Michael Dean bringt in „Tender Tender“ die Liebe ins Spiel Trümmer einer Baustelle

Münster -

Draußen vorm Museum ist die Kunst mit Fahrradschlössern an Laternenmasten festgekettet. Und der Kunst geht es besser als den Kollegen Fahrrädern. Die Kunst von Michael Dean wird nicht gestohlen. Dafür hat dem Künstler jemand des Herz gebrochen. Jedenfalls dreht sich seine Installation im Landesmuseum um die große „Baustelle Liebe“.

Von Gerhard H. Kock
Zeichen aus Stein liegen im Lichthof des Landesmuseums. Das Material hat eher Baustellen-Charakter. Das Thema ist die Liebe und der Schmerz.
Zeichen aus Stein liegen im Lichthof des Landesmuseums. Das Material hat eher Baustellen-Charakter. Das Thema ist die Liebe und der Schmerz. Foto: Gerhard H. Kock

Die Arbeit von Michael Dean ist voller Anspielungen auf eine Liebe, die am Ende ist (der Künstler soll hier frische eigene Erfahrungen verarbeitet haben). Elemente und die ganze Skulptur streben auseinander, als löse sich eine schöne Form auf. Außerhalb des Innenhofes liegen auf allen Etagen Teile herum; draußen sind Elemente dieser Skulptur mit Fahrradketten gesichert, als böten sie Diebstahl-Sicherheit (in Münster!). Da sind Herzen durch Liebesschlösser an Brücken besser geschützt. Die Plane um den Kern der Skulptur, die die Privatsphäre schützte, ist diffus transparent geworden, Löcher geben Voyeuren den Blick in den Zerfall einer Beziehung frei.

Zeichen dieser Liebe sind ein betretbarer Gehweg aus buckeligen Betonplatten in Zementsack-Form oder wackelige Ziegel in verblassendem Liebes-Rot. Das Ewigkeitszeichen (die Acht in der Horizontalen) aus Zetteln an der Plane kreist nicht mehr um sich selbst, es rotiert; aus einer Linie sind zwei geworden, die sich voneinander entfernen.

Der Raum schildert traurig und drastisch einen schmerzlichen Gefühlszustand. Auf Absperrbändern stehen die Entschuldigung „Sorry“ in Blau, „Tender“ (sei zärtlich) in Gelb und ein unflätiger Fluch in Rot. Auf Plastiktüten (die nicht zum Mitnehmen gedacht sind!) steht auf Englisch wortspielerisch „Ich liebte Dich“ und „Dich ich liebe“ geschrieben sowie klein darunter „immer werde ich es tun“.

Gekreuzte Finger zeugen vom Bruch des Treue-Schwurs „Bis dass der Tod uns scheidet“. In Galle-Grün ballen sich die Fäuste und schlagen wie in eine zähe Gummimasse – ein Bild für Wut und Verzweiflung. Überall fliegen Blätter herum, ganze Bücher sind aufgespießt, wie hingerichtet. Die Geschichte einer Liebe endet ohne Happy End.

„Tender Tender“ von Michael Dean ist nichts für Romantiker mit empfindsamer Seele. Wer sich tiefer mit der Aura dieser Arbeit verbindet, muss sich am Ende seiner Tränen nicht schämen. Wie heißt noch ein Spruch gegen Liebekummer? „Das Leben geht weiter.“ Und wie sang Jürgen Marcus 1972: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben.“

Zum Thema

Die Westfälischen Nachrichten stellen in den nächsten Wochen in einer Serie die einzelnen Skulptur-Projekte in loser Folge vor.  | Wird fortgesetzt

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