Jürgen Lemke organisiert im Jahr der Skulptur-Projekte Widerstand LWL-Logo als „Mahnmal“

Münster -

„Kunst verkommt zum Markenzeichen am Skulptur-Projekte-Basislager LWL-Museum“ – so steht es auf dem Blog von Jürgen Lemke. Der münsterische Künstler steht an der Spitze zahlreicher Kunstfans, die den Zugriff staatlicher Institutionen auf künstlerische Inhalte (wie mit dem LWL-Logo im Kunstwerk „Silberne Frequenz“ von Otto Piene am Neubau des Landesmuseums geschehen) gleichsam als feindliche Übernahme ansehen.

Von Gerhard H. Kock
Flatterbänder sind ein Markenzeichen von Jürgen Lemke. Der münsterische Künstler wünscht sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem LWL-Marketing im Kunstwerk von Otto Piene.
Flatterbänder sind ein Markenzeichen von Jürgen Lemke. Der münsterische Künstler wünscht sich eine kritische Auseinandersetzung mit dem LWL-Marketing im Kunstwerk von Otto Piene. Foto: Gerhard H. Kock

Doch die Kritiker der „LWL-Werbeanlage“ haben in der Causa Piene ein Problem: den Künstler selbst. Der Wegbereiter der Licht- und Feuerkunst sagte in einem vom Landschaftsverband produzierten Video kurz vor seinem Tod 2014 über das LWL-Logo: „Das gehört doch zur Information. Und die Information wird in diesem Fall künstlerisch gestaltet. Das ist doch prima.“ Kasper König (künstlerischer Leiter der Skulptur-Projekte) indes spricht öffentlich von der „Erpressung eines alten Mannes“, der der Vermarktung seiner Kunst um der Realisierung willen zugestimmt habe: entweder mit „LWL“ oder gar nicht.

Anfangs fand Jürgen Lemke wie viele noch heute: „Weg damit!“ Mittlerweile begreife er das ungeliebte Logo „als ‚stärkste‘ skulpturale Position“ der Skulptur-Projekte 2017, weil sich hier Lobbyismus, übergriffiges Marketing und der Repräsentationsdruck staatlicher Institutionen von selbst thematisierten – auch wenn es nur eine ungelenke Abkürzung ist. „Das LWL-Logo ist ein Mahnmal .“ Eine Anmahnung von Kunstfreiheit, Transparenz und Demokratie.

In dem „Manifest „Logo/Piene“ fordert seine „Initiative für Kunst und Öffentlichkeit“ unter anderem, dass das von Landesmuseumsdirektor Dr. Hermann Arnhold angekündigte Symposium zum Thema „LWL-Logo und Silberne Frequenz“ noch während der Skulptur-Projekte 2017 durchgeführt wird und in den politischen Gremien durch eine Untersuchungskommission die Vorgänge aufgeklärt werden, wie es zu diesem „LWL-Marketing-Übergriff auf die Kunst“ kommen konnte.

Und es steht letztlich die Frage im Raum: Ist das ausschließlich Kunst oder eben Werbung? Als Werbung würde „LWL“ möglicherweise sogar gegen die Altstadtsatzung verstoßen, die Werbeanlagen in Form von Lichtprojektionen verbietet. Wenn Kunst aber Werbung vor Regelungen schützt, welche Möglichkeiten haben dann Unternehmen? Oder gilt zweierlei Maß? Lemke und seine Initiative wünschen sich eine intensive Auseinandersetzung über diese Themen und sammeln dafür Unterschriften. Die Weltöffentlichkeit blicke dieses Jahr durch die Skulptur-Projekte auf Münster . Ohne einen transparenten und offenen Diskurs drohe „Gesichtsverlust“.

Das Landesmuseum und die Skulptur-Projekte teilten auf WN-Anfrage mit, es sei „derzeit hinsichtlich des LWL-Logos nichts in Planung“.

Zum Thema

Das Manifest haben bis dato 50 unterschrieben – von Frank Behnke (Schauspieldirektor“ bis Dr. Heiko Winkler (Unternehmensberater) sowie viele bildende Künstler.  | kritikmuenster.wordpress.com

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