Kongress für Stammzellforscher Mini-Gehirne wachsen im Labor

Münster -

Die Stammzellforschung macht vieles möglich. Mittlerweile gedeihen selbst gezüchtete Miniorgane in den Labors. Die Fortschritte erörtern Wissenschaftler aus aller Welt seit Dienstag in der Halle Münsterland.

Von Karin Völker
Prof. Hans Schöler (v.l.) mit den Nachwuchswissenschaftlern Henrik Reiner, Jan Bruder und Mandy Otto. Die drei forschen mit künstlich hergestellten Hirnzellen, wie der Alterungsprozess des Gehirn aufgehalten werden könnte.
Prof. Hans Schöler (v.l.) mit den Nachwuchswissenschaftlern Henrik Reiner, Jan Bruder und Mandy Otto. Die drei forschen mit künstlich hergestellten Hirnzellen, wie der Alterungsprozess des Gehirn aufgehalten werden könnte. Foto: Karin Völker

Sind Mäuse mit menschlichen Gehirnzellen schlauer als naturbelassene Artgenossen? Wer glaubt, das ist Thema für einen Science-Fiction-Film aus der Wissenschaftswelt, der irrt. Die Frage erörterte am Dienstag der US-amerikanische Wissenschaftler Stephen Goldmann , der über Entstehung und Verlauf von Schizophrenie forscht, im Kongresszentrum der Halle Münsterland. Im Auditorium sitzt Prof. Hans Schöler , Direktor des münsterischen Max-Planck-Instituts für Molekulare Biomedizin, selbst einer der internationalen Stars der Stammzellforschung. „Der Vortrag ist der Hammer“, raunt Schöler ins Dunkel.

Wissenschaftlicher Austausch

Zwei Tage lang wechseln sich in der Halle Münsterland Schölers Kollegen aus vielen Teilen der Welt auf dem Podium ab. Das Kompetenzzentrum Stammzellforschung NRW hält seinen alle zwei Jahre stattfindenden Kongress in der Halle Münsterland ab. 650 Experten aus aller Welt, darunter auch viele junge Nachwuchswissenschaftler aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in NRW sind da, um sich über die neuesten Entwicklungen in ihrer Disziplin auszutauschen.

Top-Thema ist aktuell die Züchtung von Organoiden. Solche Mini-Organe könnten mittlerweile durch die Technik mit sogenannten induzierten pluripotenten Stammzellen (IPS) in der Kulturschale angezüchtet werden. Der Niederländer Hans Cleves, der am Dienstag den Eröffnungsvortrag hielt, hat Därme herangezüchtet, eine Forschergruppe von Hans Schöler am Max-Planck-Institut lässt Gehirnzellen heranreifen, um deren Alterungsprozess zu erforschen.

„Das ethische Problem der Forschung mit embryonalen menschlichen Stammzellen spielt keine Rolle mehr“, erläutert Dr. Anne Do Lam-Ruschewski, Sprecherin des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW. Das unter anderen von Hans Schöler weiter entwickelte IPS-Verfahren sei nun Grundlage der Forschung.

Größter Stammzellenforscher-Kongress in Europa

Dabei werden Hautzellen von Erwachsenen durch Einschleusung von Viren reprogrammiert, das heißt, sie werden wieder in den Urzustand der Embryonalentwicklung versetzt. Mit diesen Zellen, so die Perspektive der Wissenschaft, lassen sich alle Arten von Körper-Zellen herstellen, um Krankheiten und Therapien im Labor zu erforschen oder um geschädigte Organe zu erneuern.

Das alles, bezogen auf den Menschen, ist noch im Bereich der Grundlagenforschung und damit Zukunftsmusik, erklärt Lam-Ruschewski. NRW sei mit seiner Dichte an Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen der Spitzenforschung innerhalb Deutschlands sozusagen Stammland der Stammzellforschung. Bei dem Kongress, für Stammzellforscher der größte in Europa, haben junge Wissenschaftler aus NRW, die kostenfrei teilnehmen können, die Möglichkeit, ihre Arbeiten zu präsentieren und mit den führenden Wissenschaftlern zu diskutieren.

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