Numerus-Clausus-Fächer
Schwierige Auswahl beim Wunschstudium

Münster -

Am 4. Oktober blickt Dr. Bernd Marschall mit großer Spannung nach Karlsruhe. Dort wird das Bundesverfassungsgericht über die Rechtmäßigkeit des Vergabeverfahrens für Studienplätze in harten NC-Fächern entscheiden. Vor allem betrifft das die Medizin.

Samstag, 26.08.2017, 17:08 Uhr

Testsituation im Studienhospital:  60 Prozent der Studienplätze in Medizin werden über ein hochschulinternes Testverfahren vergeben. Aber auch das steht je nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Frage.
Testsituation im Studienhospital:  60 Prozent der Studienplätze in Medizin werden über ein hochschulinternes Testverfahren vergeben. Aber auch das steht je nach Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Frage. Foto: Matthias Ahlke

„Unter Umständen müssen an den Universitäten ganz neue Auswahl-Verfahren geschaffen werden“, sagt Marschall , Studiendekan an der Medizinischen Fakultät der Universität Münster . Das heißt aber nicht, dass es unter Umständen zwingend leichter wird, einen der weiterhin begehrten Plätze zu ergattern.

Das Bundesverfassungsgericht muss die Frage entscheiden, ob die freie Berufswahl noch gewährleistet ist, wenn sieben Jahre auf das Wunschstudium gewartet werden muss. Nach dem Gesetz werden überall 20 Prozent der Studienplätze allein über die Wartezeit vergeben. Da spielt es keine Rolle, ob ein Bewerber sein Abitur so gerade bestanden hat, oder mit einem Schnitt von beispielsweise 1,4 knapp die Anforderungen verfehlt hat.

Bis zum Rentenalter kann es knapp werden

„Bisher gilt: Wer etwa 15 Jahre nach dem Abitur in einem Beruf gearbeitet hat und sich dann entschließt, Medizin zu studieren, zieht an allen Bewerbern vorbei“, sagt Marschall der diese Regel als kritisch ansieht. In Münster hätten schon über 50-Jährige so das Medizinstudium begonnen. „Bei elf Jahren Ausbildungszeit bis zum Facharzt, wird es bisweilen knapp bis zum Rentenalter“, sagt Marschall. In einem neuen Staatsvertrag vereinbart ist bereits, dass aber nicht mehr die bloße Wartezeit, sondern nur die Semester zählen, in denen sich jemand um einen Medizinstudienplatz beworben hat. Dieser Vertrag ist aber noch nicht umgesetzt.

Weitere 20 Prozent Medizinstudienplätze werden ausschließlich über die Abiturnote vergeben. Wobei auch 1,0-Bewerber in Münster schon lange nicht automatisch einen Platz erhalten. Marschall: Es gibt viel mehr Bewerber mit dieser Spitzennote als Studienplätze.

Im Wintersemester werden in Münster 143 Medizinstudienplätze für Erstsemester vergeben. Das Gros, nämlich 60 Prozent, erhalten Bewerber, die ein Testverfahren der Fakultät durchlaufen haben. Auch dazu werden nur Anwärter mit sehr guten Abi-Noten von 1,0 bis 1,1 zugelassen. Sie absolvieren im Studienhospital der Fakultät Tests, die Softkills prüfen: Wie führt jemand Gespräche? Wie kann jemand mit kritischen Situationen umgehen? Ist ein Kandidat empathisch?

An zehn Stationen werden die Bewerber so von jeweils zwei erfahrenen Medizinern bewertet – ein besseres Verfahren als ein Test, der bloßes Wissen zum Ankreuzen abfragt, sagt Marschall. Momentan lädt die Uni Münster nur jene Bewerber zu den Tests ein, die Münster auch als Studienort der ersten Wahl angegeben haben. Würde das Bundesverfassungsgericht entscheiden, dass dies nicht mehr Voraussetzung ist, könnten wir an unseren Auswahlmethode nicht mehr festhalten, sagt Marschall.

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