Platzverweis für Boule-Spieler Ordnungsamt vertreibt Rentner von Spielplatz

Münster-Hiltrup -

Bizarrer Boule-Streit in Münster: Der eigentlich als sehr harmlos geltende Sport erhitzt die Gemüter. Am Dienstag gipfelte der Konflikt um eine Bahn im Stadtteil Hiltrup in einem Platzverweis durch das Ordnungsamt. Der Grund? Sie sind schlichtweg zu alt.

Von Michael Grottendieck
Notgedrungen sind die sechs Boule-Spieler vom Museumspark auf den Platz vor dem Mahnmal an der Westfalenstraße ausgewichen. Doch so einfach wollen sie ihren angestammten Platz nicht aufgegeben.
Notgedrungen sind die sechs Boule-Spieler vom Museumspark auf den Platz vor dem Mahnmal an der Westfalenstraße ausgewichen. Doch so einfach wollen sie ihren angestammten Platz nicht aufgegeben. Foto: gro

Immer bizarrere Formen nimmt der Streit um die Boule-Bahn im Hiltruper Museumspark an. Am Dienstag wurde eine Gruppe Boule-Spieler von Mitarbeitern des Ordnungsamtes des Platzes verwiesen. Begründung: Der Spielplatz stehe ausschließlich Kindern und Jugendlichen bis 16 Jahren zur Verfügung, wie der vorhandenen Beschilderung zu entnehmen sei.

„Wir sind regelrecht verjagt worden“, erregen sich die Rentner, die sich notgedrungen auf einen Platz vor dem Mahnmal an der Westfalenstraße verzogen. Der Verweis auf die Ausschilderung als Spielplatz sei „doch lächerlich“, sagt das Sextett, das sich wie jeden Dienstag zum Boule-Spiel traf, einem Spiel, das nun wirklich in dem Ruf steht, ein harmloser Rentner-Sport zu sein.

Klage gegen Boule-Platz gescheitert

Nicht alle sehen das in Hiltrup so. Ein Anlieger des Museumsparks war klagend vor das Verwaltungsgericht gezogen, hatte dort allerdings am Freitag vergangener Woche eine Schlappe hinnehmen müssen. Der Richter hegte keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung für die Anlage und entschied: Die Boule-Bahn darf bleiben.

Doch dürfen erwachsene Menschen eine Boule-Bahn nutzen, die Bestandteil eines öffentlichen Spielplatzes ist? Vier Mitarbeiter des Ordnungsamtes erkannten einen Verstoß und verwiesen die Rentnergruppe des Platzes. Die Boule-Spieler berichten, ihnen sei gedroht worden, dass im Wiederholungsfall ihre Personalien aufgenommen würden und die Polizei gerufen werde.

„Erwachsene nur als Begleitperson von Kindern“

Doch seit wann darf ein Erwachsener keinen Fuß mehr auf einen Spielplatz setzen? „Schon immer“, sagt Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner. „Erwachsene dürfen nur als Begleitpersonen von Kindern einen Spielplatz betreten.“ Schützend stellt er sich vor seine eigenen Mitarbeiter: „Wenn wir gerufen werden, dann müssen die Boule-Spieler leider runter von dem Spielplatz.“ Dabei verweist er auf den alten Grundsatz: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“

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Wo kein Kläger, da kein Richter.

Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner

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Einen Kläger gibt es nun bekanntermaßen. Und dass er sich mit dem Spruch des Verwaltungsgericht nicht abfinden würde, war Beobachtern der Verhandlung am Freitag nicht entgangen. Doch kann mit dem Hinweis, nur Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren dürften einen Spielplatz nutzen, die Boule-Bahn stillgelegt werden?

„Wir wollen wieder in den Museumspark!“

Der Verwaltungsrichter hatte wiederholt erklärt, der Platz sei vorzugsweise, aber nicht ausschließlich für schulpflichtige Kinder gedacht. Die Boule-Bahn stehe im Einklang mit dem Bebauungsplan. Über die tatsächliche Nutzung, so erklärte er, habe er nicht zu befinden.

Für die vertriebenen Boule-Spieler steht fest: „Wir wollen wieder in den Museumspark!“

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