Zurück zu G9? Initiative G9: Pro und Contra

Sollen alle Gymnasien in NRW wieder generell zur neunjährigen Schulzeit zurückkehren, so wie es die Initiative G9 jetzt fordert?

Von Anna Spliethoff
Zurück zu G9? : Initiative G9: Pro und Contra
(Symbolbild) Foto: dpa

Pro: Lasst sie jung sein

Der Hauptgrund für den vollkommen überstürzten Wechsel von G8 auf G9 ist klar: Wer früher aus der Schule raus ist, fängt früher an zu arbeiten – und zahlt deshalb länger Steuern. Was für die Staatskasse ein schöner Gewinn ist, ist für jeden einzelnen Schüler ein Verlust. Den jungen Menschen wird mit der ver­kürzten Schulzeit ein ganz wichtiges Jahr in ihrer persönlichen Entwicklung genommen. Wer mit 17 oder 18 die Schule verlässt, weiß oft nicht, was der richtige Weg oder die beste Entscheidung ist. Zudem haben Schüler seit der Einführung von G8 einen volleren Terminkalender als wohl die meisten Eltern: Schule, Hausaufgaben, Sport, Musikinstrument, Freunde – und am Besten noch ein Ehrenamt. Irgendwo sollte, vor allem in jungen Jahren, aber auch mal Platz für richtige Freizeit sein. Zurück zu G9 ist die einzig richtige Entscheidung: Ein Jahr mehr in der Schule zu verbringen, nützt jedem einzelnen Schüler viel mehr, als es dem Staat schadet. Der Appell muss lauten: Lasst die jungen Menschen jung und unbeschwert sein – erwachsen sein müssen sie noch lange genug. 

Contra: Vorsichtige Reformen

Die Einführung von G8 war vor über zehn Jahren eine Folge des damaligen Zeitgeistes: In Deutschland ­kämen junge Leute später in den Beruf als in vielen vergleichbaren Ländern, Schule könne schneller gehen. Die Reform, die folgte, war mangelhaft vorbereitet, Lehrer und Schüler warteten beispielsweise jahrelang auf neue Schulbücher und Lehrpläne, entsprechend chaotisch lief der Übergang. Mittlerweile sind die Bücher da, Lehrpläne wurden gestutzt, viele Schulen haben Tritt gefasst im System G8. Wenn Lehrer in NRW  sich etwas wünschen dürfen, dann äußern viele dies: Sie wollen vor allem guten Unterricht gestalten und nicht ständig ihre Arbeit an einem ewigen Hin und Her von politisch angestoßenen Schulreformen ausrichten müssen. Es gibt in NRW schon jetzt die Möglichkeit, in neun Jahren zum Abitur zu gehen – auch in Münster. Es wäre auch gut wenn der Kreis der Schulen, die wieder in neun Jahren zum Abschluss führen möchten, noch erweitert würde. In Hessen etwa haben die Gymnasien  die Wahl zwischen G8 und G9 – warum nicht auch hier?

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