als er meinte, das „Ich“ denke das „Sein“. Und mit Gerhard Roth („Wie das Gehirn die Seele macht“) lässt sich sagen: Gefühle sagen dem Verstand, wo’s langgeht.

Von Gerhard H. Kock
Lis Schröder hat im Wewerka-Pavillon Teppich verlegt. Er soll Wohnlichkeit vermitteln. Der Raum wird für Performances benötigt, die sich mit Distanz und Nähe, dem Harten und Weichen, mit der Angst und der Liebe beschäftigen werden.
Lis Schröder hat im Wewerka-Pavillon Teppich verlegt. Er soll Wohnlichkeit vermitteln. Der Raum wird für Performances benötigt, die sich mit Distanz und Nähe, dem Harten und Weichen, mit der Angst und der Liebe beschäftigen werden. Foto: Gerhard H. Kock

Spätestens seit Sigmund Freud weiß der Mensch: Er ist nicht Herr im eigenen Haus. Seit Antonio Damasio, dass Descartes sich irrte, als er meinte, das „Ich“ denke das „Sein“. Und mit Gerhard Roth („Wie das Gehirn die Seele macht“) lässt sich sagen: Gefühle sagen dem Verstand, wo’s langgeht. Geisteswissenschaftler ignorieren gerne diese von den Naturwissenschaftlern offenbarte Kränkung des Homo sapiens. Im Wewerka-Pavillon stellt nun eine Künstlerin dezidiert Gefühle in den Mittelpunkt dreier Performances: Lis Schröder .

Mit ihrem Projekt „Das Angst-Game und das Love-Game“ nimmt sie sich den „homo ludens“, das menschliche Spiel vor. In der ersten Performance wird der Ausstellungsraum der Kunstakademie als Wohnzimmer (Plattenspieler inklusive) angedeutet, Muckligkeit im Kon­trast zur herbstlichen Unwirtlichkeit. Zwei Männer werden in choreographierten Bewegungen Distanz und Nähe für die Dauer eines bekannten Vier-Minuten-Songs aus den 70ern erproben; als Symbol wird der getrennte Kreis auf den Matratzen eine Rolle spielen.

Lebende Skulpturen stehen im Mittelpunkt der zweiten Performance in zwei Wochen. Dann wird der Pavillon nicht zu betreten sein, sondern zur Vitrine, in der allein zwei Frauen zu betrachten sein werden. Im letzten Teil tritt Lis Schröder selbst in Aktion zusammen mit zwei Musikern. Die Künstlerin komponiert und textet auch, so dass hier ein Lied über das Thema dieser dreiteiligen Performance zu erleben sein wird.

„Wie reagieren wir auf Dinge, die uns verunsichern?“ Fragt sich die Künstlerin mit ihren Arbeiten. Und ob Nähe durch Liebe oder Freundschaft auf Dauer die Rettung bringen kann. Was privat klingt, könnte auch eine politische Dimension haben. Suchen doch selbst Staaten unter Stress nationalistische Nähe, wird bei bedrohlich erscheinenden Risiken Härte ersehnt. Von Populisten, die den Bürger bei der Angst packen, ganz zu schweigen.

Schröder (geboren 1982) studierte Philosophie, Germanistik und Skandinavistik in Köln, Oslo und Münster. Sie ist Meisterschülerin von Maik und Dirk Löbbert.

Zum Thema

Die Eröffnung mit Performance ist am Dienstag (7. November) um 19 Uhr am Wewerka-Pavillon, Kardinal-von-Galen-Ring (Torminbrücke). In den Abendstunden werden die Proben zu sehen sein. Weitere Performances dort: 20. November und 4. Dezember um 19 Uhr.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5270838?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F