Kapellmeister am Theater Münster Stefan Veselka führt, ohne zu führen

Münster -

Seine Muttersprache ist tschechisch, geboren worden und aufgewachsen ist er in Norwegen. Einen wichtigen Teil seines Klavierstudiums absolvierte Stefan Veselka in Salzburg, sein Hauptarbeitsplatz ist das Theater Münster. Und welche Opern dirigiert er dort als Erster Kapellmeister? „Spezialist für das französische Repertoire“, sagt Veselka lachend über sich – denn obwohl er mit großem Erfolg Stücke von Berlioz, Gounod und Offenbach geleitet hat und in der nächsten Spielzeit Massenets „Cendrillon“ dirigiert, will er sich nicht festlegen lassen.

Von Harald Suerland
Stefan Veselka war schon ein erfolgreicher Pianist, bevor er die Dirigentenlaufbahn einschlug. Er ist Erster Kapellmeister in Münster.
Stefan Veselka war schon ein erfolgreicher Pianist, bevor er die Dirigentenlaufbahn einschlug. Er ist Erster Kapellmeister in Münster. Foto: Gunnar A. Pier

Zumal sein großes Opern-Erweckungserlebnis ein anderes Kaliber war: die „Elek­tra“ von Richard Strauss, dirigiert von Daniel Barenboim in Berlin. Dorthin war Stefan Veselka noch als Klavierstudent von Salzburg aus gegangen, hatte die Chance genutzt, auf preiswerten Plätzen in der Philharmonie hochkarätige Konzerte zu hören, und fand immer mehr Geschmack am Dirigieren. Was ihn nicht davon abhielt, weiter seine Pianistenkarriere zu verfolgen, die ihn sogar zu Wettbewerbsgewinnen führte.

Der Mann am Klavier

Als erfahrener Opern- und Konzertdirigent pflegt er auch heute noch das Klavierspiel, und zwar nicht nur, weil es ihm ermöglicht, große Orchesterwerke in ihrer Struktur zu erfassen: „Es ist für einen Dirigenten wichtig, weiterhin selbst zu üben und zu musizieren.“ Wie der berühmte Daniel Barenboim leitet Stefan Veselka immer mal wieder bei Klavierkonzerten als Solist das Orchester – nur in Münster gab es bislang keine Gelegenheit, ihn dabei zu erleben.

Bald: Mozart

Aber das ändert sich: Am 23. und 24. Mai gestaltet Veselka vom Klavier aus Mozarts A-Dur-Klavierkonzert KV 488. Umrahmt wird es von Respighis „Fontane di Roma“ und einigen Slawischen Tänzen Dvořáks sowie „Taras Bulba“ von Janáček.

Faible fürs tschechische Repertoire

Wollte man Veselka partout das Etikett eines Spezialisten anheften, so wäre es das für tschechisches Repertoire. „Ich fühle mich darin sehr wohl“, bestätigt er, was auch einen gewichtigen Grund in der Sprachkenntnis hat. Gerade der Musik Leoš Janáčeks wird stets ihre Verwurzelung in der tschechischen Sprache nachgesagt, und wenn Veselka mit Regie-Legende Harry Kupfer eine Oper wie „Katja Kabanowa“ einstudiert, kann sich der Regisseur beim Dirigenten rückversichern, ob die szenischen Vorgänge auch zum sprachlichen Gehalt der Musik passen. Kein Wunder also, dass Stefan Veselka auch gern Gastengagements in Brünn wahrnimmt. Und wenn er in Frankreich dirigiert, in Dijon etwa, steht gern ein tschechisches Stück auf dem Spielplan.

„Jeder Sänger hat seine Stärken"

Zu sehr will Veselka allerdings die Gastdirigate nicht ausweiten. Denn seine Berufsauffassung als Erster Kapellmeister des Theaters erfordert es, möglichst früh bei einer Neuproduktion mitzuwirken, schon in Klavierproben mit den Sängern zu arbeiten, um zum Beispiel die Tempi abzustimmen. „Jeder Sänger hat seine Stärken, die sollte man herausarbeiten“, weiß Veselka und hält nichts davon, den Künstlern ein musikalisches Konzept aufzuzwingen.

Stefan Veselka, 1. Kapellmeister am Theater Münster Foto: Gunnar A. Pier

Paradoxon am Pult

Am Vorstellungsabend schließlich muss der Dirigent alle Fäden zusammenhalten – was eine andere Dominanz erfordert als im Sinfoniekonzert. „Dort muss man führen, ohne zu führen“, beschreibt er es in einem Paradox: „Was ich anstrebe, ist das gemeinsame Musizieren. Jeder im Orchester ist verantwortlich, der Dirigent Primus inter pares.“ Bewundernd erzählt er von Claudio Abbado und Mariss Jansons, den er schon in Oslo erlebte: Beide wurden im Alter gelöster in der Art des Musizierens. „Karajan meinte ja, Dirigenten würden erst interessant, wenn sie über 50 sind“ – Veselka schmunzelt: Dann hätte er das Beste noch vor sich.

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Stellvertreter des Generalmusikdirektors

Als Erster Kapellmeister ist Veselka Stellvertreter des Generalmusikdirektors. Eine Zukunft als GMD oder als Chefdirigent eines Konzertorchesters kann er sich zwar auch vorstellen, verweist aber zugleich auf Dirigier-Legenden wie Carlos Kleiber: „Der war ja auch nie Chef.“ Und weil er als Erster Kapellmeister in Münster viel mehr musizieren darf als organisieren muss, kann er mit Emphase versichern: „So eine Position ist schon toll!“

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