Kampf gegen Krebs verloren „Mama ist eine Heldin“

Münster -

Sie hat gehofft und gekämpft, Betroffenen Mut gemacht und sich mit ihrer Fan-Gemeinde auf Facebook ausgetauscht. Die Bloggerin Yvonne Wüllenkemper aus Handorf ist ihrer Krebserkrankung erlegen.

Von Maria Meik
Yvonne Wüllenkemper bleibt in den Herzen von Maurice, ihrer Schwester Sandra mit ihrer Tochter Aileen, Bruder Frank und ihrer Mutter Agnes Wüllenkemper. Ein treuer Begleiter in der schweren Zeit war Pfarrer Jürgen Streuer.
Yvonne Wüllenkemper bleibt in den Herzen von Maurice, ihrer Schwester Sandra mit ihrer Tochter Aileen, Bruder Frank und ihrer Mutter Agnes Wüllenkemper. Ein treuer Begleiter in der schweren Zeit war Pfarrer Jürgen Streuer. Foto: mm

Yvonne Wüllenkemper freute sich am Ende ihres Lebensweges darauf, „dass mein Vater Reinhard an der Himmelpforte steht“. Sie ist an einem Sonntag gestorben. Allein – und doch im Kreise ihrer geliebten Familie zu Hause, während ihre Mutter Agnes mit Oma telefonierte und ihr kleiner Sohn Maurice im Garten mit seinem Onkel Frank fröhlich Fußball spielte.

„Der Abschied passte zu ihr, sie hat ihn für sich so ausgemacht“, erzählt Pfarrer Jürgen Streuer, der sie und ihre Familie zwischen Leben und Tod begleitete. „Sie sah nach ihrem Tod wie ein Engel aus, so schön, so friedlich“, sagt ihre Mutter. Yvonne Wüllenkemper hatte im Mai 2015 erfahren, dass sie an Leberkrebs erkrankt war, fast ein Jahr später dann die niederschmetternde Diagnose – unheilbar. Am Ende breiteten sich Metastasen in der Lunge aus.

3000 Blog-Abonnenten

Die starke junge Frau und alleinerziehende Mutter des sechsjährigen Maurice nahm den Kampf gegen den Krebs auf, machte anderen Mut und ließ sich nicht unterkriegen in der schweren Zeit, verbunden mit Operationen, Medikamenten, Übelkeit und dem Pendeln zwischen Uniklinik und ihrem Zuhause. Auf Facebook machte sie ihre Erkrankung publik und hatte eine riesige Fan-Gemeinde. Mehr als 3000 Menschen hatten den Blog der Einzelhandelskauffrau auf Facebook abonniert.

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Ich möchte mit dem Blog erreichen, dass die Leute verstehen, wie wichtig Vorsorgeuntersuchungen sind.

Yvonne Wüllenkemper

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Agnes Wüllenkemper hatte ihren Ehemann Reinhard vor viereinhalb Jahren verloren. Sein Herz hörte auf zu schlagen. Eine harte Zeit für sie und ihre Kinder Frank, Sandra und Yvonne. Heute sagt die Mutter: „Es gibt nichts Schlimmeres als sein Kind zu verlieren.“

Yvonne Wüllenkemper teilte in ihrem Blog „My fight against cancer“ (Mein Kampf gegen den Krebs) auf Facebook ihre ganz persönlichen Gefühle mit. Dabei verwies sie auch auf die Wichtigkeit von Vorsorgeuntersuchungen, die junge Leute wahrnehmen sollten. Ihre Leidensgeschichte begann damit, dass sie stark abmagerte, die Leberwerte schlecht waren. Doch dann gab es die Hoffnung, dass alles gut ausgeht.

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Ich hab mir die Perücke gekauft und war extrem verunsichert.

Yvonne Wüllenkemper

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 „Achterbahn der Gefühle“

Die Zeit zwischen Hoffen und Bangen beschreibt ihre Mutter als eine „Achterbahn der Gefühle.“ „Nach dem Tod meiner Schwester gingen unzählige Beileidsbekundungen ein“, berichtet der Bruder der Verstorbenen. „Der Blog ist nun geschlossen“, berichtet Frank Wüllenkemper, der seine Schwester sehr vermisst, genau wie Schwester Sandra.

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„Ich bin doch froh, wenn es zu Ende geht und Maurice eine schöne Kindheit hat“, schrieb die Bloggerin am Ende ihrer Zeit. Ihre Familie setzt alles daran, dem Jungen eine unbeschwerte Kindheit zu bescheren. Seine baldige Einschulung in der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Handorf, in der auch seine Mutter das ABC lernte, steht bevor. Seine Schultüte hatte seine Mutter noch im Internet bestellt. Er freut sich auf die Schule, genauso wie seine Cousine Aileen.

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Meine Prognose: unheilbar.

Yvonne Wüllenkemper

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„Mama ist eine Heldin“, sagt Maurice mit leuchtenden Augen. Mit dieser starken Aussage auf seinem T-Shirt nahm er an der Beerdigung seiner Mami teil. Sein Gebet: „Mama, meine ganze Familie denkt an dich!“

Trauergottesdienst für stets lebensbejahende Frau 

Pfarrer Jürgen Streuer von St. Petronilla in Handorf war bei einer Taufe in Bayern, als ihn die Todesnachricht ereilte. „Erst war es Sprachlosigkeit, doch dann bestärkte mich Yvonnes Kraft und ihr Mut, ihre Hoffnung, dass es Maurice gut gehen wird und sie ihren Vater wiedersieht.

27 Opferlichter für jedes Lebensjahr wurden beim Trauergottesdienst entzündet. Ihre Taufkerze zierten Symbole, die die lebensbejahende Frau ausmachten. Ihre Lieblingsorte Strand und Meer, ein Herz für die Liebe, die sie gegeben und empfangen hat und Rosen, für ihre Freude an Blumen. Und blaue Luftballons für den Himmel, an den sie glaubte, einer Sonne mit ihrem Namen und einem Kreuz für Tod und Auferstehung.

In seiner Ansprache ging der Geistliche auf die Bibelstelle ein, in der Petrus in stürmischen Zeiten Angst hat, übers Wasser zu gehen und Jesus ihm seine rettende und liebende Hand ausstreckt. „Ich habe seine Worte genossen und war sehr gefasst“, erinnert sich Agnes Wüllenkemper.

Als ihre Tochter auf dem Handorfer Friedhof in die Erde gebettet wurde, stiegen Luftballons auf, was eine gewisse Leichtigkeit beim Abschiednehmen brachte. Ganz im Sinne der Verstorbenen, deren Sohn Rosenblätter auf seine geliebte Mami rieseln ließ.

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