Geplanter Umzug in den Hafen Ein Schatten liegt auf dem Deal der Öko-Bäckerei Cibaria

Münster -

Die Bäckerei Cibaria möchte gerne in den Hafen umziehen. Doch verschiedene Verflechtungen könnten bei den anstehenden Entscheidungen für politischen Sprengstoff sorgen.

Von Dirk Anger
Die Bäckerei Cibaria will in den Hafen umziehen. Die Pläne könnten aufgrund verschiedener Verflechtungen allerdings für politischen Sprengstoff sorgen.
Die Bäckerei Cibaria will in den Hafen umziehen. Die Pläne könnten aufgrund verschiedener Verflechtungen allerdings für politischen Sprengstoff sorgen. Foto: Matthias Ahlke

Ab Dienstag sind die Umzugspläne der Bäckerei Cibaria Thema in den Ratsgremien. Der Betrieb will ein fast 3800 Quadratmeter großes Grundstück am Mittelhafen von den Stadtwerken erwerben. Der Aufsichtsrat des städtischen Unternehmens hat diesem Geschäft nach Recherchen unserer Zeitung jetzt zugestimmt, obwohl eine fragwürdige Einflussnahme des Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden auf eine schon einmal eingeleitete Abstimmung für massive Zweifel an dessen Neutralität gesorgt hatte. Stadtwerke-Aufsichtsratschef Gerhard Joksch (Grüne) steht nämlich in enger geschäftlicher Verbindung mit dem von Cibaria beauftragten Architekturbüro.

Entscheidungsvertagung abgelehnt

Doch eine mögliche Verschiebung der Entscheidung über den Grundstücksverkauf war am Donnerstag nach Recherchen unserer Zeitung unter anderem von den Vertretern von CDU und Grünen abgelehnt worden. Allerdings liegt auf dem vom Stadtwerke-Aufsichtsrat abgesegneten Grundstücksdeal ein neuer Schatten: Mehrere Aufsichtsräte sollen in jüngerer Zeit vom Geschäftsführer des Architekturbüros Archplan, das das Projekt für Cibaria ausführt, direkt angerufen worden sein. Das erklärten sie im Verlauf der Sitzung, wie mehrere Quellen unserer Zeitung bestätigten.

"Vollkommen unüblicher Vorgang“

Danach soll Archplan-Geschäftsführer Bernd Leuters unter Verweis darauf, dass es bei dem Projekt knirsche, einige Aufsichtsräte unmittelbar telefonisch kontaktiert haben. „Ein vollkommen unüblicher Vorgang“, kommentierte ein Mitglied des Stadtwerke-Kontrollgremiums. Wie Leuters von den Bedenken einiger Aufsichtsräte am Grundstücksgeschäft erfahren hat, ist bislang nicht klar.

Archplan kooperiert allerdings eng mit dem Büro des Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Joksch – aber nicht beim Projekt Cibaria, wie dem Aufsichtsrat von diesen beiden Seiten versichert worden sein soll. Auf eine Anfrage unserer Zeitung zu Kontakten zu Mitgliedern des Stadtwerke-Kontrollgremiums hat Archplan-Geschäftsführer Leuters bislang nicht geantwortet. Auch Joksch äußert sich unter Verweis auf seine Verschwiegenheitsverpflichtung nicht zu den aktuellen Vorgängen. Bis vor Kurzem hat Joksch eine Archplan-E-Mail-Adresse genutzt, diese ist noch immer im Ratsinformationssystem verzeichnet.

Abgesehen von den beruflichen Schnittstellen sind Leuters und Joksch Parteifreunde und vertreten die Grünen an wichtigen Schaltstellen des Rats.

Joksch ist neben seiner Kontrollaufgabe bei den Stadtwerken noch Bürgermeister und sitzt in den wichtigen Ausschüssen für Liegenschaften sowie Bauwesen. In Letzterem arbeitet auch Archplan-Geschäftsführer Leuters mit.

Joksch soll sich erklären

Angesichts dieser und weiterer Verflechtungen könnten die Vorgänge rund um das Cibaria-Grundstücksgeschäft in den nächsten Wochen für noch mehr politischen Sprengstoff sorgen, heißt es in Ratskreisen. Darüber hinaus ist der umstrittene Stadtwerke-Aufsichtsratschef Joksch vom Kon­trollgremium aufgefordert worden, sich über seine mögliche freiberufliche Mitwirkung als Planer bei städtischen Aufträgen zu erklären. Ihm wird eine Vermischung beruflicher Tätigkeiten mit dem Aufsichtsratsmandat vorgeworfen.

In der jüngsten Sitzung des Kontrollgremiums, die in angespanntem und gereiztem Klima stattgefunden haben soll, zeigte sich Gerhard Joksch „völlig uneinsichtig“, wie aus Aufsichtsratskreisen zu hören ist. Er habe keinerlei Problembewusstsein erkennen lassen, dass ob seiner Tätigkeiten eine Interessenkollision vorliege, heißt es.

Zum Hintergrund des inzwischen argwöhnisch beäugten Grundstücksgeschäfts: Die Öko-Bäckerei Cibaria mit fast 40 Mitarbeitern will sich vergrößern und deshalb von der Bremer Straße zum Mittelhafen ziehen. Der Kaufpreis für das fragliche Stadtwerke-Grundstück soll dem Vernehmen nach knapp 1,3 Millionen Euro betragen.

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5299472?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F