Sinfonieorchester und Konzertchor das erste Mal im Landesmuseum Europa spannend umspannt

Münster -

Island und Griechenland: Viel weiter voneinander entfernt geht’s in Europa kaum. Das Sinfonieorchester und der Konzertchor Münster boten im ausverkauften Landesmuseum einen Einblick in die sinfonische Musik der beiden Länder.

Von Brigitte Heeke
Sinfonieorchester und Konzertchor Münster boten im ausverkauften LWL-Museum für Kunst und Kultur einen Einblick in die sinfonische Musik aus Island und Griechenland.
Sinfonieorchester und Konzertchor Münster boten im ausverkauften LWL-Museum für Kunst und Kultur einen Einblick in die sinfonische Musik aus Island und Griechenland. Foto: Brigitte Heeke

Für Island fiel die Wahl auf Jón Leif , der 1916 bis 1921 am Leipziger Konservatorium studierte und eine eigene sinfonische Musik Islands mitbegründete. Seine Island-Ouvertüre op. 9 und Island-Kantaten op. 13 sind inspiriert von den Mythen und Landschaften der Insel und von ihren Musiktraditionen. Die einzelnen Sätze arbeiten mit Kontrasten, mal kammermusikalisch fein instrumentiert oder mit Passagen, die der Chor a cappella vorträgt, dann wieder mit großer sinfonischer Besetzung und viel Schlagwerk. Die Sängerinnen und Sänger des Konzertchors meisterten ihren anspruchsvollen Part mit Bravour, das Sinfonieorchester unter der Leitung von Boris Cepeda begleitete den Chor mit Wärme und Perfektion.

Im Vergleich zu Leifs mitunter eher ruppiger Tonsprache prägen überwiegend unbeschwerte, „typisch griechische“ Melodien und Rhythmen die Werke sowohl von Nikos Skalkottas als auch von Mikis Theodorakis in der zweiten, griechischen Konzerthälfte. Doch das naheliegende Klischee vom unterkühlten Norden und sonnigen Süden würde zu kurz greifen. Den farbenreich instrumentierten Island-Kantaten von Leif schloss sich zunächst die Ode „Oedipus Tyrannos“ von Theodorakis an. Genau die richtige, mit einer reinen Streicherbesetzung etwas ruhigere Musik zum Schwelgen (Orchester) und Durchatmen (Publikum). Bei allen Gegensätzen fügten sich die Werke der drei Komponisten so zu einem schlüssigen Konzerterlebnis.

Münsters neuer Generalmusikdirektor Golo Berg freute sich, das Sinfonieorchester einmal in einer „unterstützenden Akustik“ zu hören. Tatsächlich bietet das Foyer des LWL-Museums für Kunst und Kultur den Musikern einen Hall, der vor allem bei ruhigeren Sätzen zur Geltung kommt. Nicht mehr so überakustisch wie im Vorgängerbau des Museums, aber eben auch nicht so trocken wie im Theater. Der Aufbau von Chor und Orchester in dem frisch renovierten Foyer mit zusätzlichem farbigen Licht war ein Hingucker, mit dem Chor, der ein Stockwerk höher, wie von einem Balkon herab sang und dies trotz der räumlichen Distanz zum Dirigenten und zum Orchester hervorragend bewältigte.

Dass das Foyer kein Konzertsaal ist, wurde in den schnelleren Passagen deutlich – hier war der Hall zu viel des Guten. Obwohl präzise und engagiert gespielt, gelangte nicht mehr jedes musikalische Detail bis in die mittleren oder gar hinteren Reihen. Der Begeisterung des Publikums tat dies keinen Abbruch. Riesenapplaus erhielten die Musiker unter der Leitung von Thorsten Schmid-Kapfenburg für die Oedipus-Ode, die „Fünf griechischen Tänze“ von Skalkottas sowie für die mitreißende Filmmusik zu „Alexis Sorbas“ von Theodorakis, mit Georgios Evangelou an der Bouzouki.

Das Konzert war Teil des Münsterland Festivals. Eine weitere Gelegenheit, das Sinfonieorchester im Foyer des Landesmuseums zu hören, gibt es am 19. April bei einem Crossover-Konzert mit dem schwedischen Jazzstar Nils Landgren (Posaune).

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