Katholisch und heiter
Urs von Wulfen erklärt den Rosenmontag

Münster -

Er hat eine kabarettistische Ader. Er ist katholisch. Und er spricht da so locker drüber, wie es heute schon ungewöhnlich ist. Der Münsteraner Urs von Wulfen klärt in Videos für das Bistum Osnabrück Religionsfragen. Zum Beispiel die Herkunft des Rosenmontags.

Montag, 16.02.2015, 08:02 Uhr

In witzigen Youtube-Videos versucht Urs von Wulfen, Glaubensinhalte mit Humor rüberzubringen.
In witzigen Youtube-Videos versucht Urs von Wulfen, Glaubensinhalte mit Humor rüberzubringen. Foto: bn

„Wissen Sie, wie die Brezeln entstanden?“ Urs von Wulfen kreuzt die Arme, legt die Hände auf die Schultern. Brezelförmig. „Na klar, die wurden von Mönchen erfunden – und die haben eben so gebetet.“

Von Wulfen (40) sitzt in seiner Küche an der Graelstraße, Tochter Milla (fünf Monate) grabbelt nach ihrem Schnuller. Und er erzählt, warum man katholisch sein kann – und lustig.

Kann Spuren von Glauben enthalten

Dass er beides ist, präsentiert der gebürtige Sauerländer beim Bistum Osnabrück . In seiner Youtube-Serie „Achtung! Kann Spuren von Glauben enthalten“ sagt er zum Beispiel, warum Stutenkerle Pfeife rauchen.

Warum? Ursprünglich trug der Stutenkerl einen Bischofsstab, nach der Reformation drehten die evangelischen Christen den um. Schon war‘s eine Pfeife.

Und auch die Entstehung des Rosenmontags aus der Fastentradition der katholischen Kirche erklärt von Wulfen in seinem neuesten Video.

Von Wulfen ist eigentlich Sozialarbeiter. Jahrelang hat er für das Bistum Osnabrück Jugendliche bespasst. Seine Frau Yvonnne leitet die Stabstelle Personalentwicklung der Nachbardiözese. Und gerade kümmert sich der 40-Jährige hauptsächlich um seine drei Kinder Nia, Till und Milla. Mit denen ist er jeden Sonntag in der St. Josefs-Gemeinde zu finden. „Die Kirche ist meine Heimat“, sagt der gelernte Messdiener mit einer charmanten Leichtigkeit, die heute für viele kaum nachzuvollziehen ist.

Preacher-Slam

Als er 2014 den ersten Preacher-Slam der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde gewann, gratulierte nachher ein kirchen-kritischer Journalist, weil er glaubte, von Wulfen habe sich einen guten Scherz mit den Katholiken erlaubt.

Der Witz war, dass es der Freizeit-Prediger ganz ernst meint. Aber sehr locker dabei ist, seinen Glauben ans Publikum zu bringen.

Von Wulfen hat in Bochum studiert. „Da haben die Leute nicht mal Ressentiments gegen die Kirche“, sagt er, „weil sie gar keine Ahnung haben, was da los ist.“ So ist das oft: „Du musst eigentlich überall bei Null anfangen.“

Deshalb schildert er in seinen beiden ersten Youtube-Videos, wie stark Glaube und Rituale den Alltag prägen. Seit einiger Zeit hat er eine Viertelstelle in der Bischöflichen Pressestelle. Nicht weil er Journalist ist, sondern weil das Faible fürs Kabarett für ihn spricht. Auch da wandelt sich die Kirche. Und von Wulfen findet das gut: „Der Herr hat uns dahin geschickt, wo die Menschen sind“, sagt er. Wenn sie heute im Internet sind – also hin...

Damit gehört das Bistum Osnabrück sicher zu den fortschrittlichen. Große Diözesen wie „München“ haben das interaktive Web überhaupt noch nicht erkannt. Von Wulfen sieht da noch viele Chancen und schiebt ein Buch über christliche Rituale über den Küchentisch. Allein mit der Symbolik der Krippe, sagt er, könnte er vier Videos drehen: „Da ist nichts zufällig.“

Kabarett-Nachbarn

Der Dreifach-Vater ist in Kabarettkreisen kein Unbekannter. Er wohnt Haustür an Haustür mit Christoph Tiemann , Schauspieler, Kabarettist und Autor. Sie kennen sich seit langem, moderieren die Kabarett-Bühne Cubarett und schreiben gemeinsam Texte für die WDR-Zugabe. Das schult den Humor.

Von Wulfen erinnert sich an den Moment, als Papst Franziskus gewählt wurde: „Er macht es so ein bisschen wie ich, etwas lustig, etwas spannend.“ Aber in keinem Fall langweilig.

Ein bisschen wirkt der Kirchen-Kabarettist ja wie Bruder Tuck, wie er da am Küchentisch sitzt. Tja, sagt er, wenn er nicht seine wunderbare Frau und die Kinder hätte, dann wäre er wohl Mönch in einem Benediktiner-Kloster geworden: „Das Klosterleben, das war meine erste große Liebe. Und manchmal glaube ich, da hast du auch was verpasst.“

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