Sophie Rois las Ingeborg Bachmanns „Probleme, Probleme“ Beatrix liebt lieber sich selbst

Münster -

„Grauenvoll“ ist das alles, „kompliziert“ und „eine Belastung“. Gemeint ist das Leben. Speziell dann, wenn es sich vormittags abspielt. Zu einer Zeit also, in der es im Bett doch viel schöner ist. Zumindest sieht das Beatrix so, die Protagonistin aus Ingeborg Bachmanns Erzählung „Probleme, Probleme“, mit der die Schauspielerin Sophie Rois in der Weverinck-Reihe „Meister des Wortes“ auftrat.

Von unseremMitarbeiterHelmut Jasny
Sophie Rois als Beatrix könnte auch in einem Wiener Kaffeehaus sitzen.
Sophie Rois als Beatrix könnte auch in einem Wiener Kaffeehaus sitzen. Foto: Helmut Jasny

Rois hat sich für ihre Lesung ein 60er-Jahre-Sofa auf die Bühne des Kleinen Hauses stellen lassen. Darauf sitzt sie in weißer Bluse und schwarzem Rock, die Beine graziös übereinandergeschlagen. Genauso könnte auch Beatrix mit ihrem Geliebten in einem Wiener Kaffeehaus sitzen und sich dessen Klagen über seine Ehefrau anhören. Das macht sie nämlich lieber, als mit ihm Sex zu haben. Denn jede Form von Aktionismus ist ihr von vornherein verdächtig und entspricht nicht ihrem Naturell.

Die 1972 erschienene Erzählung ist als innerer Monolog angelegt, in dem Beatrix ihren Überdruss an einer ihrer Meinung nach allzu geschäftigen Welt zum Ausdruck bringt. Rois kostet diese Stimmung aus, indem sie entsprechende Schlüsselwörter angeekelt in die Länge zieht, andere nur unwillig aus dem Mund tropfen lässt oder an bestimmten Stellen den Vokale dezent wienerisch einfärbt. Auf diese Weise gelingt ihr nicht nur ein höchst authentischer Vortrag, sondern auch eine perfekte Balance aus Komik und Tragik.

Denn „Probleme, Probleme“ ist nur auf den ersten Blick ein witziger Text. Hinter den oft ins Groteske gesteigerten Ausführungen hat die Bachmann bitterböse Kritik am Frauenbild der 50er und 60er Jahre versteckt. Beatrix, die aus Stil- und Bequemlichkeitsgründen keinen Beruf ausübt, geht nämlich gern zum Friseur und ins Kosmetikstudio. Und dort verliebt sie sich – in sich selbst, als sie ihr Bild im Spiegel erblickt.

An dieser Stelle verwandelt sich auch die Vortragende. Aller Verdruss fällt von ihr ab, sie bekommt leuchtende Augen und ihr Ton wird schwärmerisch. Allerdings ist ihr dieses Glück nicht lange vergönnt. Ein „Trampel“ von einer Kosmetikerin verdirbt Beatrix das Make-up derart, dass ihr ganzes Weltbild zusammenbricht und sie vor Verzweiflung aus dem Laden stürzt.

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