Pro & Contra
Ist die Begrenzung der Waffenanzahl sinnvoll?

Der Fund von 93 Waffen bei einem Sammler in Münster lässt aufhorchen. Und es stellt sich unweigerlich die Frage: Sollte die Anzahl zulässiger Waffen begrenzt werden?

Samstag, 10.02.2018, 15:02 Uhr

Pro & Contra: Ist die Begrenzung der Waffenanzahl sinnvoll?
Das Foto zeigt die sichergestellten Waffen und die Munition. Foto: Polizei Münster

Pro: Je weniger, desto besser

Das deutsche Waffengesetz gilt als eines der strengsten der Welt. Ist es denn wirklich so streng? Der münsterische Waffenfreund, dessen Sammlung jetzt von der Polizei einkassiert wurde, besaß seine 93 Waffen – Gewehre, Pistolen, Messer und Munition – offenbar ganz legal. Die Polizei schritt erst ein, als die Zuverlässigkeit dieses Sammlers plötzlich infrage stand. Und zwar ohne dass sich der Mann nach den Buchstaben des Gesetzes etwas Nennenswertes hätte zuschulden kommen lassen. „Er hat zwar nichts getan, aber es wäre ihm theoretisch zuzutrauen“ – als Grundlage einer polizeilichen Maßnahme ist das ein etwas fragwürdiges Prinzip.

Das Problem ist nicht ein möglicherweise desorientierter Mensch. Das Pro­blem sind 93 Waffen in einer Privatwohnung. Wer braucht eine solche private Rüstkammer? Wer würde sich bei dem Gedanken, dass der eigene Nachbar vielleicht eine solche Sammlung besitzt, nicht unwohl fühlen? Die überwältigende Mehrheit der Deutschen ist doch froh darüber, dass Waffen in diesem Land nicht wie in den USA zur Alltagskultur zählen. Das darf sich auf keinen Fall ändern.

Die Frage, wie viele Waffen für Jäger, Sammler oder Sportschützen tatsächlich zulässig wären, sei dem Gesetzgeber überlassen: Wenn es derzeit wirklich keine Beschränkungen gibt, wird es jedenfalls höchste Zeit, das Thema aufzugreifen.

Lukas Speckmann

Contra: Begrenzung ist unsinnig

Um es gleich vorweg zu sagen: Es geht nicht darum, amerikanische Zustände zu schaffen. Es wäre unvertretbar, jedem Bürger das Recht zuzubilligen, scharfe Waffen bei sich im Haus zu horten. Glücklicherweise müssen Besitzer ihre Tauglichkeit nachweisen, wenn es darum geht, sich eine Schusswaffe zuzulegen. Aber gerade dieser Begriff der Tauglichkeit spielt eine entscheidende Rolle in der Diskussion um eine – wie auch immer geartete – Reglementierung bei der Anzahl der zu besitzenden Waffen.

Fünf, zehn, 50 oder 100 Waffen – wo liegt die Obergrenze? Wer kann sie festlegen? Muss man zwischen den Waffen differenzieren? Wie ist der Grad der Gefährdung festzulegen? Ist ein Messer anders einzustufen als eine .45 Magnum? Um es mal ganz drastisch auszudrücken: Wer eine kriminelle Straftat plant, dem reichen in der Regel schon einige wenige Waffen, den interessieren keine Obergrenzen oder gesetzlichen Vorschriften. Wer aber verantwortungsvoll handelt, sich Gewehre oder Pistolen aus purer Sammelleidenschaft zulegt, den träfe eine Begrenzung in seinem Hobby enorm.

Nun ließe sich trefflich darüber streiten, ob man das Sammeln von Waffen als eine Leidenschaft bezeichnen kann. Aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, dass Verantwortungsbewusstsein entscheidet: Wer eine Waffe besitzen darf, ist – normalerweise – auch tauglich für eine unbegrenzte Zahl.  

Kay Böckling

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