Kleingärten müssen Umgehungsstraße weichen Bitterer Abschied von der zweiten Heimat

Münster -

Für den Ausbau der Umgehungsstraße B 51 in Höhe Wolbecker Straße mussten zehn Gärten in der Anlage Damaschke aufgegeben werden. Für manche der Betroffenen ein Abschied von einer „zweiten Heimat“, in der sie über Jahrzehnte ihre Freizeit im Grünen verbracht haben.

Von Helmut P. Etzkorn
Auf den Resten seines Gartenhauses sitzt Adolf Winkelmann. Vier Jahrzehnte war die Laube in der Kleingartenanlage Damaschke für den Rentner eine zweite Heimat.
Auf den Resten seines Gartenhauses sitzt Adolf Winkelmann. Vier Jahrzehnte war die Laube in der Kleingartenanlage Damaschke für den Rentner eine zweite Heimat. Foto: hpe

40 Jahre war das kleine Haus in der Gartenanlage Damaschke an der Wolbecker Straße so etwas wie die zweite Heimat für Adolf Winkelmanns Familie. Er feierte dort mit seinen Freunden vom Kegelclub Dorfspatzen, kümmerte sich auf dem Rasen vor der Hütte um die Enkelkinder und war mächtig stolz auf die Theke mit Zapfanlage, die er wie eigentlich alles am und im Häuschen selbst gebaut hat. Jetzt hat der Abrissbagger in Minuten planiert, was für Winkelmann „eine grüne Oase vom Alltag war“.

Der pensionierte Landschaftsbauer ist einer von zehn Gartenbesitzern, die ihr Areal wegen des Ausbaus der Umgehungsstraße B 51 verloren haben. „Es war lange absehbar, doch am Ende einfach nur traurig, wenn man seinen vertrauten Ort mit so viel Erinnerungen zerstört sieht“, meint Winkelmann.

Auch wenn es längst nicht mehr die große Kleingärtnerfamilie in der Anlage gibt und viele dort nur noch abgeschottet von den Nachbarn ihr eigenes Ding machen, fällt der Abschied schwer. Winkelmann, der früher mal zweiter Vorsitzender des Kleingartenvereins Damaschke war, hat inzwischen alles verschenkt. Den Buchsbaum mit Ballen an die Hausärztin, die Dachpfannen an einen Nachbarn, dessen Hütte stehen bleiben darf. Die vielen Steinfiguren im Vorgarten an Freunde, die daheim einen Vorgarten haben.

Allen betroffenen Kleingärtnern wurde auf dem Gelände einer Ersatzfläche angeboten, auch ein nagelneues Haus wird dort auf Kosten des Landes hingestellt. Für Winkelmann und auch fast alle anderen Betroffenen ist das keine Option. „Mit 73 noch einmal ganz von vorn anfangen und Jahre daran arbeiten, bis alles wieder so grün und idyllisch ist wie früher. Das mache ich nicht mehr“, sagt Winkelmann.

Sein Gartenfreund Andreas Pfaff hingegen wagt den Neuanfang. Mit der Kündigung des alten Gartens Anfang 2015 hat er einen Container zur Verfügung gestellt bekommen. Dort ist alles von der Schubkarre bis zur Heckenschere zwischengelagert. „Warum wurden wir vor einem Jahr gekündigt und dann tat sich so lange nichts? Wir hätten noch das ganze Jahr 2015 prima in unserem Garten die Freizeit genießen können“, klagt er. Die Stimmung sei schlecht, auch weil zu wenig informiert werde.

„Einjährige Kündigungsfristen zwischen Stadt, Verein und Landesbetrieb Straßenbau sind ganz normal“, meint dagegen der Vorsitzende des Stadtverbandes der Kleingärtner, Horst Stronk. Mit der Anlage der Ersatzgärten gleich nebenan wird im März begonnen. Im Herbst soll alles fertig sein.

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