Studie in Münster vorgestellt
Mit Gurt gäbe es im Jahr 200 Verkehrstote weniger

Münster -

Es sind nur wenige, die sich am Steuer nicht anschnallen. Doch in der Statistik der Unfalltoten ist der Anteil beträchtlich. Grund könnte Selbstüberschätzung sein, wie eine Studie nahelegt, die am Donnerstag in Münster vorgestellt wurde.

Donnerstag, 21.06.2018, 18:46 Uhr

Unfallforscher Siegfried Brockmann schaut sich nach dem Crashtest in Münster den nicht angeschnallten Dummy an. Foto: hpe

„Viele glauben offenbar immer noch, sie könnten sich bei diesen langsamen Geschwindigkeiten mit den Armen abstützen oder verlassen sich auf den Airbag. Das ist ein fataler Irrtum“, so Unfallforscher Siegfried Brockmann vom Gesamtverband der Versicherungswirtschaft. Beim Crashtest am Donnerstag auf dem Übungsgelände in Münster schnellt der nicht angeschnallte Beifahrer unaufhaltsam nach vorn, der Kopf prallt mehrfach gegen Frontscheibe und Holme.

Zur Studie

Die Untersuchung berücksichtigte nur Unfälle mit getöteten Autoinsassen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 1439 Menschen, die im Auto saßen, durch Unfälle getötet. 360 dieser Opfer, also ein Viertel, waren nicht angeschnallt gewesen. Hochrechnungen zufolge hätten 200 dieser Getöteten mit Gurt den Unfall überlebt. Für die Studie hatten die Forscher die Unfalldatenbank der Versicherer ausgewertet. Um die Motive der Gurtmuffel zu ergründen, wurde in einer Umfrage auch gefragt, wie oft und warum denn kein Gurt angelegt wurde. Das Teilergebnis der Befragung ist allerdings nicht repräsentativ, denn mit den nur zwei Prozent Anschnall-Verweigerern war die Fallzahl zu gering. dpa

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Rund zwei Prozent der Deutschen sind Gurtmuffel 

Obwohl in Deutschland die Anschnallquote mit 98 Prozent im europaweiten Vergleich sehr hoch ist, sieht Brockmann noch „Handlungsbedarf“. „Wenn sich alle Fahrzeuginsassen korrekt angurten würden, könnten pro Jahr 200 Verkehrstote und 1500 schwer verletzte Autoinsassen vermieden werden“, so der Forscher.

Vor allem auf Kurzstrecken nicht angeschnallt

Besonders auf innerstädtischen Kurzstrecken mal eben zum Bäcker oder hin zur Tankstelle gibt es viele Gurtmuffel, die in ihrer großen Mehrzahl männlich, zwischen 45 und 64 Jahre alt und allein unterwegs sind. Die Versicherer fordern deshalb höhere Bußgelder und mehr Polizeikontrollen.

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