Prozess
Protest gegen Tierquäler

Münster -

Ein Mathematik-Student aus Münster soll die Hunde seiner ehemaligen Lebensgefährtin bestialisch gequält haben. Zu seiner Verhandlung erschien er nicht. Anders als etliche Aktivisten, die für die Rechte von Tieren demonstrierten.

Donnerstag, 15.03.2018, 18:03 Uhr

Vor dem Amtsgericht protestierten Tierschützer gegen einen mutmaßlichen Tierquäler. Foto: Andrea Theiss

Die Taten, über die am Donnerstag vor dem Amtsgericht verhandelt werden sollte, sind schwer vorstellbar. Entsetzte Tierrechtsaktivisten versammelten sich vor dem Gerichtsgebäude am Morgen zu einer Mahnwache. Ein 21 Jahre alter Mathematik-Student aus Münster war angeklagt, Hunde seiner ehemaligen Lebensgefährtin bestialisch gequält zu haben. Die Freundin, eine 24-jährige Studentin, hatte ihn vor einem Jahr deswegen angezeigt.

Zu einer Verhandlung der Vorwürfe kam es in dem mit viel Publikum besetzten Saal indes nicht. Der Angeklagte ließ durch seinen Anwalt verkünden, er werde nicht erscheinen. Den Strafbefehl, den der Richter daraufhin verhängte, werde sein Mandant akzeptieren, sagte der Anwalt. Der Richter gab keine Auskunft über Details, sein Anwalt geht von einer Geldstrafe aus, da der Angeklagte nicht vorbestraft ist.

Tierrechtler demonstrierten vor dem Amtsgericht.

Tierrechtler demonstrierten vor dem Amtsgericht. Foto: Andrea Theiss

Zuschauer im Saal, darunter Tierrechtler, die aus dem Internet von dem Fall erfahren hatten, stellten viele Fragen an den Richter. Wie zu verhindern sei, dass der Angeklagte erneut Tieren oder womöglich sogar Menschen Leid antue? Die Taten hatte der Student nach Aussage seiner ehemaligen Freundin, die als Zeugin aussagen wollte, zugegeben.

„Er hat immer nur die Rüden gequält“

Die junge Frau, Studentin der sozialen Arbeit, hielt mehrere Chihuahua-Hunde – und schon Monate vor der Anzeige war ein Rüde in einer Tierarztpraxis verendet. Dorthin hatte ihn der Angeklagte gebracht. Zuvor schon waren bei dem Tier zahlreiche Beschwerden und Gesundheitsprobleme festgestellt worden. Zur Anzeige bei der Polizei und zur Trennung des Paares kam es, als ein zweiter Chihuahua-Rüde ebenfalls massive Verletzungen zeigte – und der Angeklagte, zur Rede gestellt, die Taten einräumte, wie die Frau vor dem Gerichtssaal bereitwillig erzählte. Eine Chihuahua-Hündin, die im Haushalt des Paares lebte, ließ der Mann in Ruhe, „er hat immer nur die Rüden gequält“, sagte die Studentin, und er habe ihr gegenüber auch gestanden, dies planvoll getan zu haben.

Taten „absolut alarmierend“

Eine ihrer Professorinnen an der FH ist die Kriminologin Prof. Ruth Linssen, die mit ins Gericht gekommen war. Für sie sind die angezeigten Taten „absolut alarmierend“. Fallstudien zeigten, dass bei derartigen Taten Gefahr bestehe, dass ein sadistisch veranlagter Täter sich auch an Menschen vergreife. „Man kann einen Angeklagten nicht ohne weiteres in die Psychiatrie einweisen“, erklärte der Richter auf Fragen der Zuhörer, „erst recht nicht, wenn er keine Vorstrafen hat.“

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