Kungelei-Vorwurf Weitere Ungereimtheiten um Stadtwerke-Aufsichtsratschef Joksch

Münster -

Der umstrittene Aufsichtsratschef der Stadtwerke Münster muss sich unangenehme Fragen gefallen lassen. Ein neuer Vorfall aus dem Jahr 2015 befeuert Zweifel an seiner Unabhängigkeit.

Von Dirk Anger
Streitfall Windkraft:  Der Stadtwerke-Aufsichtsratschef muss sich auch zu diesem Thema erklären.
Streitfall Windkraft:  Der Stadtwerke-Aufsichtsratschef muss sich auch zu diesem Thema erklären. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Die Zweifel an der Unabhängigkeit des Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzenden Gerhard Joksch wachsen. Nach Informationen unserer Zeitung hat in dieser Woche auch die Stadtwerke-Geschäftsführung bei dem Grünen-Politiker wegen möglicher Interessenkollisionen und der etwaigen Verletzung von Verhaltensregeln nachgefragt.

Der Grünen-Ratsherr Joksch arbeitet als Planer seit Jahren beruflich mit der münsterischen Firma Enveco GmbH zusammen. Diese Firma ist wiederum seit 2010 bis heute für die Stadtwerke, dessen Aufsichtsratsvorsitzender Joksch ist, bei verschiedenen Windkraftprojekten tätig. Aus dieser Zeit stammt ein Auftragsvolumen von rund 300.000 Euro für Enveco.

Aufsichtsratschef Gerhard Joksch (r.) Foto: Oliver Werner

Unter Verweis auf mögliche Interessenkonflikte wegen seiner freiberuflichen Kooperation mit Enveco hat Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann Joksch aufgefordert, zu bestätigen, zu keinem Zeitpunkt im Auftrag von Enveco an Windkraft-Projekten der Stadtwerke mitgewirkt zu haben. Dieser Aufforderung ist Joksch mit einer entsprechenden schriftlichen Bestätigung der besagten Firma nachgekommen. Allerdings sehen Kritiker in Reihen des Aufsichtsrats weiterhin eine gefährliche Nähe zwischen Jokschs beruflicher Tätigkeit als Berater und seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke – insbesondere im Bereich Windkraft.

Fragwürdige Einflussnahme auf Abstimmungsvorgang

Joksch selbst hat nach Informationen unserer Zeitung 2015 eingeräumt, bei einem Windkraftprojekt der Firma Remondis auf Seiten von Enveco als Planer mitgewirkt zu haben und später „den Kontakt zu den Stadtwerken hergestellt und die beiden Geschäftsführer über das Projekt informiert“ zu haben. „An einem ersten Informationsaustausch zwischen Remondis und den Stadtwerken hat der Unterzeichner teilgenommen“, heißt es in der damals von Joksch gezeichneten Protokollerklärung für den Personalausschuss des Stadtwerke-Aufsichtsrats. Nach diesem Termin habe er aber seine weitere Mitwirkung an dem Projekt eingestellt. Im weiteren Verlauf stoppte Stadtwerke-Geschäftsführer Müller-Tengelmann das Vorhaben – wegen der Compliance-Problematik und wirtschaftlicher Bedenken, wie es heißt.

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Aktuell wird dem Grünen-Politiker eine fragwürdige Einflussnahme auf einen Abstimmungsvorgang vorgeworfen. Dabei geht es um ein Grundstücksgeschäft am Hafen , bei dem ein Geschäfts- und Parteifreund von Joksch beratend tätig ist. Mit diesem arbeitet der Aufsichtsratsvorsitzende ansonsten regelmäßig zusammen. Aus der Kommunalpolitik kommt die Forderungen nach Aufklärung.  

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