Bahnhofsviertel „Drogenproblem ist zurückgekehrt“

Münster -

Drogendealer, Konsumenten, überall Müll – mit deutlichen Worten haben die Anlieger der „kleinen“ Bahnhofstraße die Situation kritisiert. Wie bewertet die Stadt die Lage? Wir haben Ordnungs-Dezernent Wolfgang Heuer bei einem Rundgang durch das Bahnhofsviertel begleitet.

Von Martin Kalitschke
Ordnungsdezernent Heuer am Bremer Platz: Er betont, dass er im Bahnhofsviertel „nichts beschönigen“ wolle, sieht aber keinen Anlass für ein Unsicherheitsgefühl.
Ordnungsdezernent Heuer am Bremer Platz: Er betont, dass er im Bahnhofsviertel „nichts beschönigen“ wolle, sieht aber keinen Anlass für ein Unsicherheitsgefühl. Foto: Oliver Werner

„Die Drogenproblematik ist zurückgekehrt“: Die jüngsten Entwicklungen an der Engelenschanze beklagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer . Auf Anregung unserer Zeitung besuchte er am Dienstag Orte im Bahnhofsviertel, die für negative Schlagzeilen gesorgt haben.

Dienstagmittag, 12 Uhr, am Bremer Platz sieht es aus, wie es dort fast immer aussieht. An mehreren Stellen liegen Müllberge, im Gebüsch ein paar Fahrräder, auf der Wiese sitzen Menschen, die vom Drogenkonsum gezeichnet sind. „Schon zu meiner Studentenzeit sah es hier so ähnlich aus“, sagt Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. Die Menschen, die hier vorbeikommen, scheinen sich an das Bild gewöhnt zu haben – „nur sehr selten gehen Anrufe von besorgten Bürgern ein“, sagt Heuer.

Bekämpfung des Drogenhandels

An anderen Stellen im Bahnhofsviertel wollen sich die Menschen nicht mit solchen Veränderungen vor ihrer Haustür abfinden. Die Anwohner der „kleinen“ Bahnhofstraße schlugen vor wenigen Wochen Alarm, beklagten sich über Müll und Dealer, auch Anlieger der Windthorststraße klagten wiederholt über Dealer und Junkies.

Wie bewertet der für Recht und Ordnung zuständige Dezernent die Situation? Auf Bitten unserer Zeitung macht Heuer am Dienstag einen Rundgang durchs Bahnhofsviertel, vorbei an Bremer Platz, „kleiner“ Bahnhofstraße und Windthorststraße bis hin zur Engelenschanze – Orten, die immer wieder für negative Schlagzeilen sorgen.

„Kleine“ Bahnhofstraße: Für Heuer ist der derzeit teilweise freie Zugang zum Grundstück rechts nicht akzeptabel. Foto: Oliver Werner

Heuer steht am Rand des Bremer Platzes, schaut auf die Pergola, die im Oktober abgerissen werden soll. „Wir werden die Menschen hier nicht verdrängen“, stellt er klar. Heuer nennt die Süchtigen „kranke Menschen“ und betont, dass ihnen auch nach Fertigstellung der Bebauung an der Bahnhof-Ostseite ein Platz angeboten werden muss. Vermüllung oder ruhestörender Lärm seien gleichwohl inakzeptabel, „das ist jener Teil eines Bildes, den wir hier nicht sehen wollen“. Der Service- und Ordnungsdienst (SOS) der Stadt schaue täglich vorbei, und wenn nötig, werde die Verwaltung tätig. Die Bekämpfung des Drogenhandels erfolge durch die Polizei , betont er.

Akzeptablen Zustand für Anlieger herstellen

Durch den Hamburger Tunnel geht es zur „kleinen“ Bahnhofstraße, die seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Auf dem Grundstück der abgerissenen Tankstelle haben sich Obdachlose häuslich eingerichtet, ein paar Meter weiter verkaufen junge Männer Drogen. So schlimm wie jetzt, so die Anlieger vor Kurzem in unserer Zeitung, sei es hier noch nie gewesen.

Heuer stellt sein Fahrrad ab, schaut auf die Personengruppe, die hier am Bürgersteig hockt. „Drogenkriminalität darf hier nicht stattfinden“, stellt er klar und verweist auf deutlich verschärfte Maßnahmen der Polizei, die er begrüße. Auch der Ordnungsdienst der Stadt schaue inzwischen „mehrmals täglich“ vorbei.

Windthorststraße: Hier hat sich die Situation inzwischen wieder entspannt. Foto: Oliver Werner

Der Grundstückszaun steht weit offen – eine Einladung für die Menschen, die sich hier tagsüber auf der Straße aufhalten. „Das muss geändert werden“, sagt Heuer, er würde hier gerne einen hohen Bretterzaun sehen. „Mit der Situation, wie sie sich hier entwickelt hat, bin ich nicht einverstanden, so kann es nicht bleiben.“ Ein für die Anlieger akzeptabler Zustand müsse auf dem vor wenigen Tagen von der Westfalen AG an einen Investor veräußerten Grundstück – wieder – hergestellt werden.

Sicherheitsbehörden greifen umgehend ein

Weiter geht es durch die Windthorststraße, die im vergangenen Jahr Dealer und Drogenkonsumenten anzog. Doch inzwischen hat sich die Situation entspannt. „Viele Anlieger haben ihre Höfe gesichert“, sagt Heuer.

Richtung Innenstadt folgt der jüngste problematische Ort im Bahnhofsviertel – die Engelenschanze. Hier und in der Nähe gab es in letzter Zeit wiederholt Straftaten, unter anderem versuchten junge Dealer ihr Geschäft. „Die Drogenproblematik ist an diesen Ort zurückgekehrt“, sagt Heuer, „ein problematischer Bereich“ – der vor allem die Polizei fordere.

Ist das Bahnhofsviertel, sind solche Orte „Brennpunkte“?

„Wir haben die Verhältnisse im Griff“, versichert Heuer. Sie erforderten zwar „erhöhte Aufmerksamkeit und Präsenz“, doch Anlass, sich unsicher zu fühlen, gebe es nicht. Zugleich betont er, dass die Sicherheitsbehörden umgehend eingreifen würden, sollte dies erforderlich sein. Dies sei „eine Grundvoraussetzung für das Vertrauen der Bürger in den Staat“.

Diskussion

Wie nehmen Sie die Situation wahr? Sind Stadt und Polizei ausreichend präsent? Oder ist alles gar nicht so schlimm? Diskutieren Sie mit auf unserer Facebook-Seite oder per E-Mail: redaktion.ms@zeitungsgruppe-muenster.de , Stichwort: Bahnhofsviertel.

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