Streit statt Skandal zum Ende der Ausstellung Skulptur-Projekte: Nackt-Künstlerin erhebt Vorwürfe gegen Kuratorin

Münster -

Der Nackt-Skandal auf dem Unterwassersteg im Hafenbecken blieb am Freitag aus. Dafür gibt es einen handfesten Streit um Kunst zum Ende der Skulptur-Projekte. Aktionskünstlerin Milo Moiré erhebt Vorwürfe gegen Kuratorin Peters.

Von Ralf Repöhler
Mit Baby im Arm ging Milo Moiré im Februar 2015 nackt durch die Ausstellung „Nackte Tatsachen“ im Landesmuseum, bis ein Sicherheitsdienst die Aktion beendete.
Mit Baby im Arm ging Milo Moiré im Februar 2015 nackt durch die Ausstellung „Nackte Tatsachen“ im Landesmuseum, bis ein Sicherheitsdienst die Aktion beendete. Foto: Peter Palm

Auch wenn Münster am Freitag ein handfester Nacktskandal erspart blieb, enden die Skulptur-Projekte am Wochenende mit einem handfesten Streit über Kunst. Die Schweizer Aktionskünstlerin Milo Moiré, die mit spektakulären Nackt-Auftritten zuletzt in der Bonner Bundeskunsthalle und bei der Documenta in Kassel für Aufsehen gesorgt hatte, wirft der Kuratorin der Skulptur-Projekte, Britta Peters , vor, eine von Moiré geplante Performance „mit allen Mitteln“ verhindert zu haben.

Nackte Zeitkritik

Moiré wollte am Freitagmittag drei Kunstwerke der Skulptur-Projekte besuchen und unter anderem nackt über den Steg von Ayşe Erkmen im Hafen gehen. Sie übt mit ihrer Performance-Serie „Ceci n’est pas une femme nue“ („Dies ist keine nackte Frau“), bei der sie nur eine VR-Brille trägt, Zeitkritik an der digitalen Welt von morgen. Über einen Livestream sollten ihre 300 000 Follower in den sozialen Medien die Werke der Künstler präsentiert bekommen.

Eine alte Bekannte

Moiré zeigte bereits eine Kunst-Performance in Münsters LandesmuseumNackt im „Nackten Leben“ [24.02.2015]

Künstler lehnten Performance ab

Aus dem Organisationsteam der Skulptur-Projekte heißt es, dass sich die betroffenen Künstler gegen eine Performance in ihren Installationen entschieden hätten. Es bestehe die Gefahr, dass der Auftritt von Moiré die Wirkung der Arbeiten verwässere. „Wir teilen die Einschätzung der Künstler, dass das letzte Ausstellungswochenende für die Aktion sehr ungeeignet ist“, so Pressesprecherin Jana Duda. Gerade jetzt würden viele Besucher von weit her anreisen.

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Manipulations-Vorwürfe

Moiré sagt, dass sie ihre Performance bewusst mittags starten wollte. „Ich glaube nicht, dass sich um diese Uhrzeit kilometerlange Schlangen bilden.“ Sie wirft Peters vor, gezielt Falschaussagen gegenüber den Künstlern gemacht und in E-Mails die Situation so verzerrt wiedergegeben zu haben, „dass den Künstlern gar nichts anderes übrig blieb, als gegen die Performance zu sein“.

Laut Moiré habe Peters sehr institutionell gedacht und sich nicht geöffnet. Das sei sehr schade.

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