Verkehrsprobleme in Münster Kommt die Stadtbahn auf Rädern?

Münster -

Eine Stadtbahn nicht auf der Schiene, sondern auf Gummirädern, supermoderne Busse mit eigenen Trassen – so könnte eines Tages die Lösung für Münsters Verkehrsprobleme aussehen.

Von Dirk Anger
Der Busverkehr der Zukunft wird anders aussehen als heute: Veränderungen kommen auch auf die weiter wachsende Stadt Münster zu.
Der Busverkehr der Zukunft wird anders aussehen als heute: Veränderungen kommen auch auf die weiter wachsende Stadt Münster zu. Foto: Oliver Werner

Löst dieses System Münsters Verkehrsprobleme in der Zukunft? Um die zunehmende Autoflut in der wachsenden Stadt in den Griff zu bekommen, sprechen sich die Stadtwerke nach Informationen unserer Zeitung für die Entwicklung eines supermodernen Bussystems aus. Angedacht ist quasi eine Stadtbahn auf Gummitechnik – also mit Reifen anstatt auf Schienen, aber eben auch mit eigenen Spuren, damit es schneller geht. Noch ist all das Zukunftsmusik. Vorbilder dafür finden sich aber bereits im französischen Metz („Mettis“) und im niederländischen Eindhoven („Phileas“), wo derlei Systeme seit Jahren in Betrieb sind.

Hintergrund der bislang nicht veröffentlichten Stellungnahme der Stadtwerke für die Stadt Münster ist offenbar der SPD-Vorstoß für eine Stadtbahn. Im Februar hatten die Sozialdemokraten vorgeschlagen, den boomenden Stadtteil Gievenbeck per Schiene mit Innenstadt und Hauptbahnhof zu verbinden. Ein wesentlicher Vorteil einer Stadtbahn liege für den Nutzer in der Zeitersparnis, hieß es damals. Deshalb sollte die Stadtbahn – so weit möglich – auf separaten Fahrspuren durch den Verkehr rollen. Kosten in Höhe von rund 100 Millionen Euro bei einem zeitlichen Vorlauf von zehn Jahren wurden genannt.

Schnellbussystem für Münster denkbar

Aus Sicht der Stadtwerke ist dagegen wohl ein hochmodernes Bussystem vorteilhafter als eine Straßenbahn – und vor allem deutlich günstiger. Anstatt 20 Millionen Euro pro Streckenkilometer gehen Verkehrsexperten bei einer modernen Busflotte nur von rund einem Viertel aus – von 4,5 Millionen bis sechs Millionen Euro pro Kilometer, so die Größenordnung.

Im niederländischen Eindhoven gibt es bereits ein superschnelles Bussystem namens „Phileas“ mit eigenen Trassen und speziellen Wagen. Foto: Gemeinde Eindhoven

BRT heißt immer häufiger das Schlagwort in aller Welt; die Abkürzung steht für „Bus Rapid Transit“ (Schnellbus-Transit) und damit für eine Reihe von verbesserten Bussystemen, die den Vorteilen des Schienenverkehrs etwa beim Zeitplan nahekommen. Ziel dabei ist es, den öffentlichen Personennahverkehr attraktiver zu machen und möglichst viele zum Umstieg vom Auto auf eine bequeme, zügige Alternative zu bewegen.

Das bedeutet etwa an Kreuzungen Vorrangschaltungen für die Schnellbusse der neuen Generation und eigene Trassen. Auch eine Verknüpfung mit Pendler-Parkplätzen am Stadtrand ist denkbar. Auf diesem Weg sollen Innenstädte vom Verkehr entlastet werden. Die BRT-Busse sehen vielerorts aus wie supermoderne Stadtbahnen oder Züge. Von 200 Anwendungen weltweit gehen Experten inzwischen aus. ­ Ein weiterer Vorteil dieses nicht-schienenbasierten Angebots: Die Extra-Bustrassen können noch anderweitig mitgenutzt werden.

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In Münster, so ist zu hören, wäre ein hochmodernes BRT-System für die Hauptachsen denkbar. 8000 bis 10 000 Fahrgäste werden pro Linie veranschlagt, damit sich das Schnellbussystem in der Stadt lohnt. Etwa ein Drittel der derzeitigen Stadtbus-Verbindungen soll diesen Schwellenwert erreichen oder übertreffen, darunter die hochfrequentierten Linien nach Kinderhaus, Coerde und eben Gievenbeck.

Mobilitätsangebote in den Städten vor großen Veränderungen

Nach Einschätzung von Verkehrsexperten sieht der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) der Zukunft in Städten wie Münster künftig anders aus als heute – vor allem differenzierter zulasten des Autoverkehrs. Denn der Platz ist nicht beliebig vermehrbar. Auf den Primärachsen – also den Einfall- und Hauptverkehrsstraßen – wird es demnach einen bevorzugten Hochleistungs-ÖPNV geben. Auf der zweiten Ebene sollen sich bedarfsgesteuerte Systeme finden: kleine Fahrzeuge, die sich vom klassischen Linienweg lösen und keinen festen Fahrplan mehr haben. Auf der dritten Ebene runden Ergänzungsdienste wie Bike bzw. Park and ride, Leihräder oder Car-Sharing das Mobilitätsangebot ab. Die schwarz-grüne Ratsmehrheit in Münster hat rund um diese Fragen im Sommer einen „Masterplan für eine nachhaltige Verkehrsinfrastruktur“ eingebracht, der der Vernetzung unterschiedlicher Angebote Rechnung tragen soll. Am Rande des jüngsten IHK-Verkehrsforums fand dieses Vorgehen auch Zustimmung bei Fachleuten. Erste Antworten von der Stadtverwaltung werden in den kommenden Tagen erwartet.

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