Neun Jahre bis zum Abitur Rückkehr zu G 9 rückt näher

Münster -

Während am Mittwochabend CDU und FDP in Düsseldorf ankündigten, zu G9 zurückkehren zu wollen, endete die Unterschriftensammlung in den Verwaltungen für das Volksbegehren, das dies vorsieht. Im Bürgeramt Münster wurden seit Februar rund 2000 Unterschriften gesammelt.

Von Karin Völker
Die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren für die Rückkehr zu G 9 in den Verwaltungen ist jetzt beendet. Aber die potenziell künftige neue Landesregierung aus CDU und FDP will nun sowieso G9 wieder zur Regel machen..
Die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren für die Rückkehr zu G 9 in den Verwaltungen ist jetzt beendet. Aber die potenziell künftige neue Landesregierung aus CDU und FDP will nun sowieso G9 wieder zur Regel machen.. Foto: dpa

Seit Anfang Februar lagen im Bürgeramt Unterschriftenlisten der Volksinitiative „G 9 jetzt“ aus. Seit Mittwoch ist die Unterschriftensammlung in den Kommunalverwaltungen in Nordrhein-Westfalen offiziell beendet. Sie ist bei der Vorbereitung eines Volksbegehrens gesetzlich vorgeschrieben. Das Ende der Sammlung in den Ämtern fiel exakt zusammen mit der Ankündigung des Koalitionsausschusses von CDU und FDP , in NRW die neunjährige Gymnasialzeit künftig wieder zur Regel werden zu lassen.

Die Initiatoren des Volksbegehrens schlossen daraufhin den Abbruch ihrer Aktion nicht mehr aus, wie der Initiator Marcus von Hohenstein aus Siegen der Deutschen Pressagentur sagte.

1,06 Millionen Unterschriften nötig

In Münster koordiniert Kerstin Consilvio, Mutter dreier Kinder, die Initiative. Rund 2000 Münsteraner haben laut Consilvio die Listen im Stadthaus 1 unterschrieben. „Eine größere Resonanz gibt es bei der Sammlung durch Privatleute“, sagt Consilvio. Sie organisierte auch weitere Unterschriftensammlungen für das Volksbegehren, wie etwa kürzlich auf dem Wochenmarkt.

Bis zum 4. Januar soll die Sammlung eigentlich noch fortgesetzt werden. Wenn bis dahin 1,06 Millionen Unterschriften zusammengekommen sind, muss sich der Landtag erneut mit dem Thema befassen. Kurz vor Ostern habe die Initiative eine erste Bilanz gezogen und die Zahl der bisher in ganz NRW gesammelten Unterschriften auf rund eine halbe Million geschätzt. „Viele Menschen sind offen für das Thema, glauben aber, dass die Politik auch ohne ihre Unterschrift zu G 9 zurückkehrt“, beschreibt Consilvio die Stimmung.

Ihr und der Initiative ist wichtig, dass generell alle Gymnasien zu G 9 zurückkehren und es für besonders begabte Schüler überall die Möglichkeit geben soll, weiter in acht Jahren Abitur zu machen.

Kritik an Finanzierungsplänen

Unterdessen meldete sich die Schulpflegschaft der Gesamtschule Münster-Mitte zu Wort, die ebenfalls grundsätzlich die Rückkehr zur neunjährigen Schulzeit bis zum Abitur unterstützt. Kritisch sieht Schulpflegschaftsvorsitzender Jörg Nathaus allerdings, dass die Initiatoren des Volksbegehrens vorgeschlagen haben, die Kosten einer wieder verlängerten Schulzeit durch Unterrichtskürzungen an anderen Schulformen, an Gesamt-, Real- und Hauptschulen zu finanzieren.

An diesen Schulformen würde über eine Stunde weniger Unterricht erteilt, sollten die Vorschläge umgesetzt werden. „Verbesserungen für die eigenen Kinder sollen durch Verschlechterungen für viele andere Kinder finanziert werden“, so Nathaus.

Landeselternschaft, Landesschülerschaft sowie mehrere Stadtelternschaften in NRW hätten bereits dieses mögliche Vorgehen kritisiert, so Jörg Nathaus. „Ich glaube, dass viele Menschen in NRW die möglichen Auswirkungen dieses Volksbegehrens auf die Gesamtschulen, Realschulen, Hauptschulen und andere noch nicht wahrgenommen haben oder unterschätzen“, meint er. „G 9 - ja, aber nicht auf Kosten anderer Schülerinnen und Schüler.“ 

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