Skulptur-Projekte 2017 Verkehrs-Herausforderung: Fahrrad-Touristen in Münster

Münster -

Bewährungsprobe für den Leezen-Primus: Die Skulptur-Projekte locken viele Kunstliebhaber und Touristen nach Münster - zugleich erhöht sich während des Open-Air-Events die Anzahl der Radfahrer im Stadtgebiet deutlich. Wie macht sich dies im täglichen Verkehr bemerkbar? Autofahrer und einheimische Radler sehen sich öfters mit besonderen Herausforderungen konfrontiert - eine Situationsbeschreibung.

Von Mirko Ludwig
Skulptur-Projekte 2017 : Verkehrs-Herausforderung: Fahrrad-Touristen in Münster
Zurzeit ein häufiges Bild im Stadtgebiet: Leihfahrräder an Skulptur Projekten. Foto: Mirko Ludwig

Für das Kunst-Spektakel wurde das Angebot an Leih-Fahrräder aufgestockt. So stehen während der Ausstellungsdauer in Münster über 900 Räder von mindestens 14 Anbietern zur Verfügung.

Die Skulptur-Projekte passen aus Radfahrer-Sicht wunderbar in Deutschlands inoffizielle Radfahr-Hauptstadt, da die 35 Ausstellungsobjekte im gesamten Stadtgebiet verteilt sind. Nur wenige Besucher sind so gut zu Fuß, dass sie alle Punkte ablaufen wollen. Entsprechend gefragt sind die Leezen.

Für die erfahrenen Radfahrer in Münster (und natürlich auch Autofahrer) bedeutet dies: Obacht! Denn nicht jeder hat sein Zweirad stets unter Kontrolle…

Radfahrer in Gefahr…

Rad-Touristen unterwegs rund um Münsters "Radfahrer-Schnellweg" - einige Beobachtungen:

Bange Momente auf der Promenade: Gleich mehrmals zuckt der Arm einer Frau nach links und direkt wieder zurück. Rad samt Fahrerin wackeln bedenklich - nur mit Mühe kann die Radlerin das Gleichgewicht halten. Das Abbiegen per Handzeichen bei gleichzeitigem Gegenverkehr ist für sie ein ungemein schwieriger Balanceakt. Es geht aber noch gut - gerade so.

Nur wenige Meter weiter wird es noch gefährlicher: Aus dem Gegenverkehr auf Münsters Radler-Autobahn nimmt ein Radfahrer Kurs auf die entgegengesetzte Fahrbahn, sein konzentrierter Blick ist dabei nur aufs Handy in seiner Hand gerichtet. Der Gegenverkehr kommt immer näher: Der Mann bemerkt seinen falschen Kurs, reißt den Lenker mit der anderen Hand soeben noch herum - nur äußerst knapp entgeht er einem Zusammenstoß.

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Zu spät ist es hingegen für einen Pedalritter, der auf Höhe des alten Zoogeländes Richtung Promenade unterwegs ist. Während der Fahrt hält er den Skulpturen-Faltplan halb ausgebreitet mit einer Hand, die andere umklammert den Lenker. Dabei verliert er jedoch die Kontrolle über seine Leeze. Sein Vorderrad kracht gegen einen Bordstein, einen Sturz kann der Mann noch im letzten Moment verhindern. Glück gehabt…

Keine Auffälligkeiten

Rund sieben Wochen sind seit dem Start der Skulptur-Projekte vergangen. Zwar registriert die Polizei zurzeit eine Zunahme des Radverkehrs auf Münsters Straßen, aber dies sei im Sommer normal. Jedenfalls sorgen die kunstliebenden Radfahrer nicht für einen insgesamt signifikanten Anstieg der Pedalritter in der Stadt.

Etwas überraschend ist, dass nach Angabe der Polizei Münster die Anzahl der gemeldeten Fahrradunfälle in den letzten Wochen nicht auffallend angestiegen ist.

Fahrvermögen auf dem Prüfstand

Erste „Schnittstelle“ zwischen Touristen, den Skulputur-Objekten und Münsters Innenstadtverkehr sind die Fahrrad-Verleiher, die als Anbieter die Besucher mit Leezen ausstatten und danach auf die Reise schicken.  Eine Nachfrage bei „Skulptur Projekte by bike“ - ein zusätzlicher Anbieter nur für die Dauer des Kunst-Events - zeigt: Fahrrad-Verleih ist Vertrauenssache.

Neben dem LWL-Museum am Domplatz stehen 250 Räder abfahrbereit - ebenso viele wie an der bundesweit größten Radstation an Münsters Hauptbahnhof. Bevor sich die Touristen auf den Sattel schwingen und sich in den münsterischen Verkehr einfädeln können, werden die Kunden vom Anbieter „Skulptur Projekte by bike“ gebeten, in einer Stichstraße die angebotenen Räder - und ihr eigenes Fahrvermögen - zu testen. „Erst wenn wir den Eindruck haben, dass jemand sicher mit dem Rad unterwegs ist, geben wir die Räder ab“, erzählt Birgit Weßel .

Das Leih-Angebot wird gut angenommen, an Wochenenden sind öfter auch sämtliche Räder in der Stadt unterwegs, sagt die Inhaberin von „Skulptur Projekte by bike“. Durchschnittlich sind hiervon pro Tag 150 Zweiräder unterwegs. Beliebt ist das Fortbewegungsmittel insbesondere auch bei Familien mit Kindern.

Erfreut ist Birgit Weßel darüber, dass die Fahrer und Räder in der Regel wohlbehalten zur Leih-Station zurückkommen. Unfälle sind die große Ausnahme. Ein Vorfall spielte sich jedoch ausgerechnet kurz vor der Einfahrt zu „Skulptur Projekte by bike“ ab: Eine Fahrrad-Touristin stieß mit einem Bus zusammen. Der Unfall ging relativ glimpflich aus, da sich die Frau hierbei "nur" eine Rippe brach.

Plädoyer für gegenseitige Rücksichtnahme

An der Leih-Station geht es sehr international zu, beobachtet Birgit Weßel nahezu täglich. Mittlerweile hat sie auch einige „typische“ Leih-Muster feststellen können: „Erwachsene aus dem asiatischen Raum neigen öfter dazu, sehr kleine Räder auszuleihen - zum Teil sogar Kinderräder“. Das sei aber gut so, damit diese Radler ein Fahrgefühl verspüren, das ihnen ein erforderliches Sicherheitsgefühl gibt, damit sie möglichst unfallfrei durch die Stadt kommen.

Abstimmung

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Aber nicht immer geht es gut: Mehrmals waren Münsteraner bei Birgit Weßel, die sich über das fehlerhafte Fahrverhalten von radelnden Touristen beschwert haben. Die Fahrrad-Verleiherin weiß, dass dies ein sensibles Thema in der Stadt ist. Gerade auch Gruppenfahrten sind ein heikles Unterfangen im Stadtverkehr.

„Wir versuchen, unsere Kunden auf die Verkehrssituation in Münster vorzubereiten und auf bestimmte Brennpunkte hinzuweisen. Außerdem warnen wie sie davor, nicht zu langsam zu fahren, damit sie nicht häufiger angeklingelt werden.“ Obwohl die Rad-Verleiherin den Unmut mancher erfahrener Radler verstehen kann, plädiert Weßel aber zugleich für Verständnis: “Wichtig ist, dass beide Seiten aufeinander Rücksicht nehmen.“

  

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