Nur 15 Prozent erhalten Bafög
Auch in Münster weniger Antragsteller

Münster -

Der Bund wollte mit der Bafög-Reform eigentlich erreichen, dass mehr junge Leute die staatliche Studienförderung in Anspruch nehmen, das Gegenteil ist der Fall: Bundesweit 5,5 Prozent weniger Studierende als im Vorjahr beziehen Bafög, in Nordrhein-Westfalen sind es nur noch 15 Prozent aller Studierenden, ein erneuter Tiefstand.

Samstag, 05.08.2017, 10:08 Uhr

Zu aufwendig im Verhältnis zum Ertrag: Bafög ist auch für die meisten Studierenden in Münster keine Option zu Studienfinanzierung.
Zu aufwendig im Verhältnis zum Ertrag: Bafög ist auch für die meisten Studierenden in Münster keine Option zu Studienfinanzierung. Foto: dpa

Diese Quote deckt sich mit dem Anteil der Bafög-Bezieher unter den knapp 60 000 Studierenden an den münsterischen Hochschulen. Vor etlichen Jahren seien es noch rund 35 Prozent gewesen, berichtet Achim Wiese , stellvertretender Leiter des Studierendenwerks, das auch die Bafög-Anträge entgegennimmt.

Auch in Münster ging die Zahl der Bafög-Bezieher und Antragsteller wieder zurück. Zum Stichtag Ende des vergangenen Jahres waren es rund 1000 weniger als ein Jahr zuvor, sagt Wiese. Er stimmt ein in die Kritik, die nun vielfach am Bafög laut wird. Der bürokratische Aufwand des Antrags ist erheblich. Wer Bafög beziehen will, muss nicht nur den Verdienst der Eltern, sondern sämtliche Vermögenswerte offenlegen. „Wenn dabei ein Sparbuch vergessen wird, kann das durch den Datenabgleich dazu führen, dass man eine Strafanzeige erhält und kann danach möglicherweise keine Beamtenstelle mehr bekommen“, sagt Wiese.

Förderbeträge für viele Studenten marginal

Die Förderbeträge seien für viele Studierenden eher marginal, Familien mit mittleren Einkommen hätten in der Regel so gut wie keine Chance, für ihre studierenden Kinder überhaupt nennenswert Bafög zu erhalten. „Es kommen zwar relativ viele Studenten zu uns, um sich beraten zu lassen“, berichtet Wiese, „einen Antrag stellen die meisten aber nicht.“

Begehrte Alternative sei ein Studienkredit der öffentlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau . Dieses Darlehen gebe es ohne kompliziertes Antragsverfahren und Verdienstgrenzen.

Den Trend, der in bundesweiten Studierendenstatistiken deutlich wird, gibt es in Münster schon seit vielen Jahren. Hier studieren nach Beobachtung des Studierendenwerks häufig Kinder aus akademischen Familien.

Diese Studenten gibt es an jeder Uni

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  • COLOURBOX546035

    Party-Tier oder karrierefixiert?

    Der eine würde dem Professor gerne den Beamer hinterhertragen, der andere nutzt die Zeit in den Seminaren, um mal wieder Ordnung in seine Apps zu bringen. Zum Semesterstart treffen auf dem Campus die verschiedensten Studenten aufeinander. Die Semesterferien sind vorbei, es wird wieder voll im Hörsaal. Doch wer drängt sich da eigentlich auf den Holzbänken? Vom Streber bis zum Senioren-Student - eine Typologie.

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE STREBSAME

    Er kommt extra früh zur Vorlesung, um sich auf den Platz am Gang zu setzen. Dass er damit die ganze Reihe blockiert, ist ihm egal. Schließlich kann er so schnell aufstehen, um mit dem Professor zu reden, sobald dieser den Raum betritt. Ein bisschen Netzwerken kann schließlich nicht schaden. Deswegen hat er auch damals diesen Job als studentische Hilfskraft angenommen - obwohl ihn die Bezeichnung eigentlich stört. Der Strebsame studiert vorzugsweise BWL. Sein Handy hat er immer im Blick. Dort blinken nicht nur Wirtschaftsnachrichten auf, sondern er wird auch daran erinnert, wann er das Sakko aus der Reinigung holen kann.

    Lieblingssatz: „Kann ich die Prüfung schon vorziehen?“

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  • DER/DIE GELANGWEILTE

    Den Text fürs Seminar hat er nicht gelesen, der war ihm zu „lame“. Weil er deshalb nicht mitreden kann, muss sich der Gelangweilte anders beschäftigen. Dazu legt er das Handy betont lässig auf den Tisch und wischt auf der Dating-App Tinder herum. Bei Professoren und Dozenten macht sich dieser Typ nicht beliebt. Das ist ihm aber egal, schließlich weiß er eh noch nicht, ob er sich das Ganze noch lange antun will.

    Lieblingssatz: „Der Dozent hat uns nicht richtig vorbereitet. Jetzt muss ich wegen dem die Prüfung wiederholen.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE ALTE

    Sein natürliches Refugium ist die Uni nicht. Dennoch wagt sich der Seniorenstudent immer öfter in neues Terrain vor. Über 14 000 Menschen ab 65 Jahren teilten sich im vergangenen Semester mit jüngeren Studenten den Hörsaal - zwei Drittel mehr als vor 20 Jahren. Am liebsten besucht der Seniorenstudent Vorlesungen in Politik und Geschichte. Dort fungiert er gerne als Zeitzeuge. Ob zur Wiedervereinigung oder zum Rücktritt Bismarcks - zu jedem historischen Ereignis hat er eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen.

    Lieblingssatz: „Ich weiß das. Ich war dabei.“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE SOZIALE

    Das Willkommensgrillen für die Erstsemester oder der Papierflieger-Flashmob mitten in der Vorlesung: Ohne den Sozialen geht nichts. Plant jemand im Fachbereich eine Veranstaltung, sitzt er mit Sicherheit im Organisationskomitee. Auch bei der Studentenvertretung ist er dabei. Zwischendurch sein Studium zu beenden, fällt da schwer, ist aber für den Sozialen trotzdem nicht unmöglich. Seit er den Getränkestand beim letzten Bodenmechanik-Symposium aufgebaut hat, hat er schließlich die Nummer seines Professors im Handy gespeichert. Eine Nachricht, und schon steht ein neuer Abgabetermin für die Hausarbeit fest.

    Lieblingssatz: „Jemand noch ein Bierchen?“

    Foto: colourbox.de
  • DER/DIE POLITISCHE

    Ob Strafgesetzbuch oder Eiskunstlauf - für diesen Studententypen spielt jedes Thema auf einer höheren politischen Ebene. Um seine Kommilitonen aus den Geisteswissenschaften von seinen Ansichten zu überzeugen, holt er gerne weit aus. Meist mit selbst gedrehter Zigarette in der einen und frisch aufgebrühtem Mate-Tee in der anderen Hand. Der Politische gendert nicht nur seine Hausarbeitstexte, sondern benutzt die geschlechtsneutrale Sprache auch in Diskussionen.

    Lieblingssatz: „Ich würde mir wünschen, dass alle StudentInnen dazu Stellung beziehen.“

    Foto: dpa
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