Kapellmeister am Theater Münster
Stefan Veselka führt, ohne zu führen

Münster -

Seine Muttersprache ist tschechisch, geboren worden und aufgewachsen ist er in Norwegen. Einen wichtigen Teil seines Klavierstudiums absolvierte Stefan Veselka in Salzburg, sein Hauptarbeitsplatz ist das Theater Münster. Und welche Opern dirigiert er dort als Erster Kapellmeister? „Spezialist für das französische Repertoire“, sagt Veselka lachend über sich – denn obwohl er mit großem Erfolg Stücke von Berlioz, Gounod und Offenbach geleitet hat und in der nächsten Spielzeit Massenets „Cendrillon“ dirigiert, will er sich nicht festlegen lassen.

Mittwoch, 26.04.2017, 17:04 Uhr

Stefan Veselka war schon ein erfolgreicher Pianist, bevor er die Dirigentenlaufbahn einschlug. Er ist Erster Kapellmeister in Münster.
Stefan Veselka war schon ein erfolgreicher Pianist, bevor er die Dirigentenlaufbahn einschlug. Er ist Erster Kapellmeister in Münster. Foto: Gunnar A. Pier

Zumal sein großes Opern-Erweckungserlebnis ein anderes Kaliber war: die „Elek­tra“ von Richard Strauss, dirigiert von Daniel Barenboim in Berlin. Dorthin war Stefan Veselka noch als Klavierstudent von Salzburg aus gegangen, hatte die Chance genutzt, auf preiswerten Plätzen in der Philharmonie hochkarätige Konzerte zu hören, und fand immer mehr Geschmack am Dirigieren. Was ihn nicht davon abhielt, weiter seine Pianistenkarriere zu verfolgen, die ihn sogar zu Wettbewerbsgewinnen führte.

Der Mann am Klavier

Als erfahrener Opern- und Konzertdirigent pflegt er auch heute noch das Klavierspiel, und zwar nicht nur, weil es ihm ermöglicht, große Orchesterwerke in ihrer Struktur zu erfassen: „Es ist für einen Dirigenten wichtig, weiterhin selbst zu üben und zu musizieren.“ Wie der berühmte Daniel Barenboim leitet Stefan Veselka immer mal wieder bei Klavierkonzerten als Solist das Orchester – nur in Münster gab es bislang keine Gelegenheit, ihn dabei zu erleben.

Das Theater Münster in Bildern

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  • montage Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus "Gloria".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater um 1956

    Foto: Erwin Schwarzer (Wiesbaden), Städtische Bühnen Münster
  • Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Szene aus dem Stück "Gloria"

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Theater von außen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Generalmusikdirektor Golo Berg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 30. März 2013 ist der Sänger Tim Fischer mit seinem Programm "Zarah ohne Kleid" zu Gast im Großen Haus des Theaters Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Podiumsdiskussion am 29. April 2013 im Kleinen Haus des Theaters Münster zum Auftakt der Diskussionsreihe "Wie viel Kultur braucht eine Stadt - und wozu?" (von links): Kathrin Tiedemann (Künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin des Forum Freies Theater, Düsseldorf), Prof. Dr. Ulrike Haß (Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Theaterwissenschaft,
    Ruhr-Universität Bochum), Prof. Ulrich Khuon (Intendant des Deutschen Theaters Berlin/Vorsitzender der Intendantengruppe im Deutschen Bühnenverein), Stefan Keim (Westdeutscher Rundfunk/WDR, Köln), Dr. Hans-Georg Küppers (Kulturreferent der Stadt München/Vorsitzender des Kulturausschusses des Deutschen Städtetags), Matthias Lückertz (Vorsitzender der Kaufmannschaft Münster/Vorsitzender der »Initiative Starke Innenstadt Münster e.V.«) und Prof. Dr. Dr. Thomas Sternberg (Direktor der Katholisch-sozialen Akademie Franz Hitze Haus, Münster/ MDL).

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 20. Mai 2013 geben Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys ein Konzert im Theater Münster, Großes Haus. Das Programm trägt den Titel "Musik für schwache Stunden...".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2015.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Neujahrskonzert am 1. Januar 2015 mit Götz Alsmann und der Alsmann-Band, der Sopranistin Henrike Jacob, Fabrizio Ventura und dem Sinfonieorchester der Stadt Münster im Theater Münster / Großes Haus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 22. Oktober 2015 ist Frank Goosen mit dem Programm "Durst und Heimweh - Geschichten von unterwegs" zu Gast im Kleinen Haus des Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Am 24. Oktober 2015 ist Ulrike Kriener mit dem Programm "Und wenn es Liebe wär'..." im Kleinen Haus des Theaters Münster zu Gast.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Nur noch Formsache waren im August 2015 die Unterschriften unter dem Vertrag: Bis Ende der Spielzeit 2021/22 bleibt Dr. Ulrich Peters (l.) Generalintendant in Münster. 

    Foto: Presseamt Münster/ MünsterView / Witte
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Beim 10. Sinfoniekonzert am 5. Juli 2016 im Theater Münster spielen das Sinfonieorchester Münster, das Philharmonische Orchester Hagen, der Konzertchor Münster und die Capella Vocale Münster unter der Leitung von Fabrizio Ventura die Sinfonie Nr.2 c-Moll von Gustav Mahler.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der damalige Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude bei Nacht im Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Atzorn liest mit Angelika Atzorn "Arthur und Adele", Kleines Haus im Theater Münster am 10. Februar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Thorsten Schmid-Kapfenburg, 2. Kapellmeister am Theater Münster,

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Dr. Ulrich Peters beim Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Pressegespräch im Theater Münster am 1. März 2017. Hintere Reihe v.l. Intendant Dr. Ulrich Peters, Schauspieldirektor Frank Behnke, Julia Dina Hesse (Leiterin Junges Theater), Generalmusikdirektor Golo Berg (ab Saison 2017/18)
    Vordere Reihe v. l. Hans Henning Paar (Künstlerischer Leiter Tanztheater), Verwaltungsdirektorin Rita Feldmann, Operndirektorin Susanne Ablass

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Gebäude um 1956.

    Foto: © Stadtmuseum Münster, Sammlung Heller
  • Linn Sanders (oben), Bálint Tóth, Carolin Wirth in "Ronja Räubertochter".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Claudia Hübschmann, Linn Sanders, Andrea Spicher in "Demut vor deinen Taten, Baby".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Ilja Harjes und Hubertus Hartmann in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Christian Bo Salle und Bálint Tóth, Statisterie in "La Révolution #1 - Wir schaffen das schon".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Mirko Roschkowski, Gregor Dalal und Sebastian Campione in "Der Freischütz".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster
  • Foto: Jürgen Peperhowe
  • Foto: Oliver Berg
  • Foto: Oliver Berg
  • Maria Bayarri Pérez und Keelan Whitmore in "Back, Immortalis".

    Foto: Oliver Berg, Theater Münster

Bald: Mozart

Aber das ändert sich: Am 23. und 24. Mai gestaltet Veselka vom Klavier aus Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 488. Umrahmt wird es von Respighis „Fontane di Roma“ und einigen Slawischen Tänzen Dvořáks sowie „Taras Bulba“ von Janáček.

Faible fürs tschechische Repertoire

Wollte man Veselka partout das Etikett eines Spezialisten anheften, so wäre es das für tschechisches Repertoire. „Ich fühle mich darin sehr wohl“, bestätigt er, was auch einen gewichtigen Grund in der Sprachkenntnis hat. Gerade der Musik Leoš Janáčeks wird stets ihre Verwurzelung in der tschechischen Sprache nachgesagt, und wenn Veselka mit Regie-Legende Harry Kupfer eine Oper wie „Katja Kabanowa“ einstudiert, kann sich der Regisseur beim Dirigenten rückversichern, ob die szenischen Vorgänge auch zum sprachlichen Gehalt der Musik passen. Kein Wunder also, dass Stefan Veselka auch gern Gastengagements in Brünn wahrnimmt. Und wenn er in Frankreich dirigiert, in Dijon etwa, steht gern ein tschechisches Stück auf dem Spielplan.

„Jeder Sänger hat seine Stärken"

Zu sehr will Veselka allerdings die Gastdirigate nicht ausweiten. Denn seine Berufsauffassung als Erster Kapellmeister des Theaters erfordert es, möglichst früh bei einer Neuproduktion mitzuwirken, schon in Klavierproben mit den Sängern zu arbeiten, um zum Beispiel die Tempi abzustimmen. „Jeder Sänger hat seine Stärken, die sollte man herausarbeiten“, weiß Veselka und hält nichts davon, den Künstlern ein musikalisches Konzept aufzuzwingen.

Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster

Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster Foto: Gunnar A. Pier

Paradoxon am Pult

Am Vorstellungsabend schließlich muss der Dirigent alle Fäden zusammenhalten – was eine andere Dominanz erfordert als im Sinfoniekonzert. „Dort muss man führen, ohne zu führen“, beschreibt er es in einem Paradox: „Was ich anstrebe, ist das gemeinsame Musizieren. Jeder im Orchester ist verantwortlich, der Dirigent Primus inter pares.“ Bewundernd erzählt er von Claudio Abbado und Mariss Jansons, den er schon in Oslo erlebte: Beide wurden im Alter gelöster in der Art des Musizierens. „Karajan meinte ja, Dirigenten würden erst interessant, wenn sie über 50 sind“ – Veselka schmunzelt: Dann hätte er das Beste noch vor sich.

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Stellvertreter des Generalmusikdirektors

Als Erster Kapellmeister ist Veselka Stellvertreter des Generalmusikdirektors. Eine Zukunft als GMD oder als Chefdirigent eines Konzertorchesters kann er sich zwar auch vorstellen, verweist aber zugleich auf Dirigier-Legenden wie Carlos Kleiber: „Der war ja auch nie Chef.“ Und weil er als Erster Kapellmeister in Münster viel mehr musizieren darf als organisieren muss, kann er mit Emphase versichern: „So eine Position ist schon toll!“

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