Theater Münster Neujahrskonzert mit Götz Alsmann bietet Italienisches für Leib und Seele

Münster -

Kann man mit dem Kochlöffel dirigieren? Selbstverständlich. Münsters Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura ging aber noch darüber hinaus. Am mobilen Herd stehend und mit Kochmütze und Schürze Pasta kochend, leitete er sein Sinfonieorchester beim Neujahrskonzert souverän durch die Ouvertüre der Rossini-Oper „Die diebische Elster“. Da tobte das Große Haus, und Moderator Götz Alsmann durfte sogleich eine Portion Spaghetti all’amatriciana probieren.

Von Johannes Loy
Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura griff zu Pasta und Löffel - Götz Alsmann führte durch den Abend.
Generalmusikdirektor Fabrizio Ventura griff zu Pasta und Löffel - Götz Alsmann führte durch den Abend. Foto: Ruediger Wölk, Gunnar A. Pier

Diese beliebte Pasta-Variante mit Speck und würzigem Käse gab es dann auch in der Pause im Theater-Foyer. Wobei der Erlös der italienischen Stärkung in die Gemeinde Amatrice geht, wo das Rezept ursprünglich herstammt und die Menschen nach dem Erdbeben 2016 dringend Hilfe benötigen.

Friedlicher und ruhiger möge es werden, das neue Jahr 2017, wünschte Generalintendant Dr. Ulrich Peters zu Beginn. Fröhlich startete es im zehnten und letzten Jahr des Gespanns Ventura / Alsmann sowieso. Denn wenn „ Italien “ das Leitthema ist, bleibt kaum Zeit für Traurigkeit.

Den obligatorischen Radetzky-Marsch spielte Münsters Sinfonieorchester gleich zu Beginn des dreistündigen Neujahrskonzerts – inklusive geruhsamer Pasta-Pause. Die Irritation im Publikum wischte Alsmann sogleich hinweg: Für die Italiener war der österreichische General Radetzky nämlich ein übler Besatzer, der 1848/49 nationale Erhebungen in Norditalien niederschlug. Besser also, dieses Thema zu Beginn abzuhaken.

Italien geht nur mit Verdi

Wenn es um Emotionen und Pathos all’italiana geht, dann führt kein Weg an Giuseppe Verdi vorbei, dessen Oper „Nabucco“ ja auch den Wunsch nach nationaler Einheit Italiens widerspiegelte. Ein Geheimtipp ist dagegen Giuseppe Martucci (1856-1909), dessen „Notturno“ Lust auf mehr machte. Im Juni will Ventura in einem Sinfoniekonzert eine meisterhafte Sinfonie dieses Komponisten bieten.

Capri-Fischer im Rumba-Takt

Götz Alsmann und seine Band servierten gewohnt locker und gekonnt Liedgut mit Sehnsuchtseffekt: die Capri-Fischer im Rumba-Takt und Rocco Granatas „Marina, Marina“ schön verjazzt. Dabei bot Markus Paßlick alle Gerätschaften auf, die ein Percussionist so dabei hat.

Götz Alsmann führte durch die Konzerte, setzte sich aber auch selbst ans Klavier. Foto: Gunnar A. Pier

An einem italienischen Musikabend darf ein Vertreter aus der Reihe der großen Filmmusikkomponisten nicht fehlen. Im aktuellen Fall war dies Nino Rota, dessen Musik zum „Paten“ längst unsterblich ist und den zweiten Teil einleitete. Dann trat auch noch ein italienischer Sänger auf: natürlich Fabrizio Ventura, der Fred Buscagliones Schmachtfetzen „Che Bambola!“ rauchig raunend im Sprechgesang präsentierte. Mit Ottorino Respighi wähnten sich die Zuhörer schließlich in der pulsierenden Stadt Rom mit Klangkaskaden, die an Jubel, Trubel und Kirmes erinnerten.

Dirigenten sieht man ja sonst fast nur von hinten - aber Fabrizio Ventura hat sich beim #neujahrskonzert am Sonntag im #theatermuenster (Foto: Gunnar A. Pier) vergleichsweise oft umgedreht: er bat das Publikum, mitzuklatschen. Foto: Gunnar A. Pier

Walzer darf nicht fehlen

Nur der Donauwalzer am Schluss fiel etwas aus dem Italo-Rahmen. Aber diese Zugabe darf natürlich bei einem Neujahrskonzert nicht fehlen. Der Radetzky war ja schon erledigt.

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Italien lebe hoch! So mochte wohl das Publikum denken, das Fabrizio Ventura und dem frisch aufspielenden Sinfonieorchester sowie der Götz-Alsmann-Band stehend applaudierte. Noch ist GMD Ventura ein halbes Jahr im Amt, doch dies war sein letztes Neujahrskonzert in Münster. Schon jetzt darf man sagen: Münsters Musikfreunde werden ihn vermissen!

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