Neuer Hauptbahnhof Münster Parkprobleme: Menschen mit Behinderungen kommen kaum zum Zug

Münster -

Direkt vor dem neuen Hauptbahnhof gibt es kaum Möglichkeiten, mobilitätseingeschränkte Menschen aussteigen zu lassen. Auch die Taxifahrer sind mit ihrer neuen Zufahrt noch nicht ganz zufrieden.

Von Helmut P. Etzkorn
Links neben der Taxenvorfahrt gibt es zwei Rollstuhlfahrer-Parkplätze. Die einzig legale ­Chance, mobilitätseingeschränkte Menschen nah am Bahnhof absetzen zu können.
Links neben der Taxenvorfahrt gibt es zwei Rollstuhlfahrer-Parkplätze. Die einzig legale ­Chance, mobilitätseingeschränkte Menschen nah am Bahnhof absetzen zu können. Foto: hpe

Die Taxifahrer wollen endlich Abfallbehälter an ihrem Standplatz und finden den zu kleinen Wendehammer „ungeeignet“. Abgestellte Leezen blockieren den schmalen Fußweg an der Radstation und zwingen Reisende, mit ihren Koffern über die Taxiausfahrt zu laufen. Für Menschen mit Behinderungen gibt es kaum Chancen, sie in Nähe des neuen Haupteingangs aussteigen zu lassen.

Auch nach der Fertigstellung des Empfangsgebäudes wimmelt es vor dem Hauptbahnhof an kleinen und größeren „Baustellen“, die Reisenden und Dienstleistern das Leben schwer machen.

Prof. Johannes Sturm beispielsweise braucht aktuell Gehhilfen und lässt sich von seiner Frau mit dem Auto zum Bahnhof bringen. Weil es keine Haltebuchten mehr gibt, parkt sie in der Taxenvorfahrt. „Busvorfahrt perfekt, Radzufahrt perfekt, aber kein Halteplatz für Autos, die jemanden absetzen wollen“, so Sturm.

An der Hamburger Straße hat Gottfried Otte aus Telgte einen der wenigen Parkplätze ergattert. Seine Töchter müssen nun mit den Koffern vorbei an der Baustelle auf der Ostseite durch den Tunnel laufen, um vorn zum Reisezentrum zu kommen. „In jeder Kleinstadt ist das besser geregelt“, schimpft der Techniker.

Taxifahrer Sven Jensen ärgert sich über die vielen Autofahrer, die an den Verbotsschildern vorbei wie anno dazumal die Taxenvorfahrt nutzen und vorn im Wendehammer alles blockieren. Sein radikaler Vorschlag: „Den Oberbau der Radstation absägen, eine Decke betonieren und dort Kurzzeitparkplätze für Autos einrichten.“

Weil zum Teil noch alte Gelbmarkierungen in Höhe Hamburger Tunnel angebracht sind, fahren die Radler auf dem Weg zur Innenstadt quer zwischen den wartenden Taxen her. „Gefährlich, man sieht sie zu spät“, meint Taxifahrer Ali Ahmad. Für Rollstuhlfahrer gibt es zwei Stellplätze gegenüber der Post. Ein dritter Platz kommt neben zehn Kurzzeitparkflächen wieder in die „kleine“ Bahnhofstraße, wenn dort das Baugerät für das Deilmann-Hochhaus verschwunden ist.

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Immer wieder sieht man Autofahrer, die sich dreist in die Busspuren vor dem Bahnhof einfädeln und dann zwischen den Bussen halten, um Reisende abzusetzen.

„Kiss and ride“ ist ohnehin nur noch in den Wartezonen hinter dem Bahnhof möglich. Verkehrsplaner Michael Milde verweist auf die Parkhäuser und Abstellflächen in der „kleinen“ Bahnhofstraße. Sollten sich am Bremer Platz noch Chancen für Kurzparker ergeben, will man aktiv werden. Vorn allerdings gehe auf Dauer nichts mehr.

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