Aufmerksamer Bürger fühlt sich bloßgestellt Geheimnisvolle Kreidezeichen ohne Segensbotschaft

Münster -

Wenn Einbrecher ihr Jagdrevier auskundschaften, malen sie mitunter Kreidezeichen auf die Straße, „Gaunerzinken“ genannt. Auf dem Bürgersteig der Prinz-Eugen Straße fand Jochen Klose nachts beim Spaziergang mit seinem Hund verdächtige Kreidezeichen. Dahinter vermutete er Botschaften von Einbrecher und meldete sie der Polizei – dort hieß es allerdings, es handele sich um den Sternsinger-Segen.

Von Karin Völker
Aufmerksamer Bürger fühlt sich bloßgestellt: Geheimnisvolle Kreidezeichen ohne Segensbotschaft
"Gaunerzinken" oder harmlose Kreidezeichen? Beim Spaziergang mit seinem Hund hat ein Münsteraner verdächtige Kreidezeichen entdeckt. Foto: Oliver Werner

Jochen Klose bestreitet keineswegs, ein „älterer Herr“ zu sein, wie die Polizei ihn in einer Pressemitteilung nennt. Dass ihn, so sieht es Klose, die Beamten aber gleichzeitig als Deppen vorgeführt haben, ärgert ihn dagegen sehr.

„Ich kann sehr wohl die Ziffern und Buchstaben des Sternsinger-Segens von anderen Zeichen unterscheiden“, sagt Klose, an dessen Hauswand an der Prinz-Eugen-Straße im Geistviertel sich die Sternsinger alle Jahre wieder verewigen.

Die Vermutung: "Gaunerzinken"

Von den Zeichen, die Jochen Klose am Abend und später noch kurz vor Mitternacht des 29. Dezember wohlgemerkt nicht an der Wand seines Hauses, sondern auf dem Bürgersteig davor und vor weiteren Häusern der Straße ausmachte, mutmaßte er, es könnten „Gaunerzinken“ sein, also Botschaften von Einbrechern, die Wohnungen ausspionierten. Er informierte die Polizei, die Einsatzkräfte teilten seinen aber Verdacht nicht. In der später veröffentlichten Pressemitteilung hieß es, ein älterer Herr habe Gaunerzinken mit den Initialen der Sternsinger verwechselt. Die Polizei, so der Text weiter, werde rund 40 mal pro Jahr auf vermeintliche Gaunerzinken hingewiesen, ein Zusammenhang mit Straftaten habe aber nie hergestellt werden können.

Wieso Jochen Klose immer noch in Sorge ist

Jochen Klose bereitet die Angelegenheit „immer noch Sorge, ohne hysterisch zu sein“, wie er betont. Die Polizei habe er verständigt, weil am 29. Dezember, zumal spät abends und nachts, als er seinen Hund ausführte, keine Sternsinger unterwegs waren. Was auch das Stadtdekanat der katholischen Gemeinden ausschließt. Die Sternsinger schwärmen erst in dieser Woche aus, der Tag der Heiligen Drei Könige ist erst am Samstag (6. Januar). Klose erzählt, von der Polizei „nur widerwillig angehört“ worden zu sein und fühlt sich nun auch noch bloßgestellt. Wie es zu der Darstellung in der Polizei-Mitteilung kam, konnte im Präsidium am Dienstag nicht mehr geklärt werden.

So sieht der Segen der Sternsinger aus. Jochen Klose zeigt die Inschriften an seiner Haustür. Foto: Oliver Werner

Hochsaison für Einbrecher

Einbrüche haben sich derweil in Münster gehäuft, was die Polizei nicht bestreitet. Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, speziell um die Feiertage, wenn viele Menschen verreist und Wohnungen verlassen seien, sei für Einbrecher Hochsaison. In den vergangenen zwei Wochen meldete das Polizeipräsidium per Pressemitteilung knapp 20 Einbrüche. Ob Banden, die möglicherweise Häuser beobachten, „Gaunerzinken“ hinterlassen, bleibt ungeklärt. Jochen Klose hat die mit Kreide auf den Bürgersteig gemalten Zeichen sofort entfernt.

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