„Fahrradhauptstadt – na ja“ Was Radfahrer in Münster nervt

Münster -

Holprige Radwege, im Weg stehende Autos, Ampeln, an denen man zwei mal auf Grün warten muss, bevor man abbiegen darf und eine „Fahrradautobahn", an der Autos Vorfahrt haben. Dinge, die Radfahrer in Münster nerven, gibt es zur Genüge. Der ADFC fordert mehr Einsatz von der Stadtverwaltung.

Von Jan Hullmann
Schwachstellen der Fahrradstadt Bild-Kombi
Wenn Radfahrer rot sehen: Holperstrecken, Autos, die im Weg stehen und Fahrer, die selbst in der engen Schillerstraße überholen. Nur drei von über 30 Beispielen, die Leser uns genannt haben. Foto: Jan Hullmann, Tobias Denne, Mira Taylor

Regelmäßig wird Münster zur fahrradfreundlichsten Großstadt Deutschlands gewählt. In Kategorien wie „Erreichbarkeit des Stadtzentrums” und „zügiges Radfahren” bekommt die Stadt Bestnoten. Doch wenn Oberbürgermeister Markus Lewe zum Fahrradaktionstag am Samstag (10 bis 16 Uhr auf der Stubengasse) die Bürger auffordert den Titel „Fahrradhauptstadt” mit Leben zu füllen, ziehen die Verkehrsexperten des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs ( ADFC ) die Stirn kraus.

Denn in ihren Augen tritt die Stadtverwaltung auf dem Weg zu mehr Fahrradfreundlichkeit auf die Bremse. Wenn man sich beispielsweise anschaue, wo man an der – als „ Fahrradautobahn ” gepriesenen – Promenade überall anhalten müsse, komme man zu dem Schluss „Fahrradhauptstadt – na ja”, meint Elmar Post , Vorstandsmitglied des ADFC Münster.

ADFC: Stadt steht auf der Bremse

Auch das Thema Sicherheit sei längst nicht gelöst. So regelmäßig wie auf dem Spitzenplatz im Fahrradklima-Test des ADFC, landet Münster in der Unfallstatistik von NRW auf den hinteren Rängen. Im Schnitt wurden 2014 pro Tag knapp zwei Radfahrer verletzt. Besonders gefährlich wird es, wenn Autos , Busse oder Lkws beim Abbiegen die Radwege kreuzen. „Das Problem ist seit Jahren bekannt, aber es dauert und dauert bis die Stadtverwaltung etwas ändert“ kritisiert Post. 

Vor allem die  Benutzungspflicht von Radwegen  ist dem ADFC dabei ein Dorn im Auge. Sie sähen es lieber, wenn die Radler mit auf die Fahrbahn dürften und so besser wahrgenommen würden. Hinzu kommt, so Elmar Post, dass die Radwege „immer schlechter sind als die Fahrbahn: Holprig, mit einer kurvigen Führung und viel zu schmal.“

Radfahrer beklagen Schwachstellen

Eine Einschätzung, die viele Radfahrer teilen, die unserer Redaktion zahlreiche Schwachstellen genannt haben, die sie nerven. Der Ludgerikreisel, Wolbecker Straße, Hammer Straße, fehlende Abstellmöglichkeiten, unvorteilhafte Ampelschaltungen – die Liste der angegebenen Unzulänglichkeiten ließe sich noch lange fortsetzen. Wir haben sie auf einer Karte gesammelt:

Rücksichtslos

Doch auch die Radfahrer selbst geraten in die Kritik. Sie seien „die größte Schwachstelle“, kommentiert etwa Jörg Rosenberg bei Facebook.

„Fünf Prozent Idioten hat man bei jeder Verkehrsart“, sagt der Vorsitzende des ADFC Münster, Peter Wolter, dazu. Außerdem empfehle er bei allen Konflikten im Verkehr, sich den ersten Satz der Straßenverkehrsordnung ins Gedächtnis zu rufen. Dort steht: „Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.”

Übrigens: Den Punkt, bei dem Münster bei der Kür zur Fahrradhauptstadt am schlechtesten abschneidet, können weder Verkehrsplaner noch -teilnehmer beheben: die hohe Zahl an Fahrraddiebstählen.

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