Immer mehr Namensänderungen Neuer Vorname, neues Leben

Münster -

Immer mehr Münsteraner ändern ihren Vornamen. Hintergrund sind entweder psychische Probleme – oder Hänseleien, berichtet das Standesamt.

Von Martin Kalitschke
Die Zahl der Münsteraner, die ihren Vornamen ändern, nimmt zu.
Die Zahl der Münsteraner, die ihren Vornamen ändern, nimmt zu. Foto: Matthias Ahlke (Symbolbild)

Lolita hatte es nicht leicht in der Schule – und noch schwerer an der Universität.

Sie wurde wegen ihres Vornamens permanent gehänselt – bis sie es irgendwann nicht mehr aushielt. Lolita entschied sich, ihren Vornamen zu ändern. Seitdem hat sie Ruhe.

30 Vornamens-Änderungen nahm das münsterische Standesamt im vergangenen Jahr vor – vier Mal so viele wie 2013. „Die Zahl der Fälle nimmt seit Jahren zu“, berichtet Mitarbeiterin Claudia Seveneick .

Leiden unter dem eigenen Namen

Doch anders als zum Beispiel in Dänemark , wo sich 2016 rund 4800 Menschen einen neuen Vornamen zulegten, geschah das nicht aus Lifestyle-Gründen – indem man sich zum Beispiel von Susanne in Sanne oder Su umbenannt hat. „Vornamen werden in Deutschland nur dann geändert, wenn die Betroffenen unter dem Namen leiden“, betont Seveneick. Dabei handele es sich vor allem um Missbrauchsopfer, die es nicht mehr ertragen, bei ihrem Namen gerufen zu werden – oder um Personen, die wegen ihres Namens permanent gemobbt werden. Sich einfach von Beate in Franziska oder Paul in Michael umbenennen, das gehe in Deutschland nicht.

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In beiden Fällen gilt: „Wer einen Vornamen ändern will, der muss den Grund belegen können“, stellt die Standesamt-Mitarbeiterin klar. Also psychologische Gutachten vorlegen – oder sich von Zeugen bescheinigen lassen, dass der Betroffene Opfer von Lästereien ist. „Da kann es schon reichen, wenn der Klassenlehrer eine Bestätigung vorlegt“, sagt Seveneick.

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Er wurde immer wieder als Nazi beschimpft

Claudia Seveneick

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So wie Lolita entschied sich auch eine junge Frau namens Pariser, zum münsterischen Standesamt zu gehen – der Grund ist offensichtlich. Auch ein Mann mit dem Vornamen Adolf änderte seinen Vornamen – „er wurde immer wieder als Nazi beschimpft“, berichtet Seveneick.

Namensänderung erfordert viel Papierkram

Wer diesen Schritt geht, muss eine Menge Papierkram erledigen. So berichtet die Mitarbeiterin von Antragstellern, die mit dem neuen Namen Schulden oder Vorbestrafung loswerden wollten. Damit das nicht passiert, muss neben der Geburtsurkunde auch ein Führungszeugnis vorgelegt werden. Bis zu 250 Euro beträgt die Verwaltungsgebühr, die neuen Dokumente sind nicht im Preis inbegriffen.

So mancher Ärger würde sich vermeiden lassen, wenn die Eltern sich bei der Namensgebung mehr Gedanken machen würden – wobei die Eingriffsmöglichkeiten des Standesamtes deutlich begrenzter seien als früher, betont Seveneick. So darf ein Kind „Djihad“ (Heiliger Krieg) genannt werden, das sei sogar richterlich bestätigt worden.

Dass ein Paar seine Tochter Pebbles nennt – nach der gleichnamigen Figur aus der „Familie Feuerstein“ – konnten die münsterischen Standesbeamten kürzlich allerdings verhindern – „mit gutem Zureden“, wie Seveneick betont.

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