Kleingärten müssen Umgehungsstraße weichen
Bitterer Abschied von der zweiten Heimat

Münster -

Für den Ausbau der Umgehungsstraße B 51 in Höhe Wolbecker Straße mussten zehn Gärten in der Anlage Damaschke aufgegeben werden. Für manche der Betroffenen ein Abschied von einer „zweiten Heimat“, in der sie über Jahrzehnte ihre Freizeit im Grünen verbracht haben.

Dienstag, 09.02.2016, 04:02 Uhr

Auf den Resten seines Gartenhauses sitzt Adolf Winkelmann. Vier Jahrzehnte war die Laube in der Kleingartenanlage Damaschke für den Rentner eine zweite Heimat.
Auf den Resten seines Gartenhauses sitzt Adolf Winkelmann. Vier Jahrzehnte war die Laube in der Kleingartenanlage Damaschke für den Rentner eine zweite Heimat. Foto: hpe

40 Jahre war das kleine Haus in der Gartenanlage Damaschke an der Wolbecker Straße so etwas wie die zweite Heimat für Adolf Winkelmanns Familie. Er feierte dort mit seinen Freunden vom Kegelclub Dorfspatzen, kümmerte sich auf dem Rasen vor der Hütte um die Enkelkinder und war mächtig stolz auf die Theke mit Zapfanlage, die er wie eigentlich alles am und im Häuschen selbst gebaut hat. Jetzt hat der Abrissbagger in Minuten planiert, was für Winkelmann „eine grüne Oase vom Alltag war“.

Der pensionierte Landschaftsbauer ist einer von zehn Gartenbesitzern, die ihr Areal wegen des Ausbaus der Umgehungsstraße B 51 verloren haben. „Es war lange absehbar, doch am Ende einfach nur traurig, wenn man seinen vertrauten Ort mit so viel Erinnerungen zerstört sieht“, meint Winkelmann.

Auch wenn es längst nicht mehr die große Kleingärtnerfamilie in der Anlage gibt und viele dort nur noch abgeschottet von den Nachbarn ihr eigenes Ding machen, fällt der Abschied schwer. Winkelmann, der früher mal zweiter Vorsitzender des Kleingartenvereins Damaschke war, hat inzwischen alles verschenkt. Den Buchsbaum mit Ballen an die Hausärztin, die Dachpfannen an einen Nachbarn, dessen Hütte stehen bleiben darf. Die vielen Steinfiguren im Vorgarten an Freunde, die daheim einen Vorgarten haben.

So wird die Umgehungsstraße aussehen

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  • In Richtung Norden zeigt diese Animation. Es handelt sich praktisch um die Einfahrt in den Trog, im Bild die Brücke am Laerer Landweg.

    In Richtung Norden zeigt diese Animation. Es handelt sich praktisch um die Einfahrt in den Trog, im Bild die Brücke am Laerer Landweg.

    Foto: Straßen NRW
  • Der Knotenpunkt Wolbecker Straße ist auf dieser Animation zu sehen. Die Zu- und Abfahrten sind mehrspurig, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen. Auch auf der Wolbecker Straße wird es im Kreuzungsbereich erhebliche Veränderungen geben.

    Foto: StraßenNRW
  • So soll es Ende dieses Jahrzehnts an dem Knotenpunkt Umgehungsstraße (B 51), Warendorfer Straße und B 481 aussehen. Der Landesbetrieb Straßen NRW als Bauherr hat eine Animation veröffentlicht. Zur Orientierung:Die große Straße, die in der Mitte nach oben führt, ist die neue B481. Sie verbindet den Knotenpunkt mit dem Schifffahrter Damm. Nach links geht die Warendorfer Straße in Richtung Innenstadt, nach rechts in Richtung Telgte. Die große Straße unten ist die B 51 in Richtung Autobahnkreuz Münster-Süd. Die kleine Straße oben halbrechts ist die Dyckburger Straße, unten rechts die Mondstraße.

    Foto: Straßen NRW
  • Gut zu erkennen ist hier, wie nah die Wohnsiedlung am Stehrweg an die Umgehungsstraße heranrückt.

    Foto: Straßen NRW
  • In Richtung Süden, sprich von der Brücke am Pleistermühlenweg in Richtung Wolbecker Straße, geht an dieim Trog sind in der Mitte durch Betonriegel getrennt.

    Foto: Straßen NRW

Allen betroffenen Kleingärtnern wurde auf dem Gelände einer Ersatzfläche angeboten, auch ein nagelneues Haus wird dort auf Kosten des Landes hingestellt. Für Winkelmann und auch fast alle anderen Betroffenen ist das keine Option. „Mit 73 noch einmal ganz von vorn anfangen und Jahre daran arbeiten, bis alles wieder so grün und idyllisch ist wie früher. Das mache ich nicht mehr“, sagt Winkelmann.

Sein Gartenfreund Andreas Pfaff hingegen wagt den Neuanfang. Mit der Kündigung des alten Gartens Anfang 2015 hat er einen Container zur Verfügung gestellt bekommen. Dort ist alles von der Schubkarre bis zur Heckenschere zwischengelagert. „Warum wurden wir vor einem Jahr gekündigt und dann tat sich so lange nichts? Wir hätten noch das ganze Jahr 2015 prima in unserem Garten die Freizeit genießen können“, klagt er. Die Stimmung sei schlecht, auch weil zu wenig informiert werde.

„Einjährige Kündigungsfristen zwischen Stadt, Verein und Landesbetrieb Straßenbau sind ganz normal“, meint dagegen der Vorsitzende des Stadtverbandes der Kleingärtner, Horst Stronk. Mit der Anlage der Ersatzgärten gleich nebenan wird im März begonnen. Im Herbst soll alles fertig sein.

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