Volksbegehren für G 9 Rückkehr zu G 9 soll Fahrt aufnehmen

Münster -

Auch in Münster ist die Initiative für ein Volksbegehren zur Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium aktiv. Kerstin Consilvio koordiniert die Aktion. Am Samstag sammeln sie und ihre Mitstreiter Unterschriften auf dem Wochenmarkt auf dem Domplatz.

Von Karin Völker
Auch in Münster werden Unterschriften für das Volksbegehren zur die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gesammelt. zum Beispiel heute auf dem Wochenmarkt am Domplatz.
Auch in Münster werden Unterschriften für das Volksbegehren zur die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium gesammelt. zum Beispiel heute auf dem Wochenmarkt am Domplatz. Foto: dpa

Wer im Bürgeramt zu tun hat, stößt in der Nähe des Eingangs im Stadthaus 1 auf die Listen der Initiative „G 9 jetzt NRW“. Das Ziel: Nach Niedersachsen und Bayern soll auch Nordrhein-Westfalen das G 8-Abitur abschaffen und wieder flächendeckend eine neunjährige Schulzeit am Gymnasium festschreiben.

Unterschriftenlisten auf dem Wochenmarkt und im Bürgeramt

Bis zum 7. Juni noch liegen, entsprechend der vom Gesetz vorgeschriebenen Frist, in den Bürgerämtern Nordrhein-Westfalens und damit auch in Münster die Unterschriftenlisten für das Volksbegehren aus. Parallel dazu sammeln hier etwa 50 Privatleute Unterschriften, auch am heutigen Samstag und am nächsten Samstag auf dem Wochenmarkt am Domplatz, erklärt Kerstin Consilvio . Sie ist Koordinatorin der Aktion in der Stadt – und nicht besonders zufrieden mit dem bisherigen Ergebnis.

„Es läuft etwas schleppend“, sagt Consilvio, Mutter dreier Kinder in unterschiedlichen Schulformen weiterführender Schulen, darunter auch dem G8-Gymnasium. „Die G8-Kinder haben einen Alltag wie ein voll Berufstätiger, die verkürzte Schulzeit geht am Lebensrhythmus der Jugendlichen vorbei“, betont Consilvio – und ist sich damit einig mit Marcus von Hohenstein, dem Initiator des Volksbegehrens.

Pro und Contra

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Der Siegener Lehrer und Vater einer Sechstklässlerin auf dem Gymnasium ist mit den Plänen der noch amtierenden Landesregierung zur Schulzeit am Gymnasium nicht zufrieden. „Die Regierung will bloß ein Bummeljahr anbieten“, kritisiert er den bisherigen Verhandlungsstand mit dem Schulministerium. Nötig sei es aber, in jedem Schuljahr während der gesamten Zeit am Gymnasium mehr Zeit für den Lehrstoff zu haben“, er will, dass alle NRW-Gymnasien zu G9 zurückkehren.

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Eltern seien resigniert

Das sieht auch Kerstin Consilvio so, einer ihrer Söhne besucht die Mittelstufe des Schlaun-Gymnasiums. Das Thema G8/G9 sei aber schon so lange in der Diskussion, dass ein „gewisser Ermüdungseffekt, auch Resignation“ bei den Eltern eingesetzt habe. Dass in Münster die Gesamtschulen und das Geschwister-Scholl-Gymnasium im Rahmen des NRW-Modellversuches das G9-Abitur anbieten, reicht ihr nicht: „Es muss wieder überall Regel werden“.

Die G 9-Engagierten in Münster sammeln laut Consilvio Unterschriften in Kitas, bei anderen Eltern, in Spielgruppen oder im Sportverein, Listen mit etlichen Hundert Unterschriften hat sie schon weitergereicht. Jetzt in der Endphase des Landtagswahlkampfs hat die Initiative Sammelaktionen an den Samstagen geplant.

1,06 Millionen Unterschriften bis Januar 2018

Benötigt werden NRW-weit 1,06 Millionen Unterschriften von NRW-Bürgern, deren Echtheit der Landeswahlleiter prüft. Spätestens am 4. Januar 2018 müssen die Unterschriften beim Land vorliegen. Sollte die Zahl erreicht werden, muss der Landtag über die Frage abstimmen. Bliebe er bei der gegenwärtigen Regelung, würden alle Wahlberechtigten im Land zur Abstimmung aufgerufen.

Lehrer sehen die Problematik von G8, darunter auch eine bisweilen mangelnde Reife der Abiturienten. Es gibt aber auch Skepsis gegenüber der Rückkehr zu G9. Dr. Lothar Jansen . Leiter des Schlaun-Gymnasiums fürchtete kürzlich in einem Interview mit unserer Zeitung eine „ähnlich chaotische Reform“ wie bei der Einführung von G8 im Jahr 2005. 

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