„Couch für Erstis“
Der Asta vermittelt Schlafplätze auf Zeit

Münster -

Zwei Stunden braucht Jule Stebner von ihrem Elternhaus in Essen bis zur Uni. Das sind vier Stunden Pendeln. An jedem Wochentag. „Das ist anstrengender, als man vielleicht denkt“, sagt Stebner. Was das Studentenleben mit Leute kennenlernen und Ausgehen betreffe, „habe ich die Orientierungswoche in Jura komplett verpasst“.

Mittwoch, 15.11.2017, 10:11 Uhr

Jule Stebner (l.) hat auf dem Sofa von Gabriele Hard und ihrer Familie einen Schlafplatz gefunden. Über die Plattform des Asta wurden zu Semesterbeginn knapp 100 kurzfristige Wohnmöglichkeiten angeboten.
Jule Stebner (l.) hat auf dem Sofa von Gabriele Hard und ihrer Familie einen Schlafplatz gefunden. Über die Plattform des Asta wurden zu Semesterbeginn knapp 100 kurzfristige Wohnmöglichkeiten angeboten. Foto: klm

Zwischenzeitlich hatte die 19-Jährige Glück: Über die Wohnbörse des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) kam Stebner zwei Wochen lang privat unter. „Couch für Erstis“ heißt die Rubrik, in der Menschen Erstsemestern, die zum Studienstart noch kein Dach über dem Kopf haben, einen provisorischen Schlafplatz anbieten. Das kann eine Couch sein, ein Gästebett oder eine Nische für eine mitgebrachte Liege. Kostenbeteiligung nach Absprache.

„Gut klargekommen“ seien sie, sagt Gastgeberin Gabriele Hard (53) aus dem Südviertel. Sie überließ der Neu-Studentin zwei Wochen lang das Sofa im Fernsehzimmer. Bad- und Küchenbenutzung gehörten dazu. „Für das Bad morgens muss man sich absprechen“, erklärt Hard. Außer ihr und der Studentin wollten unter anderem Hards Tochter (19) und eine Austauschschülerin (19) aus den USA, die zu Gast ist, die Zeit nutzen. „Sonst muss man halt abends rein.“

Sehr gute Zwischenlösung

Jule Stebners Gast-Wochen sind vorüber – der Raum wird wieder gebraucht – und die Studentin hat noch keine neue Unterkunft. „Wieder mit dem Zug pendeln“ heiße das für die folgende Woche, sagt sie. Dabei habe sie zusammen mit einer Freundin eine Wohnung in Aussicht. Unklar sei, wann sie „rein“ könnten und „wie hoch die Miete“ dann sei. Trotzdem: Als Zwischenlösung sei die „ Couch für Erstis “ eine „sehr gute Erfahrung“ gewesen.

Delia Korn (47) im Südviertel hat schon mehrmals Studenten bei sich untergebracht. „Für Erstsemester ist es schwer, etwas Festes zum Wohnen zu finden“, erklärt die Oecotrophologin. Sie hat ein paar Regeln: Der Mitbewohner könne „kommen und gehen, wann er will“. Leute mitbringen sei okay. „Nur, dass sie mir nicht die Bude auseinandernehmen.“ Gut wäre es, keine Partys zu feiern und nicht „unendlich zu duschen“.

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Jan Heinrich (29) bietet in der Aaseestadt ein Sofa an, „um jemandem für eine gewisse Zeit zu helfen“, sagt er. Der Restaurantleiter komme oft erst kurz vor Mitternacht nach Hause. „Aber das müsste ja eine studentenfreundliche Zeit sein.“

100 kurzfristige Wohnangebote

In der Rubrik „Couch für Erstis“ der Internet-Wohnbörse des Asta treffen sich Anbieter und suchende Studenten. Gefragt ist das Portal vor allem zu Semesterbeginn, berichtet Uwe Warda vom Asta. Für die Monate September und Oktober entstand eine Statistik: Gut 100 „kurzfristige Angebote“ seien eingestellt worden. Pro Woche habe es über 2000 Zugriffe auf die Angebotsseite gegeben. Mittlerweile sei diese Zahl niedriger, weil „viele sicher schon etwas gefunden haben“. 50 bis 70 Prozent der Angebote, die eingestellt wurden, seien innerhalb eines Monats wieder herausgenommen worden. Darunter befinden sich auch erfolgreiche Kontakte. Das Studierendenwerk hält zudem 18 Notfallplätze in der Anlage Wilhelmskamp an der Steinfurter Straße vor. Zu Semesterbeginn waren alle Plätze belegt. Jetzt seien neun wieder frei, so das Studierendenwerk.

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