Projekt von Koki Tanaka Reden im Bunker

Münster -

Die zehn Tage im vergangenen Herbst werden Tasnim Baghadi und Isa Selcuk-Dilmen wahrscheinlich ihr Leben lang nicht vergessen. Sie verbrachten die meiste Zeit im Bunker unter dem Aegidiiparkhaus, hockten an einem alten Tisch, auf ebenso zusammengewürfelten alten Stühlen und drehten zusammen mit sechs andern Münsteranern ein ganz großes Rad. Es ging um nichts weniger als die Frage, wie Menschen auf der Welt zusammenleben sollten, oder auf Englisch „How to live together?“

Von Karin Völker
Tasnim Baghadi (l.) und Isa Selcuk-Dilmen  sind Teil der Kunst von Koki Tanaka bei den Skulptur-Projekten. Bevor das Debattireen im Bunker startete übernachteten sie mit der Gruppe in der Turnhalle der VJHS im Aegidiimarkt (Bild im Hinergrund)
Tasnim Baghadi (l.) und Isa Selcuk-Dilmen  sind Teil der Kunst von Koki Tanaka bei den Skulptur-Projekten. Bevor das Debattireen im Bunker startete übernachteten sie mit der Gruppe in der Turnhalle der VJHS im Aegidiimarkt (Bild im Hinergrund) Foto: v

So lautet auch der Titel des Kunstwerks der Skulptur-Projekte , das jetzt in Räumen gegenüber dem Aegidiimarkt in Video-Endlosschleifen gezeigt wird. Initiator des intensiven Gesprächskreises war Koki Tanaka . Der japanische Künstler hat die acht Münsteraner miteinander debattieren lassen, aber auch mit einem Philosophen, einem Globalisierungsexperten und einem Politikwissenschaftler zusammengebracht.

Mehr zum Thema  Skulpturprojekte

Eine bunte Mischung aus Münsteranern

„Faszinierend“ war es, sagen die beiden jungen Münsteraner, die dabei waren und jetzt von manchen Skulptur-Besuchern wiedererkannt werden, „aber auch sehr anstrengend“. Um die große Frage des angemessenen Zusammenlebens zu diskutieren, musste der Teilnehmerkreis so vielfältig wie möglich sein. Alle Acht, die sich am Ende auf das Experiment einließen, leben in Münster – und die Gruppe ist bunt: Alteingesessene gebürtige Münsteraner deutscher Herkunft wie Rolf Tiemann und Annette Hinricher oder Stefan Biermann sind dabei. Andere kommen aus Singapur, den USA oder Frankreich. Tasnim Baghadi (29), freie Künstlerin und tätig für das Landmuseum, sagt sie kommt aus Köln. Isa Selcuk-Dilmen (27), Lehramtsstudent, Geschichte und islamische Religion, bezeichnet sich als Sauerländer aus Lüdenscheid. Ihre Familien sind einst aus Marokko und der Türkei eingewandert.

Teil der Kunst von Koki Tanaka wurden sie zufällig. Es gab einen Aufruf des Landesmuseums zu einem Workshop, „je unterschiedlicher die Mischung der Teilnehmer, desto besser“, hieß es, erzählt Tasnim Baghadi. Am Ende blieben die acht Leute übrig, die mitmachten. gesprochen wurde Englisch – nicht nur wegen der Vielfalt der Teilnehmer, sondern auch, damit die internationale Besucherschaft die Gespräche verstehen kann.

Gespräche über Fremdsein und Heimat

Zum Mitmachen gehörte auch zusammen zu kochen, zu essen und gemeinsam zu übernachten. Ein riesiges, im Hof vor dem Eingang aufgestelltes Foto erinnert daran. Dann wurde im Bunker geredet, nicht den ganzen Tag, aber mehrere Stunden an jedem der zehn Tage und manchmal auch nachts, immer aufgenommen von mehreren Kameras: Über Tradition und Herkunft, Fremdsein und Heimat. Das alle sehr persönlich, „ja, an manchen Stellen ging es mir auch zu weit“, gibt Tasnim Baghadi zu und Isa-Selcuk Dilmen nickt. „Wir waren sehr gespannt, was Koki Tanaka aus dem Filmmaterial macht.“

Das Wiedersehen mit sich selbst auf den Bildschirmen war merkwürdig. „Ein Antimoment“, sagt Tasmin Baghadi, sie erlebt sich hier aus der Außenperspektive.

Die Ausgangsfrage bleibt offen

Und wissen die beiden jetzt, wie Menschen zusammenleben sollen? „Es gibt kein Ergebnis, aber die Erfahrung, seine eigene Tunnelsicht auf die Wirklichkeit zu öffnen, um zu erfahren, was andere Menschen in derselben Gesellschaft erleben“, sagt Isa Selcuk-Dilmen. „Ich kann mich nicht in jeden hineinversetzen – aber ich kann zuhören.“

Leserkommentare
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5131911?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F