Weitere verkaufsoffene Sonntage gestrichen Jetzt trifft es auch die Konkurrenz

Münster -

In Münster ebbt die Debatte über abgesagte verkaufsoffene Sonntage ab, jetzt trifft es andere Städte. Münsters Kaufleute arbeiten derweil an einer neuen Strategie.

Von Klaus Baumeister
Nach Münster haben nun auch das Centro Oberhausen und Osnabrück Shopping-Sonntage gestoppt.
Nach Münster haben nun auch das Centro Oberhausen und Osnabrück Shopping-Sonntage gestoppt. Foto: Matthias Ahlke

Eigentlich hätten die Münsteraner und Münsterländer am kommenden Sonntag gleich zwei attraktive Ziele zum Einkaufen gehabt: Shoppen im Centro in Oberhausen – oder Shoppen in Osnabrück .

Doch gleich beide verkaufsoffenen Sonntage wurden abgesagt. Beim Centro klagte die Gewerkschaft Verdi erfolgreich gegen das geplante „3-Königs-Fest“ samt Ladenöffnung in 250 Geschäften. In Osnabrück genügte sogar die Androhung der Klage, dass die Kaufleute und das Stadtmarketing ihren Antrag auf Ladenöffnung am 8. Januar zurückzogen.

Die Welle, die im vergangenen Jahr in Münster losgetreten wurde, schwappt inzwischen über das ganze Land. Und Matthias Lückertz, Sprecher der Initiative „Starke Innenstadt“ geht davon aus, dass sich insbesondere Großstädte „mittelfristig“ auf eine Durststrecke bei der Genehmigung von verkaufsoffenen Sonntagen einstellen müssen. Angesichts der restriktiven Rechtsprechung seien rasche Gesetzesänderungen nicht zu erwarten. „Eine bundeseinheitliche, gerichtsfeste Regelung in dieser Frage zu bekommen, das kann sicherlich dauern.“

In Münsters Innenstadt wird es schon  aufgrund des erfolgreichen Bürgerentscheids „Freier Sonntag“ im November  in den Jahren 2017 und 2018 keine verkaufsoffenen Sonntage geben. Im Frühjahr, so Lückertz, wollen die Kaufleute ein Papier vorlegen, wie man angesichts dieser veränderten Rahmenbedingungen die Attraktivität des Einzelhandels aufrecht erhalten könne. „Wir brauchen eine andere Strategie“, so Lückertz.

52,8 Prozent der Münsteraner stimmten im November gegen verkaufsoffene Sonntage. Foto: Oliver Werner

Für Verdi-Geschäftsführer Bernd Bajohr , ein erklärter Gegner verkaufsoffener Sonntage, hat sich die Situation seit dem Spätsommer und Herbst vergangenen Jahres verändert. Da in vielen mit Münster konkurrierenden Städten inzwischen auch verkaufsoffene Sonntage abgesagt wurden, „sticht das Argument der angeblichen Wettbewerbsverzerrung“ nicht mehr.

Kommentar: Jammern hilft nicht mehr

Als die verkaufsoffenen Sonntage in Münster gleich reihenweise vom Gericht kassiert wurden und dann die Ladenöffnung auch noch beim Bürgerentscheid abgekanzelt wurde, sprachen nicht wenige münsterische Kaufleute von einer Wettbewerbsverzerrung. Sie befürchteten, dass konkurrierende Städte von den in Münster verschlossenen Türen profitieren würden.

So kurios es klingt: Diese Befürchtung ist inzwischen unberechtigt, denn die Liste der abgesagten verkaufsoffenen Sonntage wird auch außerhalb von Münster immer länger.

Der flächendeckende Siegeszug der Gewerkschaft Verdi macht ein Umdenken erforderlich. Erfolgreich werden künftig jene großen attraktiven Einkaufsstädte sein, die es schaffen, den Sonntag als Verkaufstag überflüssig zu machen.

Will sagen: Der Umsatz muss von montags bis samstags gemacht werden.

Diese Neuausrichtung ist sehr hart, aber allemal erfolgversprechender als die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den alten Zeiten. 

Klaus Baumeister

Gerade eine Stadt wie Münster stelle doch „kontinuierlich von montags bis samstags ihre Attraktivität unter Beweis“. Was bleibe, so Bajohr, sei die Debatte über den Online-Handel, der dem stationären Handel zusetze. Der Gewerkschafter hält dem entgegen: „Das Gesetz erlaubt eine Ladenöffnung an Werktagen rund um die Uhr.“ Wenn das nicht reiche, biete auch ein verkaufsoffener Sonntag keine Rettung.

Die Klagewelle der vergangenen Monate basiert nicht zuletzt auf einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes vom November 2015. Darin werden an die Genehmigungsfähigkeit verkaufsoffener Sonntage hohe Anforderungen gestellt. So muss die Sonntagsöffnung inhaltlich und räumlich in Bezug stehen zu einer Traditionsveranstaltung. Diese Veranstaltung muss gegenüber der Ladenöffnung dominieren.

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