Forschung im Aufwind Ohne Batterien geht nichts

Münster -

Die deutsche Autoindustrie wird vom Dieselskandal erschüttert. Aber auch ohne diese öffentliche Debatte seiht sich die Batterieforschung im beständigen Aufwind.

Von Karin Völker
Batterieforschung  im „MEET“. Nicht nur Autos, sondern die Digitalisierung der Industrie benötigt leistungsfähige Akkus.
Batterieforschung  im „MEET“. Nicht nur Autos, sondern die Digitalisierung der Industrie benötigt leistungsfähige Akkus. Foto: dpa

Den Wissenschaftlern im Batterieforschungszentrum „MEET“ der Universität Münster ist schon lange klar, was der Öffentlichkeit nun immer stärker schwant. Die Zukunft der nachhaltigen Mobilität ist ohne leistungsfähige Batterien nicht denkbar.

Prof. Dr. Martin Winter , Gründer und wissenschaftlicher Leiter des Batterieforschungszentrums am Orléansring, beobachtet, dass die öffentliche Wahrnehmung für den technologischen Wandel in der Autoindustrie momentan wegen des Dieselskandals geschärft wird. An der schon lange hinlänglich bekannten Tatsache, dass Verbrennungsmotoren mehr Abgase verursachen als die Hersteller angeben und vor allem die Dieselfahrzeuge die Luft in den Ballungsräumen stark verunreinigen, „ist ja überhaupt nichts neu“, betont Winter.

Am Donnerstag hatte das „MEET“ Besuch vom neuen NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart. Auch er, so berichtet Winter nach dem Treffen, verspreche, wie schon die Vorgänger-Regierung, Rückenwind und Förderung für die Batterieforschung. Wobei die Landesförderung in NRW noch nicht mit der Unterstützung der Batterieforschung in den „Autoländern“ Baden-Württemberg und Bayern mithalten könne.

Winter sieht die Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit der deutschen Autobauer gefährdet. In den vergangenen fünf Jahren sei das Thema E-Mobilität nicht mit dem nötigen Nachdruck angegangen worden. „Wenn die deutsche Industrie an ihrem gewohnten Kurs festhalte, stehe ihr wirtschaftlicher Erfolg auf dem Spiel.

„Wenn die bestehende Umwelt-Gesetzgebung zur CO-Reduktion ernst genommen würde, führen schon jetzt deutlich mehr Elektro-Autos auf den Straßen“, glaubt Winter. Aber bisher hat die Autoindustrie den Verbraucher entscheiden lassen. Den Käufern waren Elektroautos bisher zu teuer und deren Reichweite und die Stromtankstellendichte nicht ausreichend. „Jetzt aber liegt der Fokus der Aufmerksamkeit stärker auf der Sauberkeit der Motoren“, stellt der Leiter des „MEET“ fest. Sollte die Wende zum Elektroauto nun wirklich schnellere Fahrt aufnehmen, so hegt Winter aber Bedenken, „ob die einheimische Autoindustrie darauf vorbereitet ist, eine steigende Nachfrage zu bedienen“.

Ungeachtet der öffentlichen Debatten um E-Mobilität ist Martin Winter sehr sicher, dass die Batterie ihren Siegeszug im großem Stil fortsetzen wird. Die Digitalisierung der Industrie mit Robotern – und dazu gehört auch das autonome, computergesteuerte Fahren –, ist für ihn ohne die Weiterentwicklung von Batterien „nicht denkbar“, betont Winter. „Roboter werden bei der Arbeit nicht an Kabeln hängen.“

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5039058?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F57383%2F