Häusliche Gewalt Der Mann als Opfer

Münster -

Nicht nur Frauen werden Opfer häuslicher Gewalt. Oft sind auch Männer betroffen. Die Motive der Täter sind bei den Geschlechter jedoch unterschiedlich.

Von Pia Scholten
Häusliche Gewalt trifft nicht nur Frauen, auch Männer haben darunter zu leiden. Die Motive und der Umgang mit der Gewalt sind bei den Geschlechtern jedoch unterschiedlich.
Häusliche Gewalt trifft nicht nur Frauen, auch Männer haben darunter zu leiden. Die Motive und der Umgang mit der Gewalt sind bei den Geschlechtern jedoch unterschiedlich. Foto: Maurizio Gambarini

In Großbritannien richten sich etwa 40 Prozent der häuslichen Gewalt gegen Männer. Das zeigt ein kurzer Film der Man-Kind-Initiative. Und er stellt auch dar, wie Gewalt gegen Männer und Frauen auf unterschiedliche Weise in der Gesellschaft wahrgenommen wird.

„Gewalt gegen Männer wird nicht ernst genommen“, stellte das Publikum bei der Diskussionsrunde des Männerforums im Rahmen der „Münsteraner Männerwoche“ fest. Die Experten Andreas Moorkamp von der Caritas Münster und Martin Helmer von Zartbitter Münster erläuterten Sichtweisen zu Täter- und Opferrollen.

Martin Helmer arbeitet in der Opferberatung für Jungen und Männer. Es sei wichtig „genauer hinzuschauen“, ohne das Bild von dem Mann als Täter zu manifestieren. Den Mann als passives Opfer zu sehen, sei in der Gesellschaft nicht mit der männlichen Identität zu vereinbaren.

Der Gedanke, dass ein Mann einzig in Form der Aufopferung, etwa im Krieg, als Opfer angesehen werden kann, sei noch immer präsent. „Ich als Mann und Opfer einer Täterin kann kein richtiger Mann sein“, formuliert Helmer die Gedanken vieler männlicher Opfer häuslicher Gewalt. Schuldgefühle, Erniedrigungen, Gefühle von Isolation, Hilflosigkeit und darüber nicht sprechen zu können, verhindere, dass ein Mann Hilfe einfordere.

Im Gegensatz dazu stellte Andreas Moorkamp drei wesentliche Thesen vor, wie Männer zu Tätern werden: „Männer haben kein Problem mit Problemen, sondern mögen Herausforderungen, solange die Probleme lösbar scheinen.“ Außerdem seien sie „grenzenlos“, indem sie die eigenen Grenzen und in Folge dessen auch die Grenzen ihrer Mitmenschen übertreten. „Männer sind nicht aggressiv, sie sind gewalttätig“, erklärte Moorkamp.

Die Gewalt richte sich letztlich nicht an den Arbeitskollegen oder den Chef, sondern an die geliebte Frau oder die Kinder, von denen er nur Verständnis erwartete. Doch verwerflich sei, dass er die Gewalt zur Konfliktlösung gebrauche. Aus diesem Grund sei es notwendig, in einer Therapie für Täter häuslicher Gewalt „an Grenzen und Aggressionen“ zu arbeiten, so Moorkamp.

Ein Gefühl, welches Täter und Opferberatung wieder zusammenführe, sei die Hilflosigkeit. Bei den Tätern schlage die Hilflosigkeit in Gewalt um. Bei den männlichen Opfern ist die Hilflosigkeit Folge des Gefühls, durch eine stärkere Emotionalität etwas vom Mannsein aufzugeben.

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